Ein Schock für die Kunden: Der Laden in der Dachauer Altstadt muss schließen – wie auch der am Klagenfurter Platz. hab

Zu hohes Defizit

Franziskuswerk-Läden machen dicht

Aus und vorbei. Das Franziskuswerk Schönbrunn schließt seine beiden Lebensmittelgeschäfte in Dachau. Das Defizit wurde zu groß. Die Kunden sind entsetzt.

Dachau/Schönbrunn – Um die Mittagszeit herrscht am Lebensmittelgeschäft „Der Laden“ in der Altstadt wie immer reges Treiben. Doch kurz vor Betreten des Ladens stoppen viele Einkäufer ab, und blicken verwundert auf ein großes Schild am Ladeneingang: Dort steht, dass der Laden schließen muss.

Die beiden Einzelhandelsgeschäfte in der Altstadt und am Klagenfurter Platz werden tatsächlich bis spätestens Ende Juni 2017 zumachen müssen. „Der Grund dafür ist die wirtschaftliche Situation der Einzelhandelsgeschäfte, die in den vergangenen Jahren jährlich ein Defizit verursacht haben“, erklärt das Franziskuswerk in seiner Pressemitteilung.

Im Frühjahr gab es bereits Überlegungen, eine Kooperation mit dem sozialen Franchiseunternehmen CAP-Märkte einzugehen, um die Schließung zu verhindern (wir berichteten). Dies hatte sich zerschlagen, da es laut Franziskuswerk auch bei optimistischer Rechnung zukünftig zu einem großen Defizit gekommen wäre. „Das Franziskuswerk darf als gemeinnützige GmbH zwar ohnehin keine Gewinne machen, der dauerhafte Verlust wäre aber nicht tragbar gewesen“, erklärt Franziskuswerk-Pressesprecher Tobias Utters. Grund für den finanziellen Engpass seien vor allem Abschreibungen für notwendige Investitionen, anfallende Betriebskosten und hohe Personalkosten.

Die Geschäftsführung in Schönbrunn hatte in den vergangenen Jahren eine „Phase der Konsolidierung eingeleitet“. Soziale Projekte auf dem Prüfstand der Wirtschaftlichkeit – das kann wohl für die meisten Einrichtungen dieser Art nichts Gutes bedeuten, da sich ihr Beitrag zum Allgemeinwohl schlecht in Geld bemessen lässt.

So betont die Kundin Sissi Havermann: „Ich denke gerade für die Menschen mit Behinderung war das hier eine tolle Arbeitsmöglichkeit. So etwas müsste eigentlich finanziell vom Staat gefördert werden. Es ist mir unverständlich, dass der Laden jetzt schließen muss.“

Als Kundin Ulla Fink von der Schließung auf dem Schild liest, ist sie entrüstet: „Es gibt ja jetzt schon keinen anderen Lebensmittelladen in der Altstadt. Ich habe den persönlichen Umgang hier immer sehr geschätzt.“ Sie wohnt selbst in der Altstadt und kommt hierher fast täglich zum Einkaufen.

Immerhin: Der Laden in Schönbrunn bleibt bestehen. Außerdem sollen alle Angestellten ein Angebot zur Weiterbeschäftigung erhalten. Für die insgesamt fünf Mitarbeiter mit Behinderung wird momentan nach einem anderen passenden Arbeitsplatz gesucht.

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