Die Geschichte der Hohenesters

Diese Familie geht ihren Weg - Seit 120 Jahren

Glonn- Sie ließen sich von keinem Schicksalsschlag aus der Bahn werfen. Jetzt können die Hohenesters ihre 120-jährige Familientradition feiern. Und darüber gibt es eine ganze Menge zu erzählen.

Nachweisbar ist, dass Ende des 19. Jahrhunderts eine Hohenester-Linie von Schönbrunn ins Glonntal übersiedelte. Was bis heute geblieben ist, ist die gastwirtschaftliche Bodenständigkeit, die unternehmerische Weitsicht und die Bereitschaft für Veränderungen.

So ist das heute geführte Gasthaus und das Gästehaus „Zur Mühle“ sowie die Zimmerei Hohenester in Glonn weit über die Grenzen der Gemeinde Indersdorf hinaus bekannt. Über die zwei verbliebenen Familienunternehmen und deren Herkunft gibt es viel zu erzählen.

Der Familienhistoriker Schorsch Gebhard aus Olching hat in mühevoller Arbeit in den Annalen der Hohenesters geblättert. Das ist die Vita des ehemaligen Schönbrunner Wirts Johann Hohenester und späteren Selbständigen in Glonn. Seine ursprüngliche Heimat war Deisenhofen, südöstlich von München. Dort wurde er 1850 geboren. Amalie und Benedikt Hohenester, die Kurbadbesitzer von Mariabrunn, waren Tante und Onkel von Johann Hohenester. „Hansl“, wie er von allen in der Familie gerufen wurde, half schon früh in der Mariabrunner Wirtschaft der „Doktorbäuerin“ mit und erlernte so von Grund auf das Leben eines Gastwirts kennen. Von beiden kinderlosen Badbesitzern wurde der fleißige Bursche gerne gesehen, gefördert und unterstützt. 1878 heiratete „Hansl“ schließlich die zweifach verwitwete Schönbrunner Wirtin Theres Seidl.

Ab ihrer Trauung lebten die Hohenesterischen Wirtsleut über 17 Jahre in Schönbrunn, bis sie 1895 ihren Betrieb verkauften und nach Glonn übersiedelten. In dieser ereignisreichen Zeit gebar Resl ihrem dritten Mann weitere neun Kinder. Insgesamt brachte sie in ihren drei Ehen 19 Kinder zur Welt.

1878 starb Johann Hohenesters Tante Amalie. Zu dieser Zeit erfolgte auch der spektakuläre Verkauf des Guts Mariabrunn durch seinen Onkel Benedikt an den Grafen von Rambaldi (1881). Benedikt Hohenester war Allein- und Universalerbe des umfangreichen Gutsbesitzes, Johann und Therese Hohenester verkauften 1895 ihr Schönbrunner Anwesen an die Schönbrunner Schwestern, die ja damals schon die Anstalt Schönbrunn geleitet haben. Der wachsende Erweiterungsdruck der Anstalt führte zu diesem Schritt.

Von dem verwitweten Joseph Arzberger kauften die Hohenesters vor 120 Jahren den Gasthof, die Mühle, das Sägewerk und die Landwirtschaft in Glonn. Keine fünf Jahre standen Johann und Therese Hohenester zur Verfügung, um sich in die 1895 erworbene Mühle und dem Sägewerk einzuarbeiten. Gewohnt war ihnen nur die Tätigkeit als Wirtsleut und Nebenerwerbsbauern. Und dann schlug erneut der Tod eine Kerbe in das weitere Geschehen in der Familie.

Am 7. Februar 1899 verstarb Resls dritter Mann im Alter von nur 49 Jahren. Sein älterer Sohn Johann Georg, der ein arbeitsamer Bursche war, musste wegen des Vaters Tod schon früh die Mutter im Geschäft unterstützen. Das tat er auch gerne, wie man aus familiären Überlieferungen weiß. Der weltoffene und belesene Wirtssohn übernahm schnell die Verantwortung und heiratete nach seiner Rektrutenzeit im November 1904 die Landwirtstochter Brigitta Göttler aus Langenpettenbach, die ihm zehn Kinder schenkte.

Johann Georg Hohenesterwurde in der einst selbständigen Gemeinde Glonn von 1919 bis 1924 zum 2. Bürgermeister und eine Wahlperiode später (1924 bis 1929) sogar zum Gemeindechef gewählt. Dem zu dieser Zeit erschienen Amperboten ist zu entnehmen, dass der Bürgermeister ein sehr geselliger Mensch war, der gerne feierte, wie er das mit seiner Frau zur Silberhochzeit getan hat. Für Nachkommen zum Fortbestand und Weiterführung von Gastwirtschaft, Mühle und Sägewerk war vorgesorgt: Mit dem im Juli 1913 geborenen Sohn Georg, den die Älteren aus Glonn und Umgebung noch kannten, war auch die männliche Linie der Hohenesterschen Familientradition in Glonn gesichert. Im Januar 1942 verstarb Altbürgermeister Johann Georg Hohenester im Alter von 60 Jahren. Er wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung im Kirchenfriedhof beerdigt. So hat Sohn Georg zusammen mit seiner Frau Resi, die aus einem Glonner Bauernhof kam, den Betrieb fortgeführt.

Leider ist aber auch Schorsch nicht alt geworden sondern schon mit 59 Jahren verstorben, so dass Tochter Theresia und deren Mann Leonhard Loderer ab 1986 ran mussten. Aber auch der „Hardi“, wie ihn all seine Stammgäste nannten, ist schon viel zu früh, 2010, unerwartet mit 59 Jahren verstorben.

Die alteingesessene Wirtschaft und das Gästehaus führen seither dessen Frau Theresia und die gleichnamige Tochter erfolgreich weiter. Sohn Georg Hohenester widmete sich dem handwerklichen Teil des Betriebes. Er führte das Sägewerk noch bis 1990, hatte aber bereits 1974 mit der Zimmerei begonnen, in die längst auch Sohn Michael eingestiegen ist. Oft trifft man auch die Hohenester-Töchter Elisabeth und Maria im ehemaligen elterlichen Wirtshaus an, denn da fühlen sie sich dahoam. So geht die Hohenester-Dynastie auch nach 120 Jahren in eine erfolgreiche Zukunft.

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