Die Frau, die den Nazis trotzte

Dachau - Beim Fest der Begegnung der Internationalen Jugendbegegnung wollen die Teilnehmer Antworten. Und die bekamen sie.

Etwa von Mirjam Ohringer, die den Nazis einst Widerstand geleistet hatte. In Dachau trat die 89-Jährige beeindruckend auf - und fand klare und eindringliche Worte.

von claudia schuri

Dachau - Es ist die Atmosphäre, die die Internationale Jugendbegegnung in Dachau so besonders macht: eine Atmosphäre, in der neue Freundschaften geknüpft werden, in der Schranken zwischen Ländern und Kulturen überwunden werden, eine Atmosphäre, die im wahrsten Sinne des Wortes bewegt.

In der rechten Hand den Gehstock, in der linken Hand das Mikrofon, so steht die 89-jährige Mirjam Ohringer beim Fest der Begegnung der Internationalen Jugendbegegnung auf der Bühne. Ob sie sich nicht lieber hinsetzen wolle, fragt sie eine hilfsbereite Teamerin. Mirjam Ohringer will nicht. Das, was sie zu sagen hat, will sie im Stehen sagen, aufrecht, eindringlich, klar und deutlich. Das was sie zu sagen hat, ist wichtig, es ist etwas, an das sich die ungefähr 100 jungen Teilnehmer und Teamer der Internationalen Jugendbegegnung ihr ganzes Leben erinnern sollen: „Leider gibt es immer noch Menschen, die dieselbe Auffassung wie die Nazis immer noch weitertragen“, macht sie deutlich. Darum kommt Mirjam Ohringer schon seit 1986 jedes Jahr immer wieder zur Internationalen Jugendbegegnung nach Dachau, darum gibt sie als Zeitzeugin immer wieder ihre Botschaft weiter: „Das große Unrecht, das damals passiert ist, darf nicht vergessen werden.“ Mirjam Ohringer ist überzeugt: Nur so kann verhindert werden, dass so etwas noch einmal passiert.

Als junges jüdisches Mädchen leistete die Niederländerin während der Nazi-Herrschaft Widerstand gegen das Regime, schließlich musste sie untertauchen. Diese Erfahrungen, die sie damals machte, gibt sie nun an die Jugend weiter. Eine Aufgabe, die für sie immer wieder aufs Neue etwas Besonderes ist: „Jede Frage ist ein Erlebnis an sich, wenn man eine Antwort darauf finden muss“, erzählt sie.

Antworten, das ist es, was sich die Teilnehmer von der Internationalen Jugendbegegnung erhoffen. Deshalb sind für viele die Gespräche mit Überlebenden wie Mirjam Ohringer, Abba Naor, Max Mannheimer, Peter Perel, Ernst Grube, Karl Rom und Anita Lasker-Wallfisch ein prägendes Erlebnis: „Es ist wunderbar, sich über die Geschichte auszutauschen und viele Nationen kennenzulernen und deren Sichtweise zu sehen“, findet zum Beispiel die 21-jährige Sarah Zulauf, die aus Göttingen nach Dachau gekommen ist. Sie ist jetzt schon zum zweiten Mal bei der Jugendbegegnung dabei und überzeugt, dass sie selbst sich dadurch verändert: „Ich sehe viele Sachen jetzt einfach aus einem anderen Blickwinkel“, erzählt sie.

Vielen der Jugendlichen, die bei der Jugendbegegnung mitmachen, geht es so. Einige von ihnen überlegen deshalb jetzt schon, nächstes Jahr wieder dabeizusein: „Ich will immer wieder kommen“, meint zum Beispiel Amalia Marcaryan aus Armenien. Die 18-Jährige ist zusammen mit einer Freundin hier, weil sie sich sehr für Geschichte interessiert. Bei der Jugendbegegnung hat sie genug Gelegenheit, sich damit zu beschäftigen. Es werden dort viele Workshops angeboten: Die Jugendlichen befassen sich beispielsweise mit Diktatur, mit den vergessenen Opfern oder mit Rechtsextremismus in München. Daneben kommt aber auch der Spaß nicht zu kurz. Auch Feiern und verschiedene Freizeitaktivitäten stehen auf dem Programm. Es gibt zum Beispiel eine Gruppe, die gemeinsam musiziert, oder eine Theatergruppe. „Alle die hier sind, treten mit allen in Kontakt“, erzählt Ninja Berndt, die heuer zum ersten Mal die Projektleitung übernommen hat. So entstehen schnell Freundschaften über Länder- und Kulturgrenzen hinweg: „Mir gefällt es sehr, dass ich Leute von der ganzen Welt treffen kann“, bringt es Blaija Stojic aus Serbien auf den Punkt. (cla)

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