Gut gefüllter Zuhörerraum im Rathaus: Die Sittenbacher Burschen brachten eigene Sitzgelegenheiten mit. Foto: sm

Gemeindehaus wird nicht abgerissen

Sittenbach - Das Sittenbacher Gemeindehaus wird nicht abgerissen sondern saniert. Die Bürger bekommen ihr Gemeinschaftshaus, der Heimatverein wird der Bauherr.

Am Dienstagabend hat der Gemeinderat die Sanierung des gemeindeeigenen Gebäudes beschlossen und nimmt dafür rund 240 000 Euro in die Hand. Nicht ohne zuvor nochmals eine lebhafte Diskussion über die Finanzierung und Sinnhaftigkeit zu führen.

Den Sittenbachern ist es durch Einigkeit und die Ausarbeitung eines Nutzungs- und Finanzierungskonzeptes gelungen, den Gemeinderat von der Sanierung des Gemeindehauses zu überzeugen. Mehr als 40 Zuhörer waren wohl auch wegen dieser Sache in den Sitzungssaal des Rathauses gekommen. Der Burschenverein Sittenbach brachte in weiser Voraussicht sogar seine eigenen Sitzgelegenheiten mit. Die jungen Männer rückten mit drei Bierbänken an, um nicht stehend auf den letzten von acht Tagesordnungspunkten warten zu müssen. Durch ihre Anwesenheit wollten viele Sittenbacher nochmals zeigen, wie wichtig ihnen das Projekt ist.

Vor der Abstimmung wies Bürgermeister Markus Trinkl darauf hin, dass insgesamt mehr als 400 Menschen aus verschiedenen Vereinen die Sanierung wünschen. Mehrere Vereine wollen das Gebäude nach der Sanierung nutzen und sich mit viel Eigenleistung und ehrenamtlicher Arbeit an der Renovierung beteiligen. Außerdem wies Trinkl auf einen immer noch gültigen Beschluss des Gemeinderates hin, der bereits eine Dachsanierung mit 70 000 Euro vorsieht.

Trinkl schlug vor, dass der Heimatverein Sittenbach das Gebäude über einen längeren Zeitraum (20 Jahre) pachtet und als Bauherr für die Sanierung auftritt. Der Heimatverein finanziert die Baukosten über ein Darlehen, die Gemeinde tritt quasi als Bürge auf. Die Baukosten ohne Dachsanierung werden rund 240 000 Euro betragen.

Diesem Vorschlag stimmte eine deutliche Mehrheit des Gemeindeparlamentes zu, Johann Heitmair (CSU), Klaus Rößle (SPD), Johanna Winkler und Bruni Kiemer (beide FW) stimmten dagegen.

Freude herrschte nach der Sitzung bei den Sittenbachern, weil sich ihr jahrelanges Durchhaltevermögen gelohnt hat. Harald Edelmann, Sprecher des Heimatvereins: „Ein echter Freudentag für die Sittenbacher. Wir freuen uns riesig über die Entscheidung. Der Bedarf für die Nutzung des Hauses ist nachgewiesen. Alle machen mit, die Vereine werden eine hohe Eigenleistung bringen, das ist sichergestellt.“

In der Diskussion vor der Entscheidung gab es auch andere Meinungen. Bruni Kiemer beispielsweise bezweifelte, dass so hoch angesetzte Eigenleistungen durch Vereine möglich sind und befürchtet Kostensteigerungen für die Gemeinde. Außerdem kritisierte sie, dass auf eine Trockenlegung der Fundamente verzichtet werde. Eine Trockenlegung sei aber nicht nötig, weil eine Feuchtigkeitsabdichtung vorhanden sei, hielt Baufachmann Herbert Luy vom Denkmalnetz dagegen.

Johann Heitmair hielt die Kosten generell für zu hoch und meinte, die Gemeinde habe kein Geld für derartige Maßnahmen. Elisabeth Kappes (BGO), die in den vergangenen Monaten engen Kontakt zu den Sittenbacher Vereinen hatte, hielt dagegen. Sie appellierte vor der Abstimmung an den Gemeinderat: „Das Haus gehört der Gemeinde. Wir haben eine Verantwortung für die Menschen in Sittenbach. Das Haus war ein Vereinsheim und soll es auch bleiben.“ (sm)

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