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Über 2,7 Millionen Euro muss die Gemeinde Jetzendorf in die Sanierung von Schule, Turnhalle und Turnleistungszentrum stecken. 

Gemeinde Jetzendorf muss tief in die Tasche greifen

Teure Sanierung von Schule und Turnhalle

Es regnet rein, die Belüftung ist katastrophal, die Gebäude sind in vielen Teile marode – die Sanierung der Schule samt Turnhalle in Jetzendorf erweist sich als Fass ohne Boden. Die Gemeinderäte wurden von der Kostenschätzung der Experten ziemlich geschockt.

Jetzendorf – Für die im nächsten Jahr anstehende Sanierung von Schule und Schulturnhalle muss die Gemeinde Jetzendorf tief in die Tasche greifen. Allein die Sanierungsmaßnahmen im Heizungs-, Entlüftungs- und Sanitärbereich kosten knapp

2 Millionen Euro. Hinzu kommen noch Kosten für die Hochbaumaßnahmen, die von der Pfaffenhofener Architektin Rita Obereisenbuchner schon 2017 mit rund 670 000 Euro beziffert wurden. „Hier sind noch keine Baunebenkosten eingerechnet“, gibt Bürgermeister Manfred Betzin zu bedenken.

Die Maßnahmen im Hochbaubereich beinhalten Fenster, Türen und Dämmung fürs Dach und Zwischendecke. Im Rahmen der jüngsten Gemeinderatssitzung ging es um Sanierungsmaßnahmen im Bereich Heizung, Belüftung und im Sanitärbereich. Die Versorgungs-Ingenieure Martin Regler aus Ilmmünster und Wolfgang Schwegler schockten die Räte mit Kosten von rund 2 Millionen Euro. So muss mit Gesamtsanierungskosten von über 2,7 Millionen Euro gerechnet werden.

Die beiden Fachmänner zeigten den Ist-Zustand und Schäden auf, erstellten eine Prioritäten-Reihenfolge und befassten sich mit dem Wärmeverbrauch der Schule vor und nach der Sanierung. Auch das Konzept einer Hackschnitzelheizung wurde erörtert. Verbesserungswürdig sei demnach die Lüftung in der Turnhalle. Gerade wegen der fehlenden Lüftung im Turn-Leistungszentrum sollte man sich laut Regler Gedanken machen, weil jegliche Wärmerückgewinnung fehlt, ebenso wie in der bestehenden Lüftung der Turnhalle, wo ein überdimensionierter Luftwechsel festgestellt wurde. Ein weiterer Kritikpunkt: schlechte Luftführung für Belüftung und Entlüftung.

Auch die Hygiene bei den vorhandenen Lüftungskanälen lasse zu wünschen übrig. Festgestellt wurde ein extrem hoher Energieverbrauch bei Heizöl und Strom. Eine Reparatur der Lüftungsanlage sei gesetzlich gar nicht mehr zugelassen, die Anlagentechnik sei extrem veraltet.

Regler erklärte, dass die Statik eine neue Lüftungsanlage auf dem Hallendach wohl nicht hergeben werde. Man könne die Halle eventuell mit Deckenstrahlern heizen. Der Vorteil sei eine deutliche Energieeinsparung.

Nicht gut sieht es auch mit den Sanitäranlagen in Schule und Turnhalle aus. In dem verzinkten Rohrsystem seien sehr starke Ablagerungen und Steinbildungen festgestellt worden, „und auch die heutigen Hygieneanforderungen kann man mit diesen Rohren nicht erfüllen“, unterstrich Regler. Die Heizung stammt aus dem Jahr 1984.

Bei der Warmwasserbereitung sei die Bevorratung viel zu groß, sowohl Anlagentechnik als auch die Einrichtungsgegenstände werden als sehr veraltet angesehen. Größtenteils in Ordnung seien nur die Grundleitungen und der untersuchte Kanal. Bei der Heizung haben die Umwälzpumpen nurmehr einen sehr geringen Wirkungsgrad, es sei praktisch nur noch der Heizöltank in Ordnung.

Dass auch im Flachdach der Turnhalle Wasser eindringt, damit hatten die Gemeinderäte nicht gerechnet. Aber auch das Rohrsystem zum Flachdach sei „gnadenlos“ überdimensioniert.

Wolfgang Schwegler bezifferte die Kosten für die Flachdachentwässerung der Turnhalle – mit Demontage, neue Flachdacheinläufe, neues Leitungsrohrnetz mit Anbindungen – auf 36 300 Euro. Für Heizung, Lüftung und Sanitär im Bereich Turnhalle und Turn-Leistungszentrum würden aber nicht mal 930 000 Euro reichen, wenn man rigoros erneuere.

Bürgermeister Manfred Betzin stellte fest, „dass man mehr Pakete schnüren müsse“, weil es auch Einsparmöglichkeiten gebe. So könne man bei den vielen Pissoirs ruhig auf das eine oder andere verzichten. Ob die neue Heizzentrale wie bisher auf Heizöl zurückgreife oder Biomasse verwendet werde, habe der Gemeinderat zu entscheiden. Eine Hackschnitzelanlage sei in der Anschaffung fast dreimal so teuer wie Heizöl.

Ingenieur Schwegler ist aber überzeugt, dass sich langfristig Heizen mit waldfrischen Hackschnitzeln lohne. Sein Fazit: „Eine Preissteigerung von 100 Prozent bei dem Brennstoff Biomasse W 50-P45 verursacht die gleichen Mehrkosten wie eine Preissteigerung von rund zehn Prozent beim Brennstoff Heizöl“. Auch vom CO2-Ausstoß her müsse man der Biomasse klar den Vorzug geben. Schwegler errechnete im Fall Jetzendorf eine Einsparung von CO2-Ausstoß von 2340 Tonnen in 20 Jahren. Josef Ostermair

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