Dramatische Szenen

Fußballer (35) auf dem Platz wiederbelebt

Odelzhausen - Ein Fußballer des SV Odelzhausen darf künftig am Nikolaustag zusätzlich Geburtstag feiern. Der 35-Jährige erlitt am Sonntag bei einem Punktspiel einen Herzinfarkt und wurde wiederbelebt. Er hat gleich mehrere Lebensretter.

Dramatische Szenen haben sich am Sonntagnachmittag auf dem Fußballplatz des SV Odelzhausen abgespielt. Ein 35 Jahre alter Fußballer der Reserve des SVO brach beim Punktspiel plötzlich zusammen und hatte keinen Pulsschlag mehr. Weil Betreuer und Zuschauer unglaublich schnell und richtig reagierten und auch der Notarzt innerhalb kürzester Zeit eintraf, konnte der Kicker ins Leben zurückgeholt werden.

Die zweite Halbzeit des C-Klassen-Fußballspiels zwischen den Reservemannschaften des SV Odelzhausen und des SV Haimhausen ist in vollem Gange, als der 35-Jährige aus heiterem Himmel zusammensackt und liegen bleibt. Sofort eilen sein Bruder, Betreuer, Abteilungsleiter, der Vereinswirt auf den Platz und kümmern sich um den Fußballer. Denn beim SV Odelzhausen war man sensibiliert: „Wir haben gewusst, dass er vor vier Jahren schon einmal einen Herzinfarkt gehabt hatte“, sagt Fußballabteilungsleiter Dirk Richter.

Mitten auf dem Fußballplatz spielen sich jetzt dramatische Minuten ab, kämpfen die Helfer verzweifelt um das Leben des Bewusstlosen. Unter den Fans der Gäste vom SV Haimhausen ist zudem eine Krankenschwester, die sofort hinzueilt und mithilft. Mit einem Nitro-Spray wird versucht, den Infarkt abzuwenden. „Doch dann war der Herzschlag weg“, berichtet Dirk Richter.

Mittlerweile ist der Notruf abgesetzt, Richter beginnt sofort mit der Herz-Lungen-Massage. Nur Momente später treffen auch schon der Notarzt und die Sanitäter des BRK auf dem Fußballplatz ein. „Das hat nur vier, höchstens fünf Minuten gedauert“, sagt Dirk Richter. „Das hat ihm sicher das Leben gerettet.“ Denn der Notarzt hat einen Defibrillator dabei und schafft es, den Verunglückten wiederzubeleben. „Er war schon auf dem Platz wieder ansprechbar“, freute sich auch Bernhard Schmidt, der stellvertretende Fußball-Abteilungsleiter beim SV. Später wird der Notarzt feststellen, dass der Herzschlag nur zwei Minuten weg war.

Mit dem Hubschrauber wird der 35-Jährige in eine Klinik gebracht, über ein soziales Netzwerk grüßt er noch am gleichen Tag seine Fußballkameraden mit dem Daumen nach oben – er ist über den Berg. So wie es aussieht, wird er auch keine bleibenden Schäden davontragen.

„Ich bin froh, dass ich einen Ersthelferkurs in der Arbeit mitgemacht habe und wusste, was ich tun muss“, sagt Dirk Richter. „Heilfroh“ sei er auch, dass sich ein Kriseninterventionsteam der Malteser um ihn und die Helfer kümmerte, die natürlich ziemlich durch den Wind waren. „Das möchte ich nicht nochmal erleben“, sagt der Fußballchef beim SVO.

Er ärgert sich im Übrigen in Nachhinein darüber, dass nicht sofort ein Defibrillator vor Ort war. Zwar hatte der Verein einen, aber der wurde von Unbekannten gestohlen. „Wir werden jetzt auf jeden Fall wieder einen anschaffen, und nach dieser Erfahrung kommt mir auch kein Betreuer oder Trainer mehr ohne Erste-Hilfe-Schein auf den Platz“, will der Abteilungsleiter durchsetzen.

Der 35-Jährige darf dank des beherzten Eingreifens der Helfer künftig auch am 6. Dezember Geburtstag feiern. Denn vor vier Jahren war es ebenfalls der Nikolaustag gewesen, an dem er bei der Arbeit einen Herzinfarkt erlitten hatte. Nach der Genesung hatte sich der Fußballer das ärztliche O.k. geholt, wieder Sport treiben zu dürfen.

Torge Wester

Rubriklistenbild: © dpa

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