Um die Formulierungen zur dritten Start- und Landebahn wurde heftig gerungen, wie man an der Tafel sehen kann. Professor Gebhard Wulfhorst stellte das Ergebnis im Plenum vor. foto: kra

Gemeinsame Ziele festgeschrieben

Dachau - Nach zwei Jahren Arbeit steht das Bürgerbeteiligungsprojekt vor dem Abschluss: Dienstagnacht einigte sich die Mandatsträger-Konferenz nach vierstündigem Ringen auf einen Leitbild-Entwurf.

Fast wäre die Arbeit an einer einzigen Formulierung gescheitert. Am Ende sah man viele zufriedene, aber auch einige skeptische Gesichter. Heinz Eichinger (SPD), der Dachau-Agil-Vorsitzende und Vierkirchner Bürgermeister: „Das Projekt bedeutet einen großen Schritt nach vorne für die interkommunale Zusammenarbeit“. Er hatte großen Anteil am Erfolg des Abends, denn er fand einen Kompromiss zur dritten Start- und Landebahn für den Münchner Flughafen im Erdinger Moos, die schon im Vorfeld der Veranstaltung für Unruhe gesorgt hatte (wir berichteten). Wobei der Fluglärm nur ein Thema unter vielen war, das bei der Konferenz behandelt wurde.

An die 140 Mandatsträger hatten sich im ASV-Theatersaal versammelt, dazu rund 40 interessierte Bürger. Immerhin waren 13 von 16 Bürgermeistern anwesend, ebenso die gesamte Landratsamtsspitze unter der Führung von Hansjörg Christmann und seiner Stellvertreterin Eva Rehm (beide CSU). Christmann war es auch, der die Anwesenden durch einen Rückblick einstimmte: „Wir haben in den zwei Projekt-Jahren viel gelernt. Daher nehme ich auch die Kritik auf, dass wir zum Beispiel in der Kommunikation mit der jungen Generation noch Defizite hatten.“ Der Landrat erinnerte zudem, worum es in dem Projekt eigentlich geht: „Mit einem gemeinsamen Leitbild können wir in den anstehenden Diskussionen mit der Landeshauptstadt München zur Entwicklung der Region viel besser auftreten.“

Am 6. März steht ein Treffen der Landkreise mit dem Münchner OB Christian Ude zum Thema „Wohnungsnot in der Region“ an. Im ASV-Saal wurden noch einmal alle strittigen Felder durchdekliniert: Von bezahlbarem Wohnraum und wohnortnahen Arbeitsplätzen über Versorgungs- und Bildungsangebote bis zu Verkehrsfragen und interkommunalen Gewerbegebieten.

Nicht jeder war indes von der Notwendigkeit einer landkreisweiten Zusammenarbeit überzeugt. „Ich bin als Orts-Vertreterin in den Gemeinderat gewählt. Was im Nachbardorf passiert, interessiert mich nicht“, meinte zum Beispiel eine Gemeinderätin. Eichinger kommentierte derartige Aussagen mit einem: „Das sind Ewig-Gestrige, die die Anforderungen der Zukunft nicht begriffen haben.“ Die Stimmung vieler der Beteiligten schwankte zwischen Unzufriedenheit mit den sehr abstrakt formulierten Zielen, einer gewissen Erschöpfung und einer Aufbruchstimmung: „Das Zukunftsbild gefällt mir sehr gut. Es zeigt genau auf, wo die Handlungsfelder liegen“, kommentierte der Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath (CSU).

Eichinger betonte in seinem Schlusswort noch einmal die „moralische Verpflichtung“, an der sich die Landkreis-Vertreter in Zukunft messen lassen müssen. Exemplarisch mag dazu der erste Satz des Leitziels „Siedlungsentwicklung“ dienen: „Die Gemeinden im Landkreis bekennen sich zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit (…). Sie stimmen ihre Planungen strategisch untereinander ab und beraten diese auch mit den Nachbarlandkreisen und der Landeshauptstadt München.“ Nun ist es an den Gemeinderäten und Rathaus-Chefs, derartige Formulierungen mit Leben zu füllen. (kra)

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