Familienausflug zum Amtsgericht

Dachau - Zu Beginn war es nur ein harmloser Streit um einen Parkplatz. Er endete mit einer fünfstündigen Verhandlung und einem Familientreffen vor dem Amtsgericht.

Diese Konstellation gibt es wohl selten: Vater, Mutter und die zwei Söhne mussten zusammen einen Familienausflug zum Amtsgericht machen - alle vier waren angeklagt, weil ein Streit am Dachauer Krankenhaus eskaliert war.

Vergangenen April wollte Milan Petrovic (46, alle Namen geändert) seinen Sohn Novak (19) vom Krankenhaus abholen. Das Auto parkte er auf einem Notfallparkplatz vor der Klinik. Novak wartete in einem Café auf seinen Vater. Seine Mutter Stana (45) und sein Bruder Vaso (25) waren mit von der Partie. Martin Müller, der mit seiner Mutter Helga ebenfalls im Café war, sprach den Vater darauf an, dass er sein Auto umparken solle. Wie, darüber schieden sich vor Gericht die Geister: „Er hat gesagt ,Hey du Furz, fahr das Auto weg‘“, war sich die Familie einig. Müller, dessen Mutter und ein unabhängiger Zeuge betonten jedoch, dass lediglich eine höfliche Frage gestellt worden sei. Es kam jedenfalls zum Streit, bei dem die Petrovics die Müllers beleidigten und Worte fielen wie beispielsweise „Nazischwein“. „Es gab wüste Beschimpfungen“, sagte Helga Müller.

Die Auseinandersetzung eskalierte. Schließlich schlug Novak Petrovic Martin Müller mit der Faust ins Gesicht. Müller ging zu Boden, rappelte sich wieder auf - und Novak schlug nochmal zu. Wieder mit der Faust, wieder ins Gesicht. Vor Gericht gestand Novak Petrovic die Schläge. Er betonte aber, dass auch Martin Müller aggressiv gewesen sei. „Er wurde immer lauter und hat mich geschubst. Ich hatte Angst, weil ich frisch operiert war.“ Martin Müller, seine Mutter und der Zeuge widersprachen dem. Der Zeuge bestätigte zugleich Novaks Geständnis. Denn was die Schläge anbelangt, hatten Mutter und Sohn Müller einige Gedächtnislücken. Ihre Aussagen vor Gericht deckten sich weder miteinander noch mit dem, was sie bei der Polizei gesagt hatten. Sie hatten große Probleme, den Schläger zu identifizieren. „Sie sehen doch alle gleich aus“, sagte Helga Müller - obwohl einer der Angeklagten eine Glatze, einer volles dunkles Haar und einer eine Kurzhaarfrisur hat und ein großer Altersunterschied zwischen ihnen liegt.

Dubios war auch ein Vorwurf der Angeklagten an Martin Müller, der mit zweitem Vornamen wie sein Patenonkel Adolf heißt. „Der Hitler wusste schon, warum er die Gaskammern gebaut hat, da gehört ihr hin“, soll er der serbischstämmigen Familie an den Kopf geworfen haben. Müller bestritt das vehement. Auch der unabhängige Zeuge habe eine derartige rassistische Aussage nicht gehört. Deshalb kam Richter Daniel Dorner zu dem Schluss: „Die KZ-Äußerung ist zur Überzeugung des Gerichts nicht gefallen.“

Er verurteilte Stana Novak wegen Verleumdung und Beleidigung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen. Die gleiche Strafe bekam ihr Mann für Beleidigung. Sohn Novak muss wegen Körperverletzung und Beleidigung eine Woche in Dauerarrest und an einem sozialen Training teilnehmen. Das Verfahren gegen Vaso wurde eingestellt.

Claudia Schuri

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