Die ferne Zeit ganz nah

Egenburg - Im Egenburger Rathaus ist ab jetzt die spannende Ausstellung „Kriegsende und Nachkriegszeit im Landkreis Dachau“ zu sehen. Insbesondere der Pfaffenhofener Teil von Professor Ernst-Michael Hackbarth vermittelt hochinteressante Einblicke in die jüngere Vergangenheit.

Im Egenburger Rathaus ist die hoch gelobte Wanderausstellung „Kriegsende und Nachkriegszeit im Landkreis Dachau“ eröffnet worden. Es ist die zehnte Station des Geschichtswerkstatt-Projekts. „Und jedes Mal ist sie neu und aufregend“, konstatierte Projektleiterin Dr. Annegret Braun in ihrer Begrüßungsrede. Der Grund: Die Schau besteht eigentlich aus zwei Teilen. Zum einen aus acht Überblicks-Schautafeln, die zusammen mit einigen Exponaten einen Einblick in die damalige Zeit und Umstände im gesamten Dachauer Land geben. Und zum anderen aus einem lokalen Teil, den der Heimatforscher Professor Ernst-Michael Hackbarth für die Altgemeinde Pfaffenhofen an der Glonn (mit seinen Ortsteilen Wagenhofen und Egenburg) zusammen getragen hat.

In mühevoller eindreivierteljähriger Kleinarbeit hat Hackbarth verschiedene Archive durchwühlt und mit Zeitzeugen gesprochen. Darunter Altbürgermeister Stefan Kiemer oder auch Michael Lampl senior. Die Ergebnisse stellt Hackbarth auf einer Vielzahl von Schautafeln mit Grafiken und historischen Fotos vor. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit: Die Geschichte des Aufeinander- und Zusammentreffens zwischen den Einheimischen und den vielen Kriegsflüchtlingen.

„Damals kamen erstmals Evangelische hier in die Region“, erinnerte Braun. „Und noch viel schlimmer: „Sozialdemokraten“, setzte sie mit gespieltem Entsetzen hinzu. Was für beide Seiten wohl eine Art Kulturschock darstellte. Hackbarth berichtete von den Gemeinderatswahlen von 1948, als sich die Ortsfremden besser zu organisieren wussten und plötzlich die Mehrheit stellten. Allerdings nur für kurze Zeit. Einer der Vertriebenen-Vertreter trat kurz darauf freiwillig zurück - die Einheimischen hatten wieder die Mehrheit.

Nicht jeder wollte sich mit diesen Verhältnissen arrangieren. Insbesondere der Pfaffenhofener Pfarrer Finsterer wetterte wortreich gegen die neuen Verhältnisse, speziell „Mischehen“ (zwischen Evangelischen und Katholischen) waren ihm ein Dorn im Auge. „Aber heutzutage ist von den Spannungen zwischen Einheimischen und Zugezogenen zum Glück nichts mehr zu spüren“, merkte der Norddeutsche Hackbarth an, möglicherweise mit leiser Ironie.

Weitere Themen sind die Rolle der Frauen in den schweren Nachkriegsjahren, erste Begegnungen mit US-amerikanischen Soldaten, Schule, Kirche und Politik. Viele Alltagsgegenstände aus der Nachkriegszeit - vom Kaffeeröster bis zur Buchenstecken-Angel - lassen die damaligen Zeiten wieder aufleben.

Bürgermeister Helmut Zech zitierte in seinem Grußwort den „Eisernen Kanzler“ Otto von Bismarck: „Man muss die Geschichte kennen, um die Gegenwart zu verstehen.“

(Horst Kramer)

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