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Auf dem Podium: Dr. Joseph Ndogmo, Redaktionsleiterin Nikola Obermeier und Christian Blatt (v.l.)

DN-Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl

Zwei für eine lebenswerte Gemeinde

Volles Haus im Wirtshaus am Erdweg: Wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl strömten über 200 interessierte Zuhörer am Montagabend in den Tafernsaal zur Podiumsdiskussion der Dachauer Nachrichten. Zwei der drei Kandidaten standen dort Rede und Antwort.

Von Sabine Schäfer

Erdweg – Der große Andrang zur DN-Podiumsdiskussion überraschte selbst Redaktionsleiterin Nikola Obermeier, die die Diskussion leitete. Erfreut, vor so großem Publikum sprechen zu können, zeigten sich indes die Kandidaten Christian Blatt (CSU) und Dr. Joseph Ndogmo (Freie Wählergruppe Welshofen). Der dritte Kandidat Rolf Blaas von den Freien Wählern Erdweg hatte eine Teilnahme abgelehnt.

Christian Blatt unternimmt nach 2014 den zweiten Anlauf auf das Bürgermeisteramt. Damals trat er gegen Georg Osterauer von den Freien Wählern an. Gefragt, warum es damals nicht gereicht hat, antwortete Blatt schmunzelnd: „Weil ich weniger Stimmen als der Gegenkandidat bekommen habe.“ Blatt führt als zweiter Bürgermeister seit dem frühen Tod von Georg Osterauer die Amtsgeschäfte. Für Joseph Ndogmo kein Problem. Er habe bisher aus der Bevölkerung viel Zuspruch erhalten.

Bürgernähe und der Ausbau von Gewerbegebieten ist beiden Kandidaten wichtig. „Aber wie soll Gewerbe angelockt werden, wenn die Grundvoraussetzungen fehlen“, fragte Stefan Hefele und beklagte dabei gleichzeitig, dass immer wieder Laster auf der Straße vor der Firma Ushin parken. Christian Blatt räumte ein, dass die Standortfaktoren stimmen müssen, wie eine geordnete Zufahrt und Breitbandanschluss. Auch werde mit Sicherheit kein großes Gewerbe nach Erdweg kommen. Ihm gehe es vielmehr darum, den Bedarf der einheimischen Mittelständler für Weiterentwicklung zu decken.

Joseph Ndogmo zeigte sich als „Freund von Visionen“. Bereits vor 12 Jahren habe es einen Antrag der Freien Wähler gegeben, Gewerbeflächen auszuweisen. Dafür müsse der Bürgermeister Verhandlungsgeschick beweisen. Gleichzeitig müsse man den ansässigen Betrieben die Chance geben, sich zu vergrößern. Da könne man sich auch an den Ortsrändern nach Platz umschauen.

Thomas Kreis wollte von den Bewerbern wissen, wie sie sicherstellen wollen, dass die Gemeinde immer liquide ist. Christian Blatt ist es wichtig, einen guten und realistischen Investitions- und Finanzplan aufzustellen. Und: Projekte sollen nicht ständig geschoben und vor allem zeitnah abgerechnet werden. Joseph Ndogmo will gar nicht erst wieder eine so große Diskrepanz zwischen Kreisumlage (Ausgabeposten) und Schlüsselzuweisung (Einnahme der Gemeinde) entstehen lassen. Zudem müsse mehr Gewerbe angesiedelt werden, damit die Gewerbesteuer eine gute Einnahmequelle bleibt.

Ökolandwirt Hans Schmid vermisste in den jeweiligen Programmen Aussagen, welchen Beitrag die Gemeinden gegen den Klimawandel leisten wollen. Christian Blatt verwies dabei auf den Arbeitskreis Energie und Umwelt, der sich mit solchen Fragen befasst. In der Gemeinde werde bereits seit langem über Nahwärmeversorgung für Schule, Rathaus, Wirtshaus und Pfarrzentrum nachgedacht, in den Bauleitverfahren allgemein über Nah- oder Fernwärmeversorgung. Zudem wolle die Gemeinde in den nächsten Haushaltsentwurf den Kauf eines Elektroautos für die Bauhofmitarbeiter einstellen und natürlich dafür die Lade-Infrastruktur.

An „Energie mit Zukunft“ denkt auch Joseph Ndogmo und konkret daran, besagten Gebäudekomplex tatsächlich so und zwar bald auszustatten.

Auf die vermehrte Ausweisung von Baugebieten mit einem Ausbau der Infrastruktur zu reagieren, darauf legten sich beide Kandidaten fest. Joseph Ndogmo will vor allem die Kinderbetreuung stärken und denkt an ein Generationen übergreifendes Familienzentrum. Christian Blatt erläuterte, dass der Sozialausschuss bei den Baulandausweisungen bereits die Erweiterung von Kinderhäusern eingebaut habe. Denn: „Der Bedarf ist jetzt schon da.“

Auch der Bedarf an nachschulischer Betreuung, wie Markus Koller bemerkte. Das sahen auch Ndogmo und Blatt so. Christian Blatt verwies aber darauf, dass es eine zweite Form der nachschulischen Betreuung geben müsse außer der Mittagsbetreuung, die bereits an Kapazitätsgrenzen stoße. „Eltern sollen eine Wahl haben, damit die Kinder die bestmögliche Betreuung haben.“ Dafür sei bereits eine Machbarkeitsstudie fertig und die Zuschusslage müsse nun geprüft werden.

Franz Baur wollte wissen, was den Gegenkandidaten jeweils unterscheide. Joseph Ndogmo erklärte, zu planen, und abzuklären, ob Geld vorhanden ist. „Wenn möglich, packen wir es dann an.“ Für Christian Blatt zählt „Umsatzstärke“ für die nächsten 10 bis 15 Jahre. Will heißen: gestalten, konzipieren, einbringen in den Gemeinderat. So habe er beispielsweise wesentliche Gedanken zum jetzt beschlossenen Baulandmodell eingebracht.

Anwesend war auch das Bayerische Fernsehen. Vor demnach wirklich großem Publikum forderte Nikola Obermeier die beiden Bewerber auf, eine Schlagzeile zu formulieren für die Zeit nach vielen Amtsperioden: „Erdweg nach wie vor lebens- und liebenswert“ lautete die von Christian Blatt. „Ziel erreicht, wenn die Gemeinde lebenswert bleibt“, würde Joseph Ndogmo titeln.

Die Abendschau sendet heute, Dienstag, um 17.30 Uhr einen Beitrag zur Podiumsdiskussion (Drittes Programm). 

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