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Im Gedenken an einen Überlebenden, Maler, Autor – und Freund: Den neuen Namen „Max-Mannheimer-Haus“für das Jugendgästehaus präsentieren (von links) Michael Höhenberger, Amtschef des bayerischen Sozialministeriums, Moderator Stefan Schneider, Landrat Stefan Löwl und Oberbürgermeister Florian Hartmann.

Gedenkfeier für Max Mannheimer 

„Jetzt seid Ihr dran“

Er war dabei. Zumindest in Form eines Portraits: Beobachtend blickte Max Mannheimer von seinem Bildnis auf das Publikum seiner Gedenkfeier in der Aula des Jugendgästehauses – mahnend. Und ein bisschen skeptisch.

 Rund 200 Gäste waren gekommen: Freunde, Weggefährten und Leidensgenossen Mannheimers. Sie alle erinnerten sich an diesen Abend an ihren „Max“. Mannheimer war am 23. September im Alter von 96 Jahren in München gestorben. Sie wollten ihm ein Denkmal setzen: Nicht nur dem Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer, sondern auch dem Maler, Autor, langjährigem Vorsitzender des Dachauer Lagerkomitees – und dem Freund.

„Ich habe Max als Mensch in Erinnerung“, stellte der Holocaust-Überlebende Abba Naor fest. Neben seinen Gesprächen über sein Wirken fanden die Gäste der Gedenkfeier auch Zeit, persönliche Anekdoten über Mannheimer zu erzählen. Einmal etwa habe der „Max“ Abba Naor eine geschriebene Rede zugesteckt, die anschließend so gut ankam, dass sie Naor noch einmal halten musste.

Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, urteilte nach gemeinsamen Israel-Reisen mit Mannheimer: „Auch dort hat er höchste Anerkennung genossen.“ Bei aller Ernsthaftigkeit der Anliegen habe Mannheimer nie den Humor verloren und immer Schlagfertigkeit besessen. „Hätte mir vor 66 Jahren jemand gesagt, dass ich in Dachaue Ehrenbürger werde, hätte ich ihn für meschugge erklärt.“ 2011 habe Mannheimer laut OB Florian Hartmann so auf die Ernennung zum Dachauer Ehrenbürger reagiert – Die Aussage ist dem OB, damals noch Stadtrat, bis heute in Erinnerung geblieben.

Am Gedenkabend ging es aber nicht nur um Anekdoten. Es standen auch Mannheimers Botschaften im Vordergrund. Für Dachaus 30-jährigen OB ist das eindeutig: „Wir müssen uns klar werden, wie wir zusammen leben wollen – und wie nicht.“ Gerade in der heutigen Zeit mit dem Erstarken rechter politischen Strömungen weltweit sei dies besonders wichtig. Darin waren sich viele Redner einig. Die Aufgabe der verbliebenen Zeitzeugen wird immer wichtiger, davon ist auch Abba Naor überzeugt: „Die Menschen sind unruhiger geworden“, stellte er fest. Wenn Kinder bereit seien, zuzuhören, habe er Kraft, weiterzumachen. Und: „Max ist immer da.“

Unermüdlich suchte auch Mannheimer das Gespräch mit Schülern und Jugendlichen. Sei es im Zeitzeugengespräch in der Schulklasse, oder bei internationalen Jugendbegegnungen mit Israelis und Palästinensern. Mannheimers Leitsatz war dabei: „Ihr habt keine Schuld an der Vergangenheit – aber Ihr tragt Verantwortung für die Zukunft.“ Ein Satz, der ins kollektive Wissen Deutschlands einfließen sollte, so der CSU-Politiker Karl Freller.

„Jetzt seid Ihr dran.“ Diesen Satz habe Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte, von Mannheimer „in letzter Zeit immer häufiger“ gehört. Mannheimers Pochen auf „historische Genauigkeit“, seine Offenheit gegenüber Menschen und seine Hartnäckigkeit werden dabei sicher schwer zu ersetzen sein. „Mannheimer hat es verstanden, alle Gruppen miteinzubeziehen“, meinte Hammermann.

Auch in seinen letzten Wochen und Monaten ließ Mannheimer bei vielen Projekten nicht locker: Der Sanierung der Gedenkstätten-Parkplätze am Kräutergarten, oder die Errichtung einer Gedenkstätte am ehemaligen KZ-Außenlager Allach. Die Erklärung lieferte Mannheimer selbst, in einem Video seiner „Seelenverwandten“, der Karmel-Schwester Elija Boßler: „Beim Malen bin ich sehr geduldig. Ansonsten nicht so.“

Damit auch in Zukunft der Auftrag Mannheimers nicht in Vergessenheit gerät, wird das Internationale Jugendgästehaus umbenannt: Das Gebäude in der Roßwachtstraße 15 wird nun Max-Mannheimer-Haus heißen. 

(Maximilian Pichlmeier)

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