Ex-Chef verklagt Verwalterin wegen Untreue

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Dachau - Es ging um jede Menge Vertrauen - und um eine immense Summe Geld. Eine Hausverwalterin musste sich vor dem Dachauer Amtsgericht verantworten, weil sie 130 000 Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet haben soll.

Früher, da glaubten Franziska Huber (alle Namen geändert) und ihr ehemaliger Chef Martin Janssen noch, dass sie sich aufeinander verlassen können. Er gab ihr blanko unterschriebene Papiere, ihre Arbeit kontrollierte er kaum. Sie sorgte im Gegensatz fast im Alleingang dafür, dass die Geschäfte liefen. Als sich die beiden jetzt vor dem Dachauer Amtsgericht wieder trafen, herrschte jedoch Eiszeit. Franziska Huber würdigte ihren Ex-Chef während dessen Aussage keines Blickes. „Die hat mein Vertrauen missbraucht“, wurde auf der anderen Seite Martin Janssen nicht müde zu betonen.

Im September 2007 hat Huber bei der Firmengruppe von Martin Janssen als Hausverwalterin angefangen. Laut Janssen durfte sie selbstständig kleinere Aufträge vergeben und kleinere Überweisungen tätigen. Auch regelmäßige Dienstreisen zu den von ihr verwalteten Objekten gehörten zu ihren Aufgaben. „Herr Janssen hat mich alles machen lassen, und ich habe es nach bestem Gewissen gemacht“, beteuerte Franziska Huber vor Gericht. „Ich habe gearbeitet und er wusste von wahrscheinlich 80 Prozent nichts.“ Franziska Huber bekam damals für offizielle 25 Stunden in der Woche ein Gehalt von 1700 Euro. Anfang 2011 hat sich die 35-Jährige schließlich selbstständig gemacht und weiterhin freiberuflich für die Firmengruppe von Janssen gearbeitet.

Damit fingen die Probleme an. Denn einen schriftlichen Vertrag darüber gab es nicht. Franziska Huber betonte vor Gericht, alles mündlich mit ihrem Chef besprochen zu haben. Der sah das aber ganz anders: „Sie hat sich ohne meine Zustimmung selbstständig gemacht.“

Fakt ist, dass die Büroräume im April 2011 von München in das Haus von Franziska Huber im Landkreis Dachau verlegt wurden. Der Untermietvertrag lag dem Gericht vor, beide Seiten bestätigten, ihn unterschrieben zu haben. Eine Vertragspartei war die neugegründete Firma von Franziska Huber. Daraus konnte das Gericht schließen, dass Martin Janssen letztlich doch von der Selbstständigkeit wusste und mit dem Unternehmen von Franziska Huber bewusst zusammengearbeitet haben musste.

Das bestätigte Martin Janssen nach Nachfragen von Richter Tobias Bauer dann auch. Er erklärte außerdem, dass der Verdienst von Franziska Huber dabei höher gewesen sei als ihr Angestelltengehalt, außerdem habe sie ihre Reisekosten und Auslagen ersetzt bekommen hat. An genaue Zahlen konnte er sich aber nicht mehr erinnern.

Franziska Huber jedenfalls überwies sich von Martin Janssens Firmenkonten monatlich selbst ein Gehalt von rund 3000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer sowie weitere Geldbeträge als Aufwandsentschädigung. Insgesamt wechselten so rund 170 000 Euro den Besitzer. Laut Anklage sollen davon Zahlungen von etwa 130 000 Euro ungerechtfertigt gewesen sein. Darunter fiel auch ein Darlehen in Höhe von 15 000 Euro, das als Startkapital für die Selbstständigkeit dienen sollte. Den Darlehensvertrag hat sie auf einem Dokument mit Blankounterschrift aufgesetzt. Vor Gericht gab sie zu, dass ihn ihr Chef den Vertrag selbst nie zu Gesicht bekommen hat. Er hätte ihr aber mündlich das Geld zugesagt, beteuerte sie. Dem widersprach Martin Janssen - zu „300 Prozent“ habe es dieses Gespräch nicht gegeben.

Das glaubte ihm das Schöffengericht. Es gelangte zur Überzeugung, dass Huber die 15 000 Euro veruntreut und den Darlehensvertrag gefälscht hat. Was es mit dem restlichen Geld auf sich hatte, konnte aber nicht sicher geklärt werden. „Der Tatnachweis ist nicht geführt. So wachsweich, wie das alles war, können wir darauf keinen Schuldspruch fassen,“ erklärte Richter Tobias Bauer.

Das Schöffengericht verurteilte Franziska Huber deshalb wegen Veruntreuung der 15 000 Euro und wegen Urkundenfälschung - zu einem Jahr Freiheitsstrafe, auf Bewährung.

(cla)

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