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Stundenlang im Krematorium gewesen: Kristin Majewski und Jessica Rohrbach (r.) erklären ihre Fotos.  

Ausstellung des P-Seminars im JEg

Fotografien, die die Enge der KZ-Baracken greifbar machen

„Bauten für den Führer – Bauten für die Ewigkeit“, so heißt die Ausstellung des Projektseminars am JEG. Sie wurde nun eröffnet. 

Dachau – Hohe Banner hängen im Parkettbereich des Josef-Effner-Gymnasiums. Auf dem einen ist die „Großen Straße“ in Nürnberg zu sehen: Breit gepflastert scheint sie ins Unendliche zu führen. Wenige Meter entfernt hängt die Fotografie einer Lagerbaracke. Dunkel, verwinkelt, fast schon klaustrophobisch wird die Enge für den Betrachter spürbar.

Zum Auftakt ist sie gut besucht, auch Landrat Stefan Löwl ist erschienen. Die Bilder der Zwölftklässler soll zeigen, wie die Architektur der Nationalsozialisten konzipiert war und was davon heute noch sichtbar ist. Der Seminarleiter, Geschichtslehrer Christian Stähler, ergänzt: „Wir wollten sichtbar machen, wie Gebäude des so genannten Tausendjährigen Reiches heute noch genutzt werden.“

Dafür wählte der Hobbyfotograf und Referent an der KZ-Gedenkstätte das Stilmittel der Fotografie. In Dachau, München und Nürnberg fingen die Schüler mit ihren eigenen Spiegelreflexkameras die Architektur der Nazis ein. Dabei kamen einzigartige Fotos des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg oder des ehemaligen Führerbaus in München heraus. Hier kooperierte das Seminar mit dem Max-Mannheimer-Studienzentrum und dem NS-Dokumentationszentrum München: Vor Ort erfuhren die Schüler die Hintergründe zu den NS-Bauten.

Die Schüler waren auf ihrer Reise durch Nürnberg und München „beeindruckt“, wieviel Architektur heute noch sichtbar ist. Vor allem Detailaufnahmen zeigen Erstaunliches: Am ehemaligen „Luftgauamt“ der Nazis sind immer noch Hakenkreuz-Ornamente angebracht. Heute ist das Gebäude der Sitz des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Stähler ist dagegen, die Hakenkreuz-Ornamente zu entfernen. „Sie sollten aber besser sichtbar sein, zum Beispiel durch Hinweise.“ Hier müsse der Betrachter für die Geschichte der Gebäude sensibilisiert werden. Kristin Majewski war auf jeden Fall überrascht: „Ich hätte nicht gedacht, dass es noch so viele NS-Bauten gibt. Ich hatte die Vorstellung, sie wären alle abgerissen worden.“

Gleichzeitig war auch der künstlerische Aspekt der Arbeit wichtig. „Zum einen sollten die Schüler lernen, wie komplex Fotografie ist: von der Belichtung bis zur Entwicklung“, so Stähler. Und die Ausstellung will auch zeigen: Nazi-Architetktur besteht eben nicht nur aus „einschüchternden, imposanten“ Gebäuden wie der Reichsparteitag, der dem römischen Kollosseum nachempfunden ist. Sondern auch aus den „erschreckenden“ Baracken des Konzentrationslagers – eingefangen durch die beklemmende Perspektive der Camera Obscura. „Diese Technik macht es noch greifbarer, nicht hinauszukommen aus dieser unendlichen Gefangenschaft“, erklärt Christian Stähler.

Diese „Camera Obscura“, die so genannte Lochkamera-Technik, hat Christian Stähler für das ehemalige Konzentrationslager ausgewählt, um „eine neue Perspektive für die KZ-Gedenkstätte aufzuzeigen“. Die Schüler arbeiteten dafür mit Fotograf Ilan Wolff zusammen. Der Israeli hat Erfahrung in der Fotografie von Gedenkstätten und Holocaust-Zeitzeugen. In einem dreitägigen Workshop entstanden die schwarz-weißen und sepiafarbenen Fotos.

Bei der „Camera Obscura“ wird ein Fotopapier in eine Blechdose eingelegt. Durch ein Loch fällt Licht in die Dose. Nach langer Belichtungszeit entsteht schließlich die Fotografie – mit ihrem charakteristisch verzerrten Aussehen. Die 18-jährige Kristin Majewski und die 17-jährige Jessica Rohrbach erzählen davon, wie ihre Fotografien des Krematoriums entstanden: „Wir sind eine Stunde lang in den dunklen Räumen gestanden, um das Licht einzufangen.“

Kristin Majewski hatte sich damals für das Seminar angemeldet, weil ihr Geschichtslehrer Stähler den Unterricht immer „so locker“ gestaltet. Lehrer Christian Stähler ist ebenfalls begeistert von den Schülern: „Ich habe Glück, so engagierte Schüler zu haben.“ Fast eineinhalb Jahre haben die Schüler an ihrem Projekt gearbeitet. Die 17- bis 18-Jährigen nahmen die Fahrt nach Nürnberg auf sich und opferten Zeit am Wochenende. Für Kristin Majewski hat es sich aber gelohnt: „Am meisten fasziniert an der Fotografie hat mich, dass man erst nachher weiß, ob es was geworden ist.“

In Zeiten des Selfies und der Handy-Fotografie gar nicht mehr alltäglich. Die Ausstellung ist noch etwa zehn Tage lang aufgebaut.

(map)

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