Gemeinderat Erdweg

Erdwegs Bäche: Zurück zur Natur

Erdweg - Der bekannte Slogan „Wasser ist Leben“ ist heute durch die starke Einflussnahme des Menschen in die Natur wichtiger denn je. Dabei geht es nicht nur um die Wasserqualität, sondern auch um Hochwasserschutz und das Landschaftsbild. Auch in der Gemeinde Erdweg.

Fließgewässer als wertvollen Lebensraum zu betrachten, das war der Sinn einer Powerpoint-Vorführung in der letzten Gemeinderatsitzung des Jahres in Erdweg. Dazu hatte Bürgermeister Georg Osterauer das Büro Dr. Hans-Michael Schober aus Freising sowie Esther Wege und Felicia Seitz vom Landschaftspflegeverband eingeladen.

Ziel ist die Ausarbeitung eines Gewässerentwicklungsplans, der im Grundsatz schon 2013 beschlossen wurde. Derzeit kümmert sich das Ingenieurbüro um eine Stoffsammlung, wo man in den Bereichen des Zeitlbachs und des Steindlbachs Rückentwicklungen einleiten kann, damit aus verarmten, störanfälligen und sauerstoffarmen Gewässern wieder optimales Fließgewässer entsteht.

Wie Aufnahmen aus den Jahren 1817 bis 1843 zeigen, war der Zeitlbach einst ein mäandrierender Fluss mit einer großen botanischen Artenvielfalt und feuchten Wiesen, die sich bis in die Glonnauen erstreckten. Heute ist der Zeitlbach ein schnurgerader Fluss. Statt Grünland gibt es hohen Ackeranteil, das Ufer ist fast durchgehend befestigt, als Pufferstreifen dient an mehreren Stellen oft nur die Böschung, zeigte Felicia Seitz auf. Es gibt daher gute Gründe, die Flussläufe zu renaturieren.

Zum einen können sich Gemeinden einen natürlichen Hochwasserschutz schaffen, indem sie stärkeres Ufergehölz pflanzen. Dieses schützt nicht nur vor Erosion, sondern vermindert auch Einträge aus der Umgebung oder aus der Landwirtschaft. Zudem wird wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen zurückgewonnen. Retentionsraum. „Wir reden hier von drei bis fünf Meter breiten Streifen“, so Hans-Michael Schober. Das Einbringen großer Steine , so genannter rauer Rampen, bremst die Fließgeschwindigkeit. Dies wird ebenfalls erreicht, wenn der Fluss sich wieder schlängeln darf. „Das belebt die Landschaft. Heutzutage hat man nur Flüsse in Gräben“, bedauerte Schober.

Die Redynamisierung des Flusslaufs kann unter anderem durch Rückbauten von Uferbefestigungen, Verrohrungen oder Querbauten erreicht werden. Irgendwann seien dann auch wieder Tierarten vorhanden, die quasi ein Zeiger für die Gewässergüte darstellen. Die Grüne Keiljungfer beispielsweise oder der Flusskrebs. „Wenn die vorkommen, hat man Trinkwasserqualität“, so der Ingenieur.

Gewisse Vorbehalte hegte Gemeinderat Peter Eisenhofer (CSU), Vorsitzender des Wasserverbands Klausenbach: „Dichtere Gehölze sind nur möglich, wenn Sie dafür sorgen, dass man den Biber in den Griff bekommt.“ Bürgermeister Georg Osterauer fand es wichtig, erst einmal das ökologische Bewusstsein in der Bevölkerung und vor allem bei den Landwirten zu schärfen.

Denn die Maßnahmen sind momentan freiwillig, wie Esther Wege betonte. Doch solle jeder bedenken, dass Unterhaltungsarbeiten ja sowieso gemacht werden müssen. Die könnten mit einem Gewässerentwicklungskonzept dann sogar gefördert werden.

Dr. Schober verwies auf einen anderen Aspekt. Der Zustand der Gewässer unterliege der Berichtspflicht durch die Gemeinden. „Jede Gemeinde ist daher gut beraten, die ausgewählten Gewässer vorab in einen guten Zustand zu bringen. Dies könnte sonst die Genehmigungsfähigkeit für Bebauungspläne beeinträchtigen.“

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