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Zu seinem 100. Todestag sprach Brigitte Roßbeck über das  Leben und Wirken von Franz Marc in Indersdorf.

100. Todestag des Malers

In Indersdorf fand Franz Marc seinen Stil

Indersdorf - Der Künstler und das Mitglied des „Blauen Reiters" Franz Marc war auch in Indersdorf. Zu seinem 100. Todestag sprach Brigitte Roßbeck über sein Leben und Wirken. Und verriet, dass er in Indersdorf zum ersten Mal seinen künstlerischen Stil entdeckte.

Wer kennt ihn nicht den blauen Reiter von Franz Marc? Dass der im Jahr 1880 in München geborene Künstler auch die Mühle des Glonner Gasthauses Hohenester gemalt hat, wissen vermutlich nur die Wenigsten.

Über die Zeit des berühmten Expressionisten im Dachauer Moos und später auch in Indersdorf erzählte die Historikerin Brigitte Roßbeck bei ihrem Vortrag „Die Träume und das Leben“ im Augustiner-Chorherren-Museum. Denn heuer jährt sich der 100. Todestag des Künstlers. Eleonore Philipp vom Heimatverein nahm zur Schriftstellerin und Biografin Brigitte Roßbeck Kontakt auf, die eine umfassende Biographie über Franz Marc schrieb. „Er war ein alle Zeit Suchender – immer fragend und unerlöst“, berichtete Roßbeck vor rund 45 Zuhörern.

Die Melancholie und Zweifel am Leben waren ein Teil von ihm – auch künstlerisch tat er sich lange schwer, sein wahres Ich zu finden. Zeit seines Lebens war er auch zwischen drei verschiedenen Frauen hin und hergerissen: Annette Simon, Marie Schnür und Maria Frank, später Maria Marc. Gemeinsam mit Franz Marc bildeten sie ein „Quartett d’ Amour“, da er mit allen dreien gleichzeitig zusammen war. Auch als er im Sommer 1907 mit 27 Jahren nach Indersdorf kam, hatte er zwei seiner Geliebten mit im Gepäck: Annette Simon und Marie Schnür. Da die beiden aber nicht miteinander auskamen, verzog sich Simon mit ihren Kindern ins benachbarte Großinzemoos und Franz Marc musste zwischen den beiden Orten pendeln. Vor dieser Sommerfrische weilte der Maler bereits im Jahr 1904 in Glonn und zeichnete das Ausflugslokal Hohenester.

Dass sich Franz Marc mehrmals in Indersdorf aufhielt, las auch Brigitte Roßbeck aus einem Brief seiner Geliebten vor: „Er nahm in Indersdorf ein Zimmer im Gasthof der Klosterbrauerei, ein blaues, das er früher schon gehabt hatte.“ Vermutlich brachte sein Küstlerfreund Otto Piltz aus München den jungen Franz Mark in das malerische Dachauer Hinterland, denn Piltz hatte schon öfter in Indersdorf gearbeitet. Auch Franz Marc fertigte in Indersdorf die ersten ihn erfüllenden Skizzen an, zum Beispiel das Rabenbild“, auf dem „schreiende flatternde Krähen auf einem besonnten Acker“ zu sehen waren, den „toten Turmfalken, auf einem roten Bauerntücherl liegend“ oder einen geschlachteten Stier.

Über die in Indersdorf entstandenen Skizzen schrieb er zufrieden an seine Mutter: „Sie sind, glaub ich, sehr Ich.“ Deshalb stellte Brigitte Roßbeck fest: „In Indersdorf hat Franz Marc das erste Mal zu seinem künstlerischen Stil gefunden.“ Viele der entstandenen Bilder habe der Künstler zwar wieder vernichtet, denn er war überzeugt, dass er für seinen modernen Kunststil hundert Jahre zu früh geboren war. Deswegen wollte er im ersten Weltkrieg die Regeln des alten Europas aufbrechen und meldete sich als Kriegsfreiwilliger. Seine Hoffnung wurde aber enttäuscht und er starb als 36-jähriger in Braquis bei Verdun durch einen Granatsplitter.

In einem letzten Brief an seine Frau Maria hatte er sie um die Zusendung seiner Tierbuchserie gebeten. Tiere zu malen war seine Leidenschaft, die auch in Indersdorf seinen Anfang nahm.

Anna Schwarz

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