„So ist nun mal das Leben“: Förster Franz Knierer zeigt auf eine befallene Esche (im Hintergrund) an der Amper bei Günding. foto: sr

Große Sorge um den Weltenbaum

Förster Franz Knierer erklärt das Eschensterben im Landkreis 

Die Esche wird auch Weltenbaum oder Baum der Zukunft genannt. Doch die Gegenwart sieht anders aus: Neun von zehn Eschen sind krank. Ein schlimmes Szenario in den Wäldern. Aber Förster Franz Knierer verbreitet Zuversicht.

Dachau – Die Esche ist ein beeindruckender Baum. In der nordischen Mythologie galt sie als „Weltenbaum“, der Himmel und Erde zusammenhält. Sie besitzt das meistverzweigte Wurzelsystem. Und sie gilt als Baum der Zukunft, der auch bei einer um zwei Grad erhöhten Jahresdurchschnittstemperatur noch optimal gedeihen kann und so den Klimawandel übersteht.

Doch den Förstern beschert die Fraxinus excelsior, die Gemeine Esche, derzeit schlaflose Nächte. Neun von zehn Bäumen im Dachauer Landkreis sind krank. Das Eschentriebsterben, ausgelöst durch das „Falsche Weiße Stengelbecherchen“, greift um sich. Dieser ursprünglich ostasiatische Pilz breitete sich über Polen in ganz Europa aus und macht den heimischen Eschen ordentlich zu schaffen.

Der Pilz bildet im Sommer auf den am Boden liegenden Blättern des Vorjahres unscheinbare Fruchtkörper aus. Diese Fruchtkörper entlassen Sporen, die mit dem Wind verfrachtet werden und die Blätter an der Esche infizieren. Von den Blättern breitet sich der Pilz in den Trieben und dem Mark der Bä

ume aus.

Die Folgen sind auch für Laien leicht zu erkennen: Die Baumkronen werden lichter, einzelne Äste bilden gar keine Blätter mehr und sterben ab. So geschwächte Bäume sind dann auch für andere Schädlinge wie den Eschenbastkäfer anfällig.

Im Dachauer Landkreis gehört die Esche in das Landschaftsbild. Sie prägt die Auwälder an der Amper, und sogar Orte wurden nach ihr benannt – wie die Ortschaft Eschenried. Das Holz der Esche wird wegen seiner Härte und gleichzeitigen Elastizität für Werkzeuge, Sportgeräte wie Skier, zum Innenausbau aber auch als Tonholz zum Bau von Gitarren verwendet.

Durch das Eschentriebsterben, dem derzeit annähernd alle Eschen zum Opfer fallen, entsteht den Waldbesitzern ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden. „Die sind jetzt natürlich verunsichert“, weiß der Revierleiter im Forstrevier Odelzhausen, Franz Knierer. Schließlich galt die Esche als robust und zukunftssicher.

Dass die Esche aussterben könnte, darüber macht sich Franz Knierer jedoch wenig Sorgen. „Die Esche ist genetisch Millionen Jahre alt“, erklärt er. Sein Argument: In dieser langen Zeit habe die Baumart schon ganz andere Schädlinge und Katastrophen überlebt. Als Förster könne man eh kaum etwas tun, um den kranken Eschen zu helfen.

Für die Förster sei es natürlich ärgerlich und es sei schade um die imposanten, großen Bäume, deren Kronen immer lichter werden, räumt Knierer ein. Aber so ist nun mal das Leben. Bei der Forstwirtschaft müsse man die Situation schließlich über Generationen hinweg betrachten. Und es gibt Lichtblicke, dass die künftigen Generationen sich wieder an dichten und gesunden Eschen erfreuen können.

Denn bei genauerem Hinschauen entdeckt man zwischen all den kranken Bäumen ab und an wieder einen, dem der Pilz offenbar nichts auszumachen scheint. Solche Bäume sollten laut Knierer tunlichst geschützt werden. Er hofft, dass sich so eine resistente Eschenart herausbilden kann.

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