Ein Fest zum Erstlingswerk: Indierockband Kandinsky stellt Debüt-Album vor

Vierkirchen/Dachau - Die vierköpfige Rock-Formation Kandinsky ist live eine Wucht und hat sich deshalb schon eine respektable Anhängerschaft zusammengespielt. Viele dieser Fans waren jetzt dabei, als die Kandinskys ihr erstes Studioalbum vorstellten. Ein tolles Fest - mit einem kleinen Schönheitsfehler.

Die Antwort war deutlich, als Ben Meyer die Frage ins Publikum schleuderte: „Wollt Ihr noch eins?“ Ein tosendes „Jaaa!“ flog zurück auf die Bühne. Das leise Wimmern seiner Stimmbänder ignorierte der Frontmann der Rockband Kandinsky ganz routiniert und setzte mit letzter Kraft zur Zugabe an.

Die Heiserkeit am nächsten Tag? Geschenkt. Es gab schließlich einen Grund zum Feiern für die Vierkirchner Nachwuchsrocker: das erste Studioalbum ist im Kasten.

Um die Geburtsstunde des Platten-Erstlings angemessen zu zelebrieren, hatten die vier Bandmitglieder ins Münchner Ampere geladen. Und rund 250 Anhänger waren dem Ruf gefolgt.

Eine CD-Release-Party in der Landeshauptstadt zu feiern hat mittlerweile Tradition: Mit Orange Fizz, Lem Motlow oder Benito und Kestin haben in den vergangenen Jahren bereits mehrere Landkreis-Bands ihren Festakt in die große Nachbarstadt verlegt. Und nirgends hat der Tapetenwechsel geschadet.

Den Abend im Ampere eröffnet die befreundete Zwei-Mann-Band Elektrik Kezy Mezy aus München. In bester White-Stripes-Manier wankt Gitarrist und Sänger Amadeus Mezy zu rotzigen Bluesriffs über die Bühne. Sein Gitarrensound ist dabei dermaßen dreckig, dass er kämpfen muss, um mit seiner Stimme überhaupt dagegen anzukommen. Gut, dass er sich dabei von der Gitarrenlegende Jack White nicht nur Kleidungsstil und Bewegungsmuster, sondern auch das außergewöhnliche Songwriting abgeschaut hat. Ein guter Start in den Abend.

Richtig voll wird es im düsteren Ampere aber erst, als die Hauptband die Bühne betritt und den Fans einen launigen Mix aus älteren Stücken und Songs vom neuen Album präsentiert. Schnell wird klar: An Kreativität mangelt es den vier Musikern beim Schreiben von neuen Stücken nicht. In der noch recht kurzen Bandgeschichte von knapp drei Jahren umfasst Kandinskys Repertoire bereits rund 50 eigene Songs. Kein Wunder, dass sie sich für das Debütalbum „Lost Conversations“ entschlossen, komplett auf frischen Stoff zu bauen, statt, wie häufig üblich, Teile der Vorgänger-EP noch einmal neu aufzunehmen. Fast sieben Monate sind seit den ersten Vorbereitungen zu den Aufnahmen in einem Münchner Studio vergangen, bis jetzt endlich die Veröffentlichung gefeiert werden konnte.

Eins allerdings fehlte an diesem Abend: das neue Album. Wie schon bei den befreundeten Bandkollegen von Lem Motlow scheiterte die pünktliche Fertigstellung im letzten Moment am Presswerk. Aber Gitarrist Chris Langer war sich sicher: „In wenigen Wochen sind die Dinger da!“ Tatsächlich: Schon in ein paar Tagen kann testen, ob die neuen Songs durch den Kopfhörer genauso mitreißen wie auf der Bühne.

Ordentlich gefeiert wurde aber auch ohne CD. Fast zwei Stunden lang rockten die Vierkirchner die Bühne, als wollten sie auch dem letzten Gast das Aufstehen am immer näher kommenden Morgen vermiesen. Bleibt zu hoffen, dass die Heiserkeit bei Ben Meyer nicht zu lange anhält. Denn am kommenden Samstag sind die vier Jungs schon wieder im Heimatlandkreis im Einsatz: beim Hawaiifest in Erdweg. (dg)

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