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Er war elf Jahre alt, als drei Busse mit französischen Kriegsgefangenen in Welshofen stoppten: Josef Kolbinger.

Erinnerungen an das Kriegsende 1945

„Sie stürmten völlig ausgehungert aus den Bussen“

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Josef Kolbinger aus Welshofen, heute 86, war beim Ende des Zweiten Weltkriegs elf Jahre alt. Da hat er natürlich viele Erinnerungen daran. Eine dreht sich um Franzosen.

Welshofen – Er erinnert sich, als wäre es gestern gewesen. Er war gerade draußen, zusammen mit seinen Freuden, da sah er sie. Drei Busse kamen angefahren. Busse voller befreiter französischer Kriegsgefangener. Josef Kolbinger aus Welshofen, heute 86, war beim Ende des Zweiten Weltkriegs elf Jahre alt. „Sie stürmten aus den Bussen, völlig ausgehungert. Sie rissen sich alles unter den Nagel, was man sich vorstellen kann. Sie hatten ja nichts. Waren arme Teuel“, sagt der 86-Jährige.

Das wussten die Welshofer natürlich. „Die haben gegeben, was möglich war.“ Auch wenn sich die Franzosen alles nahmen, was sie wollten – „aber sie hatten ja auch gar nichts. Nicht mal etwas zum Anziehen“, erinnert sich Kolbinger. Doch ein Erlebnis traf den damals Elfjährigen sehr hart. „Ich hatte das Glück, dass ich damals schon ein Akkordeon hatte. Einer der Gefangenen schnappte sich das Instrument. Doch er konnte ja nicht mal spielen“, sagt Kolbinger.

Warum die Busse damals von der Hauptstraße „aus Dachau kommend Richtung Friedberg nach Welshofen abbogen“, weiß er bis heute nicht. Etwa 300 Einwohner hatte Welshofen laut Kolbinger damals. Er weiß noch genau: „Die Leute im Ort schauten, dass sie für die Franzosen etwas zu essen auftreiben konnten. Die waren so ausgehungert, so etwas kann man sich überhaupt nicht vorstellen.“ Butter, Milch, Eier, Geräuchertes, Brot – „sie wollten alles. Einfach alles“, erzählt Kolbinger. Doch die Mägen waren nicht mehr an Essen gewöhnt, die meisten vertrugen nichts mehr, viele bekamen Durchfall. „Das war kein schöner Anblick im Ort.“ Ein anderer Franzose, der als Kriegsgefangener schon lange im Ort arbeitete, war, so erinnert sich Kolbinger, nicht einverstanden mit dem Verhalten seiner Landsleute. „Er sagte immer: ,Nix gut Kamerad, nix gut‘. Aber, sie hatten doch auch einfach nichts. Sie waren so arm dran“, sagt Josef Kolbinger heute. Nach zwei oder drei Tagen zogen die Busse wieder ab.

Und für den elfjährigen Josef Kolbinger gab es ein Happy-End: Er bekam sein Akkordeon zurück. „Mein Vater sorgte dafür, dass sie es wieder hergeben.“

In einer Serie veröffentlichen die Dachauer Nachrichten Erinnerungen von Zeitzeugen an die Kriegsjahre, das Ende des Krieges und die Zeit danach.

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