Internationale Begegnungen sind ihr wichtig: Dorothea Heisers Anthologie wird nun ins Englische übersetzt. dg

Gedichte aus der Hölle

Dachau - Es sind Gedichte voller Schmerz. Verzweiflung. Angst. Gedichte, die von der Hölle berichten. Vom Leben im Konzentrationslager Dachau. Dorothea Heiser hat sie gesammelt und in einer Anthologie veröffentlicht. Nun wird das Werk ins Englische übersetzt.

„Mama, ich kehre nicht zurück, Gott hat es mir gesagt.“ Mit diesen resignierenden Worten beginnt das Gedicht des 17-jährigen Nevio Vitelli, verfasst im Dachauer Konzentrationslager. „Mein Schatten in Dachau“ ist eines von 98 Gedichten, die Dorothea Heiser in ihrer Anthologie über die Lyrik im Dachauer Lager veröffentlicht hat. Jetzt, mehr als 20 Jahre nach der Erstausgabe, erscheint eine englische Übersetzung.

Die deutsche Ausgabe war aus einer Begegnung entstanden. 1984 traf Dorothea Heiser in Dachau KZ-Überlebende aus Südfrankreich. Aus der Begegnung entwickelte sich eine Freundschaft. Als Heiser dann ein Jahr später vom ehemaligen italienischen Deportierten Mirco Giuseppe Camia zusammen mit dessen eigenen Gedichten auch Nevio Vitellis „Mein Schatten in Dachau“ übergeben bekam, reifte ihr Entschluss, die Werke zu veröffentlichen. Heiser sammelte, recherchierte und übersetzte in Eigenregie und hatte schließlich 98 Gedichte von 41 Autoren in zehn verschiedenen Sprachen beisammen. Bis zur Veröffentlichung dauerte es dann aber noch eine ganze Weile. „Ich saß zwischen den Stühlen“, sagt Heiser. Historikern fehlte die geschichtliche Neuerkenntnis, den Germanisten der literarische Wert.

Zudem hielt sich die öffentlichen Bereitschaft, die Vergangenheit aufzuarbeiten, in Dachau noch in überschaubaren Grenzen. Heiser, gebürtige Berlinerin, musste sich abfällige Kommentare über ihr Projekt gefallen lassen. „Das kann ja nur jemand machen, der nicht aus Dachau kommt“, hieß es. Und Dorothea Heiser dachte sich nur: „Das kann doch nicht sein, dass die Leute sich da so anstellen.“ Gerade weil sie etwas über ihre neue Heimat lernen wollte, beschäftigte sie sich mit der Dachauer Geschichte.

Die internationale Begegnung blieb Dorothea Heisers Herzensangelegenheit. Schon als Schülerin und noch einmal zum Studium war sie zu Beginn der 1960er Jahre im englischen Leeds. Als sie kürzlich für eine Reise dorthin zurückkehrte, traf sie Stuart Taberner, Professor für zeitgenössische deutsche Literatur. Mit seiner Hilfe konnte nun endlich die englische Fassung von Heisers Anthologie verwirklicht werden, von der die Dachauerin schon so lange träumte.

Damit auch der internationale Leser die emotionalen Zeilen nachvollziehen könne, die im Dachauer Lager entstanden. Wie bei Nevio Vitelli, als er schrieb: „Die Hölle, ohne Gefühle der Seele, so habe ich sie erlebt.“

(dg)

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