1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau

Erst Flucht und dann die Einsicht

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Petershausen - Ein 18-Jähriger hat in seinem VW Golf einem Caddy die Vorfahrt genommen - und trotz gehörigen Schepperns die wilde Fahrt fortgesetzt. Doch bald darauf packte den Unfallflüchtigen das schlechte Gewissen. Seinen Anruf bei der Polizei, zehn Minuten nach dem Unfall, rechnete ihm der Amtsrichter hoch an.

Die Einfahrt auf die A 9 in Richtung München auf der Brücke in Allershausen ist nicht ganz ohne, sie ist durchaus knifflig. Besonders für einen Führerscheinneuling könnte sich die Angelegenheit stressig ausgewirkt haben, gestand Jugendrichter Boris Schätz dem wegen Unfallflucht angeklagten 18-Jährigen zu.

Als Linksabbieger musste der in Petershausen lebende Auszubildende sich zunächst durch den Gegenverkehr schlängeln, um sich dann gleich auf Rechts vor Links umzustellen. Der sowohl straf- als auch verkehrsrechtlich bislang unauffällige Angeklagte war zum Zeitpunkt des Unfalls im Oktober 2012 erst sechs Monate im Besitz eines Führerscheins - was der Richter am Amtsgericht Freising einzuschätzen wusste. Noch guter Dinge hatte der Angeklagte in Allershausen den Weg zur Autobahneinfahrt eingeschlagen. Als er die Brücke hinauffuhr und sah, was ihn erwartete, begann sein Herz wie wild zu pochen. Ständig kamen Autos aus Richtung des Kreisels, versperrten ihm die Einfahrt. Dann endlich eine Lücke. „Jetzt oder nie“, hatte er wohl gedacht - und krachte einem Caddy in die Flanke. Das VW-Konkurrenzmodell blieb angeschlagen liegen. Der Schaden belief sich auf 2400 Euro.

„Ich stand unter Schock“, behauptete der 18-Jährige, als Richter Schätz ihn fragte, weshalb er das Weite gesucht hatte. Er habe bloß noch heim gewollt. Runter also auf die A 9. Beim Neufahrner Kreuz auf die A 92, zur Ausfahrt Unterschleißheim. Dort sollte er eigentlich über die B 471 gen Dachau fahren. Doch genau dort kam der Azubi wieder zu sich und informierte die Polizei. Kaum zehn Minuten waren seit dem Unfall vergangen. Richter Schätz hielt ihm zu Gute, sich bereits nach kurzer Zeit besonnen zu haben. In den Augen des Gerichts, so Schätz, habe der Azubi daher beinahe den Status eines Selbststellers errungen.

Der Angeklagte, der sich mit seiner Mutter und dem älteren Bruder eine Wohnung teilt, gilt als „bodenständiger, praktisch veranlagter, junger Mann“, der in seiner Freizeit gern und ausgiebig schläft. Seine Ausbildung hat er fast abgeschlossen.

Angesichts der offenbarten Reue erschien dem Gericht die Teilnahme an einem Verkehrsseminar als gleichermaßen angemessene wie lehrreiche Sanktion. Beim Angeklagten allerdings hielt sich die Begeisterung in Grenzen. „Wenn’s denn sein muss“, knurrte er.

Womöglich ein wenig enttäuscht, dass der 18-Jährige seine Bemühungen, den Erziehungsauftrag des Jugendrechts mit der notwendigerweise fälligen Sühne zu kombinieren, nicht zu würdigen wusste, ergänzte Richter Schütz sein Urteil um 400 Euro und ein viermonatiges Fahrverbot.

Des hohen Schadens wegen hätte er die Fahrerlaubnis auch ganz entziehen können, warnte Schätz. Sechs Monate wären locker dringewesen. Der Azubi hätte seinen Führerschein neu machen müssen, was automatisch die Straßenverkehrsbehörden auf den Plan gerufen hätte. „Eine Menge Ärger hätte das nach sich gezogen“, ließ Schätz den 18-Jährigen wissen. Und was ihn im Wiederholungsfall erwartet: ein Haufen Probleme nämlich.

Auch interessant

Kommentare