Diskussion über Beerdigungswald

Letzte Ruhe unter einem Lieblingsbaum

Erdweg - Bei Überlegungen zur Wahl der letzten Ruhestätte entwickeln sich immer mehr Bedürfnisse, was Spiritualität und das letzte Andenken angeht. Mit einem möglichen Beerdigungswald hat sich jetzt der Gemeinderat Erdweg beschäftigt.

Bei den jährlichen Christbaumverkäufen sei er des öfteren darauf angesprochen worden, „warum es bei uns nicht so etwas gibt wie einen Friedhofswald“, erklärte Wolf-Dietrich Graf von Hundt im Gemeinderat. Beerdigungswälder gibt es bisher in Bayern kaum. Deswegen verfolgte das Gremium auch sehr interessiert die Ausführungen von Adina Lauer. Sie betreut den relativ kleinen Beerdigungswald Waldruh St. Katharinen in der Gemeinde Allensbach am Bodensee.

Das Konzept des Waldes als Ort für Urnenbeisetzungen habe ihm als Katholiken gut gefallen, „da es mit dem Tod am sanftesten umgeht“, so Graf von Hundt.

Die von Hundtsche Forstverwaltung als Antragsteller auf Errichtung eines Beerdigungswaldes würde dafür ein über 20 Hektar großes Waldstück an einem Feldweg zur Verfügung stellen, der die Gemeindeteile Unterweikertshofen und Kleinberghofen verbindet. In diesem Waldabschnitt in der Nähe des Petersbergs wachsen unter anderem Tannen, Fichten, Buchen und Ahorne.

„Nur die stärksten Bäume werden als Bestattungsbäume hergenommen“, so Adina Lauer. Jeder Baum habe Platz für zwölf Gräber. Verwendet werden nur biologisch abbaubare Urnen, die im Uhrzeigersinn um den Baum angeordnet werden. Alle Einzelplätze werden abgegrenzt. Es gibt aber auch die Möglichkeit von Familienbäumen. Die Namen der Verstorbenen werden auf kleinen Schildern am Baum angebracht. Ein bestimmter Bereich innerhalb des Waldstücks kann hergerichtet werden mit Ruhebänken und eventuell einer kleinen Kapelle. Das Konzept von Waldruh ist auf 99 Jahre angelegt. Das jeweilige Grab wird immer nur einmal verkauft.

Eine Grabstelle in St. Katharinen kostet laut Adina Lauer zwischen 500 und 1300 Euro, ein ganzer Baum zwischen 3200 und 6500 Euro. Die Grabnutzung wird von der Gemeinde Erdweg als Träger verliehen.

„Wir machen die Arbeit, aber die Kommune ist verantwortlich“, erklärte Wolf-Dietrich von Hundt. Denn der Betrieb eines Friedhofes ist grundsätzlich eine gemeindliche Pflichtaufgabe und kann nur von einer Körperschaft des öffentlichen Rechts betrieben werden, erklärte Bürgermeister Georg Osterauer. Derzeit zeichnet die Gemeinde Erdweg lediglich für den Waldfriedhof in Erdweg verantwortlich. Die Friedhöfe in den anderen Gemeindeteilen sind kirchliche Friedhöfe.

Entschieden wurde an diesem Abend noch nichts. Sollte sich der Gemeinderat aber für einen Beerdigungswald entscheiden, müsste eine Trägerschaftsvereinbarung zwischen dem Verpächter des Waldes und der Gemeinde Erdweg erfolgen. Der Beerdigungswald müsste gewidmet und die Bestattungsgebühren kalkuliert werden. Auch die Erstellung der Bescheide ist Sache der Gemeinde. Bürgermeister Osterauer glaubt, dass ein solcher Beerdigungswald vornehmlich für Münchner interessant sein dürfte.

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