Viele fürchten um ihre Jobs

Existenzangst am Klinikum

Dachau - Mitarbeiter der Helios-Amperklinik AG haben das Vater Unser umgedichtet und ausgehängt. Es ist ein zynisches Pamphlet. Dahinter steckt: Existenzangst.

„Keiner weiß, wie es weitergeht“, sagt eine Angestellte über den Kurs, den die Helios Kliniken GmbH steuert. Werden Stellen abgebaut? Wird die Küche aufgelöst oder werden die Patienten von einem anderen Krankenhaus mitversorgt? Werden gar ganze Abteilungen aufgelöst?

Alles Fragen, die die rund 950 Angestellten der Krankenhäuser Dachau und Indersdorf beantwortet haben wollen. Doch Helios hülle sich in Schweigen, so Belegschaft und Betriebsrat. „Man fühlt sich wie amputiert“, meint die Mitarbeiterin, die nicht erkannt werden möchte; sie hat Angst vor Repressalien. „Die Mitarbeiter haben die Sorge, den Mund aufzumachen“, sagt sie. Manche, die ihre Meinung trotzdem kundgetan hätten, seien zu einem Gespräch zitiert worden, wo ihnen Druck gemacht worden sei.

„Ein Verbot gegenüber einzelnen Mitarbeitern ihre Meinung zu äußern oder eine anschließende Disziplinierung gibt es seitens des Vorstands definitiv nicht“, erklärt Helios-Pressesprecherin Beatrice Charrier. „Wir wollen Mitarbeiter, die mitdenken, die sich einbringen und die Probleme nicht verschweigen und Lösungsansätze entwickeln“, ergänzt Vorstandsvorsitzender Martin Jonas. „Würden wir die freie Meinungsäußerung verbieten, würden wir uns selbst schaden.“

Ihre Meinung frei geäußert haben Mitarbeiter bereits. Sie befestigten im Raucherraum ein Blatt Papier an der Wand. „Unseren täglichen Brotkrümel gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld nur einfache Beschäftigte zu sein, aber wir vergeben nicht den Schuldigen“, heißt es dort in Abwandlung des Vater Unser.

Die Klinikführung gibt immerhin den mangelnden Informationsfluss zu. Vorstandsvorsitzender Jonas hat nun einen Mitarbeiternewsletter angeregt, der am Donnerstag erschienen ist. Zudem soll ein runder Tisch eingerichtet werden, bei dem die Arbeitnehmer offen Probleme ansprechen können. Jonas möchte obendrein Einzelgespräche führen, „um sich mit den Mitarbeitern dort darüber zu unterhalten, was sie bewegt“, so Pressesprecherin Charrier.

„Ein kontinuierlicher Austausch mit den Mitarbeitern ist mir sehr wichtig. Wir werden bei den Amper Kliniken daher nicht nur Informationen regelmäßig ins Haus geben, sondern vor allem das direkte Gespräch suchen. Nur so können wir Probleme schnell identifizieren und aus der Welt schaffen. Deshalb möchte ich mich auch wöchentlich mit dem Betriebsrat treffen“, sagt Martin Jonas. Er könne verstehen, dass die Mitarbeiter viele Fragen haben. Alle könne er aber auch nicht beantworten, weil in manchen Fällen einfach noch keine Fakten zum Kommunizieren vorhanden seien.

Dennoch: Rund 30 Mitarbeiter aus der Verwaltung und der Pflege haben dem Haus in den zurückliegenden Monaten freiwillig den Rücken gekehrt und sich neue Jobs gesucht; oft, um Kündigungen vorzugreifen. Besonders in der Verwaltung und in der Küche fürchten die Angestellten um ihre Jobs.

Vor allem gut bezahlten Kräften habe Helios so genannte „Sprinterprämien“ angeboten, damit diese von sich aus gingen, ist zu hören. Ob auch Bernward Schröter, 61, der zum Jahresende ging (wir berichteten), eine „Sprinterprämie“ angetragen wurde, ist nicht bekannt. Die Klinkleitung bestreitet, dass es derartige Zahlungen gibt. Schröter war seit 2011 Vorstandsvorsitzender. Dem bei der Belegschaft hoch geschätzten Chef wurde zunächst im August der Helios-Regionalgeschäftsführer Bayern, Martin Jonas, vor die Nase gesetzt. Schröter amtierte fortan nur noch als einfacher Vorstand. Schließlich nahm er seinen Hut, obwohl er eigentlich noch einen Vertrag bis 2016 besaß. „Sein Abgang ist schmerzlich. Die Mitarbeiter sehen das sehr betroffen. Er hatte immer ein offenes Ohr für uns“, kommentiert der Betriebsratsvorsitzende Claus-Dieter Möbs. „Über die Gründe haben Helios und ich Stillschweigen vereinbart“, sagt Schröter selbst. Eine neue Aufgabe habe er bislang noch nicht gefunden.

Trotz aller Probleme geben sich die Mitarbeiter trotzig. Wie heißt es auf dem „Helios Unser“ weiter: „Denn Dein ist der Reichtum, die Macht und die Selbstherrlichkeit. Aber nicht in Ewigkeit! Amen.“

(zim)

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