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Nur noch bis Ende des Jahres Pizzeriabetreiber (v.l.): Luigi Fusco, Mitarbeiterin Giannina, Anna-Maria Fusco, hier mit Sohn Alfonso.

Gemeinde kündigt Pächter

Existenzangst: Pizzeria muss Juz weichen

Altomünster - Für die Verwaltung ist es eine praktische Lösung: Das Jugendzentrum der Gemeinde Altomünster soll umziehen in das gemeindliche Gebäude am Bahnhof. Dafür muss die Pizzeria der Familie Fusco zum Jahresende weichen. Faktisch ihr Ruin.

„Eine Rochade“ nannte Geschäftsleiter Christian Richter den Gebäudetausch und das neue Nutzungskonzept, das der Gemeinderat Altomünster im Dezember einstimmig beschlossen hat. Unter anderem wird dabei das Jugendzentrum vom ganz alten Schulhaus (Schultreppe 4) in das ehemalige Bahnhofsgebäude verlagert. Der große Vorteil für die Gemeinde: Das Jugendzentrum kann in weiten Teilen barrierefrei gestaltet werden und erhält erstmals ausschließlich eigenständig nutzbare Außenflächen. Sollte sich der Raumbedarf erhöhen, kann am neuen Standort erweitert werden.

Dies hat die Familie Fusco in den vergangenen Jahren mit ihrem Gastronomiebetrieb getan. Mit Billigung der Gemeinde. 1999 hat die gelernte Gastronomin Anna-Maria Fusco (58) den vorderen Teil des Gebäudes am Bahnhof angemietet und einen Kiosk mit kleinem italienischen Imbiss eingerichtet. 2006 durfte sie erweitern, eine Bar kam dazu. Als die örtliche Jugendrotkreuzgruppe ins BR

K-Heim in der Halmsrieder Straße integriert wurde, durfte Anna-Maria Fusco auch diesen Teil anmieten: unbefristet. Hier richtete sie eine Profi-Küche ein und eine kleine Pizzeria. Ihr Mann Luigi (57), ein Frührentner war ihr seither im Betrieb behilflich. Es gibt viele Stammkunden, viele, die sich vom Zug aus etwas zum Essen holen, Lokführer, die hier schnell eine Pizza gegessen haben. Vom neuen Baugebiet „An den Reitwiesen“ hätte die Pizzeria Anna-Maria ebenfalls profitiert.

„In den vielen Jahren haben meine Eltern etwa 100 000 Euro investiert. Vor drei Monaten erst Kameras, weil mehrmals eingebrochen wurde. Sie hat einfach nicht erwartet, dass sie jetzt plötzlich raus muss“, sagt Alfonso Fusco. Der 32-Jährige Vertriebsleiter bei Energiehaus-Süd unterstützt seine Eltern nach Kräften. Es sei seiner Familie schon vor etwa einem halben Jahr aufgefallen, dass „etwas im Busch ist“. Im Sommer nämlich habe Bürgermeister Anton Kerle, seit 2014 im Amt, vorgeschlagen, die beiden Mietverträge (vorderer Teil und Anbau) in einen einzigen neuen Vertrag zusammenzufassen. Das lehnten Anna-Maria Fusco und ihr Mann Luigi ab. Sie verpassten auf Bitten der Gemeinde dem Gebäude sogar einen neuen Außenanstrich. „Dafür wäre ein Mieter eigentlich nicht verantwortlich. Aber meine Eltern haben alles erledigt“, so Alfonso Fusco. Schließlich wollte man das bis dahin gute Verhältnis zur Gemeinde nicht trüben.

Die Kündigung sei ein Schock gewesen. „Meine Eltern wären ruiniert. Wo sollten sie denn in ihrem Alter noch eine Anstellung finden“, fragt sich Alfonso Fusco und ist genauso verzweifelt und ratlos wie seine Eltern. Die würden nämlich nicht nur ihre Lebensgrundlage verlieren, sondern wüssten auch nicht, wie sie die beiden geistig behinderten Geschwister von Alfonso (eines lebt in Schönbrunn, das andere in einer Behindertenwerkstätte in Hausham) finanziell versorgen sollten. Mittlerweile hat sich die Familie einen Anwalt genommen, sucht aber weiterhin das Gespräch mit Bürgermeister Anton Kerle. In der Unterredung Ende vergangener Woche habe der Altomünsterer Gemeindechef durchaus Verständnis gezeigt für die Situation der Familie. Dennoch sei am Beschluss des Gemeinderats nichts zu ändern. Die Gemeinde brauche den zusätzlichen Platz, den sie mit dem Gebäudetausch und der Nutzungsänderung gewinnt für das Juz und die Erweiterungsmöglichkeit des Kindergartens in der Schultreppe 3. „Den Beschluss haben wir nicht aus Jux und Tollerei gefällt, sondern weil wir eine Pflichtaufgabe haben und die Ressourcen optimal nützen müssen, die uns zur Verfügung stehen“, betont Kerle. Mit dem Juz an dieser Stelle habe die Gemeinde auch eine bessere Kontrolle. Anton Kerle ließ aber ebenfalls anklingen, dass sich der Gastronomiebetrieb, in dem mittlerweile einige Spielautomaten angebracht sind, in eine Richtung entwickelt habe, die „nie angedacht gewesen“ sei. Bisher habe man das jedoch toleriert.

Ein Zurück gibt es laut Anton Kerle nicht. Doch zeigt er sich zu einigen Zugeständnissen bereit, was beispielsweise den Rückbau im Innenbereich angeht. Die Eltern sollen bis 29. Februar die Kündigung unterschreiben. Für die Familie Fusco ist eine gütliche Einigung „existenznotwendig“. Alfonso Fusco: „Wir werden alles Mögliche unternehmen. Meine Mama hat ja nichts mehr zu verlieren."

Sabine Schäfer

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