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Eine 20-jährige Röhrmooserin musste sich vor dem Dachauer Amtsgericht verantworten, da sie eine Pedelec-Fahrerin überfahren hatte.

20-jährige Autofahrerin wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

„Es tut mir so unendlich leid“

Die Angeklagte war  im Gerichtssaal am Ende ihrer Kräfte. Die 20-jährige Röhrmooserin hatte im August 2016 eine 68-jährige Indersdorferin überfahren.

Dachau – In Tränen aufgelöst sitzt eine junge Frau im Sitzungssaal B des Dachauer Amtsgerichts, sie war soeben der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden worden. „Es tut mir so unendlich leid“, entschuldigt sich die 20-Jährige verzweifelt am Ende der Gerichtsverhandlung. 

Die junge Röhrmooserin hatte am 17. August 2016 eine 68-jährige Pedelec-Fahrerin überfahren, die zwei Wochen später starb. Deswegen muss sie 80 Sozialstunden ableisten, drei Monate auf ihren Führerschein verzichten und ein Fahrsicherheitstraining absolvieren.

Wie ist der Unfall in Indersdorf passiert?

An dem Unglückstag wollte die damals 19-Jährige mit ihrem Auto zu einer Freundin fahren. In Indersdorf überholte sie auf der Maroldstraße die 68-jährige Indersdorferin, die auf ihrem Elektrofahrrad unterwegs war. 

Weil sie zu spät bemerkte, dass sie bereits kurz vor der Bräuhauskellerstraße – ihrem Ziel – war, blinkte die Röhrmooserin und bog abrupt nach rechts ab. Die Pedelec-Fahrerin konnte nicht mehr bremsen, prallte gegen das Auto, wurde über das Heck geschleudert und blieb auf der Straße liegen.

Mühsam um Haltung ringend, schilderte die Angeklagte, wie sie seinerzeit sofort den Notruf und ihre Eltern verständigt hatte. Die Radlerin war zwar sofort ins Zentralklinikum nach Augsburg geflogen worden. Doch dort konnten ihr die Ärzte nicht mehr helfen. Am 30. August starb die 68-Jährige an den Folgen ihres Schädelhirn-Traumas. 

20-Jährige leidet unter psychischen Folgen des Unfalls

Ein Gutachter stellte fest, dass die Angeklagte den Unfall hätte verhindern können und müssen.Es bestehe aber die Möglichkeit, dass sich die Radlerin, die ohne Helm fuhr, im toten Winkel des Autos befunden habe.

Mit Tränen in den Augen sagte die Angeklagte dem Gericht, dass sie der Familie der Verstorbenen eine Trauerkarte geschickt habe. Ihre Anwältin legte ein Schreiben einer Psychologin vor, bei der sich die junge Frau seit einem Jahr in Behandlung befindet: Die 20-Jährige leide seit dem Unfall unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, Panikanfällen, Albträumen, massiven Schuldgefühlen und Selbstzweifeln. Auch könne sie nicht mehr unbefangen Auto oder Fahrrad fahren, so die Psychologin.

Der Staatsanwalt forderte eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht, das Ableisten von 100 Sozialstunden sowie ein Fahrverbot von drei Monaten.

Verteidigung bat um Milde

Der Anwalt der Angehörigen, die als Nebenkläger auftraten, schloss sich dieser Einschätzung an, hob jedoch hervor, dass die in Indersdorf lebenden Verwandten der Toten jeden Tag an der Unfallstelle vorbeifahren müssen.

Die Verteidigung bat um Milde. Die Angeklagte sei mit den psychischen Folgen des Unfalls genug gestraft. Auch könne sie, falls sie eine Vorstrafe erhalte, ihre Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Angestellten womöglich nicht vollenden. Auch sei die Reue der Angeklagten so groß, dass sie den Umstand, dass die Pedelec-Fahrerin keinen Helm trug, nicht zur Verteidigung anführen wollte.

Richter Daniel Dorner schloss sich Staatsanwaltschaft und Nebenklage an und entschied sich für das deutlich mildere Jugendstrafrecht: „Die Angeklagte war zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alt, lebt noch heute bei ihren Eltern und befindet sich noch in der Ausbildung. Sie ist war somit einer Jugendlichen näher als einer Erwachsenen“, erklärte der Vorsitzende.

Von Matthias Schneider

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