Glück und Mut. Shlomo Wolkowicz kann heute über die schlimmste Zeit reden. Foto: kwo

Erst seit 15 Jahren wirklich frei

Dachau - Shlomo Wolkowicz ist vor 65 Jahren aus dem Terror der Nationalsozialisten befreit worden. Wirklich frei ist er erst seit 15 Jahren.

Jeden Samstag Abend kommen die Erinnerungen. Manchmal sieht Shlomo Wolkowicz sie dann wieder vor sich, die vielen hundert Leichen, die er zu ihrem Grab schleppen musste. Es sind Erinnerungen, mit denen er inzwischen umgehen kann. Mehr als 50 Jahre lang war das anders. So lange hat der gebürtige Pole gebraucht, bis er sich aus dem Holocaust befreien konnte.

„Ich hatte Glück“, sagt er heute. „Glück und Mut.“ Viele Menschen, denen er seine Geschichte erzählt hat, sprechen eher von einem Wunder. „Es ist die Geschichte eines 17-jährigen jüdischen Jungen, der lediglich leben wollte“ - so fängt er jedes Mal an. Dann beginnt er ruhig und mit lauter Stimme zu erzählen: von seinen Versuchen, sich vor der SS zu verstecken, von seiner Verhaftung. Davon, wie er in einem Lager einen ganzen Tag lang mit vielen anderen Männern Leichen schleppen musste, wie er grundlos geschlagen und verprügelt wurde - während seine Tante und Dora, das junge Mädchen, das er so gern hatte, zusehen mussten.

Keine Kugel hat ihn erwischt, als die SS-Männer mit Maschinengewehren am Ende des Tages auf die jüdischen Männer feuerten. „Damals hat die Erde gezittert.“ Shlomo wurde ohnmächtig - das hat ihm wahrscheinlich das Leben gerettet. Er kam erst nachts wieder zu sich, begraben von unzähligen Leichen. „Das war schrecklicher als der Tod“, sagt er. Er sah den Vollmond am Himmel, spürte die Regentropfen auf seiner Haut - und entschloss sich zu kämpfen. Für sein Leben.

kwo

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