Ihren Protest gegen den Windpark mit drei Windrädern nahe Weißling machten Mitglieder der neuen Bürgerinitiative Gegenwind in Bürgerfragestunde und Gemeinderat mit Schildern „Nein zum Windpark“ deutlich. Foto: Sponder

Gemeinderat im Dilemma

Petershausen - Der Protest aus Kollbach zeigt Wirkung: Entgegen bisheriger Beschlüsse soll im Teilflächennutzungsplan Windkraft die 600-Meter-Ausnahmeregel im Außenbereich wieder gekippt werden.

Das Thema Windkraft hat rund 50 Besucher motiviert, am Donnerstagabend zur Bürgerfragestunde und Gemeinderatssitzung ins Petershauser Rathaus zu kommen. Stand doch auch der Teilflächennutzungsplan Windkraft von 14 Kommunen im Landkreis zum Beschluss an.

„Es heißt 10H (Anmerkung der Redaktion: zehnfache Höhe eines Windrades) oder örtlicher Konsens. Was ist darunter zu verstehen?“ In der Bürgerfragestunde stellte diese Frage Elfriede Eisenhofer, die Vorsitzende der am Vortag von 112 Mitgliedern neu gegründeten Bürgerinitiative Gegenwind e.V. (wir berichteten). „Das weiß ich auch noch nicht“, gestand daraufhin Bürgermeister Günter Fuchs (CSU). Statt der 900 Meter Abstand von Siedlungsschwerpunkten im so genannten Innenbereich wie Petershausen oder Weißling gelten im Außenbereich wie in Piflitz oder Freymann nur 600 Meter.

„Sind die Menschen im Außenbereich weniger wert?“, fragte Eisenhofer. Fuchs: „Das war auch unser Argument. Wir wollten durchwegs 900 Meter. Aber da hat uns das Verwaltungsgericht einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Früher sei im Teilflächennutzungsplan gar keine Windkraft-Konzentrationsfläche bei Weißling vorgesehen gewesen, bohrte Eisenhofer weiter. „Liegt das daran, dass der Baumfalke weg ist, weil im Weißlinger Holz so viele Bäume gefällt wurden?“ Fuchs verwies darauf, dass die Petershausener Gemeindefläche bei Weißling für ein Windrad zu klein gewesen wäre, weshalb sie nicht in den Teilflächennutzungsplan aufgenommen wurde. Doch mit den Flächen auf Freisinger Gebiet ergebe sich nun ein anders Bild.

Aus den Reihen der Windrad-Gegner, die gelbe Schilder mit der Aufschrift „Nein zum Windpark“ dabei hatten, hieß es, der Gemeinderat solle die Weißlinger vor dem 207 Meter hohen „Monster“ schützen, sonst würden sich die Weißlinger nicht mehr vom Gemeinderat vertreten fühlen. Fuchs versprach, „auf jeden Fall die Belange der Bürger im Auge zu behalten“.

Auch Gemeinderat Josef Mittl von den Freien Wählern bekannte, ihm seien die geplanten drei Windräder im Weißlinger Holz zu nahe. Stellvertretender Bürgermeister Wolfgang Stadler (SPD) fühlte sich durch Windräder zwar weniger gestört, konnte aber auch die Gerichtsentscheidung nicht verstehen, wonach Menschen im Außenbereich schlechter gestellt sein sollen als im Innenbereich.

Julia Gotzler vom Planungsbüro Brugger erläuterte, was sich beim Teilflächennutzungsprogramm durch die erste öffentliche Auslegung geändert hat: Demnach gibt es an einigen Stellen weniger Konzentrationsflächen für Windkraftanlagen, weil die Richtfunktstrecken privater Anbieter wie Vodaphone und Eplus einen zusätzlichen Abstand von 50 Metern erfordern. Größere Abstände sind neben Schienenwegen (200 Meter) und Bundes- beziehungsweise Staatsstraßen (50 Meter) erforderlich.

Speziell im Fall Petershausen gilt nach Intervention des Gemeinderats (wir berichteten) ein 600-Meter-Abstand zum Waldkindergarten. Trotzdem ließ sich CSU-Gemeinderat Ludwig Kloiber nicht überzeugen und stimmte bei allen Teilaspekten konsequent mit Nein. „I lass’ ma mei Heimat net verschandeln“, sagte er unter dem Beifall der Besucher.

In ein Dilemma manövrierte sich der Gemeinderat, als er beim Einspruch von Josef Rottmair aus Freymann wegen der 600-Meter-Regel im Außenbereich ebenfalls mit 11:6 gegen diesen Teilaspekt des Teilflächennutzungsplans stimmte. „Jetzt hängen wir im Verfahren“, sagte Verwaltungsleiterin Irene Reichel. Denn Änderungen könnten nur alle 14 Kommunen gemeinsam beschließen.

Doch der Rat beschloss dann einstimmig, die zweite Auslegung einzuleiten und danach Rottmairs Einwand erneut abzuwägen. (rds)

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