Gericht belässt es bei kleinen Geldbußen für Kaffeefahrt-Veranstalter

Dachau - Insgesamt 90 000 Euro Bußgeld hat das Landratsamt Dachau gegen drei Veranstalter von „Kaffeefahrten“ festgesetzt. Es geht um 16 Fälle bundesweit. Allein drei davon waren in Hebertshausen. Doch die Herren kamen vor Gericht glimpflich davon.

Die drei Männer mittleren Alters sitzen im Wartesaal des Dachauer Amtsgerichtes. Sie tuscheln mit ihren Anwälten. Zwei von ihnen mit nach hinten gegelten Haaren, einer mit blondgesträhnter Matte. Sie tragen dicke Uhren am Handgelenk und dicke Ringe an den Fingern. Ihr Beruf: Veranstalter von „Kaffeefahrten“. Wenn es ein Klischee über das Äußere solcher Veranstalter gibt, dann bestätigen diese Männer es.

Ihnen war vorgeworfen worden, Verkaufsveranstaltungen nicht angemeldet und zudem unerlaubt Gewinne angekündigt zu haben. Doch gegen die Verhängung der Geldbuße legten die Männer Einspruch ein. Gestern wurde die Sache am Amtsgericht Dachau verhandelt.

Eine Reihe von Zeugen waren geladen. Betagte Herrschaften, die an den Kaffeefahrten teilgenommen hatten. Aussagen mussten sie nicht, weil die Veranstalter ihre Einsprüche zurückzogen.

In der Verhandlung hatte der Richter Klaus Jürgen Sonnabend zuvor Veranstaltungsorte quer durch die Bundesrepublik aufgezählt. Immer gleich die Masche: Lockangebote wie DVD-Player, Warenkörbe, Reisen und Gewinnversprechen über Beträge zwischen 8000 und 10 000 Euro. Am Ende werden jedoch nur Telefonverträge vermittelt und Waren verkauft. In Hebertshausen fanden die Veranstaltungen im März 2010 an drei aufeinanderfolgenden Tagen statt. Richter Sonnabend bot an, die 13 Fälle außerhalb des Landkreises einzustellen, sollten die Bußgelder für die drei Veranstaltungen in Hebertshausen bezahlt werden. Das wären drei Sechzehntel der Gesamtstrafe, also je nach Vorwürfen zwischen 2700 und 8400 Euro pro Unternehmer.

Doch so viel wollten die drei Männer nicht bezahlen. Jeder beteuerte vor Gericht, kein Geld zu haben. Was einer der drei tatsächlich nicht hat, ist eine Gewerbegenehmigung. Die war ihm nämlich schon vor längerer Zeit entzogen worden. Lediglich über 900 Euro monatliches Einkommen und zusätzliche Unterhaltspflichten klagten sie.

Sonnabend ließ sich nicht blenden. „Ich hasse nichts mehr, als Basar-Atmosphäre vor Gericht“, sagte der Richter. „Die Herren werden ja Gelegenheit gehabt haben, die Strafe anzusparen. Sie waren wohl kein schlechten Verkäufer, wenn ich mir Ihre Verkaufszahlen so ansehe.“

Lediglich einem der dubiosen Unternehmer gesteht er einen kleinen Nachlass zu. Am Ende zogen die drei Männer ihren Einspruch etwas widerwillig zurück, sie bezahlen jetzt 8400, 3300 und 2700 Euro Bußgeld.

Auch interessant

Kommentare