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Mit solchen Einzel-Rollups wurden die Ergebnisse zur Erforschung von Einzelschicksalen kurz und knapp bei der Ausstellung „Das Lager und der Landkreis“ dargestellt.

Vor dem Vergessen bewahren

Geschichtswerkstatt in Petershausen

Petershausen - Was hatte Petershausen mit dem KZ Dachau zu tun? Ergebnisse der akribischen Recherche junger Leute bei noch lebenden Zeitzeugen stellen die Verbindung her. Und die ist fesselnd und tragisch zugleich.

Mehr als 200 000 Menschen wurden von den Nazis ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Etwa 41 500 überlebten den Terror nicht. Viele von ihnen waren mit Petershausen verbunden. Ihnen widmet sich die Ausstellung „Das Lager und der Landkreis“, die noch bis zum 17. April in der Aula der Grundschule Petershausen zu sehen ist.

„Das dumme Volk glaubt, was man ihm vormacht, ich aber nicht; ich habe den Nationalsozialismus von jeher gehasst und hasse ihn jetzt noch immer.“ Mit diesem Ausspruch konfrontierten die Nazi-Schergen den gebürtigen Asbacher Josef Andrä, gelernter Schäffler, von 1905 bis 1933 SPD-Mitglied, Gewerkschaftler und Betriebsrat. Nach seiner dritten Verhaftung am 23. Februar 1945 landete er im KZ Dachau, wo er wenige Tage nach der Befreiung des Lagers am 6. Mai an Hungertyphus verstarb.

Dieses Einzelbeispiel führte Sabine Gerhardus von der Geschichtswerkstatt Dachau bei der Vernissage an. Dieses Schicksal hatte die Petershausener Schülerin Isabella Weber vom Ignaz-Taschner-Gymnasium in Dachau 2010 vor dem Vergessen bewahrt.

Noch nicht so weit ist Nina Augustin (18) vom Camerloher-Gymnasium in Freising, die das Schicksal von Anton Held, gebürtig aus Hohenkammer und wohnhaft in Petershausen, untersucht. In dessen Schreinerei, wie auch Karl Strauß aus Petershausen wusste, wurde der Farbtopf gefunden, mit dem jemand Hammer und Sichel als kommunistische Symbole auf die Straße gemalt hatte.

Also wurde Held verhaftet und am 10. November 1934 ins KZ Dachau überstellt. Nach seiner Entlassung wurde er 1935 ein zweites Mal inhaftiert. Doch der Fuhrunternehmer, Schreiner und Kraftfahrzeugmechaniker überlebte. So gründete er 1947 den Sportverein Hohenkammer.

Petershausens Geschichtswerkstattleiterin Lydia Thiel bat die Petershausener Zeitzeugen, Nina Augustin weitere verfügbare Informationen zu Anton Held zu geben.

Lisa Kappes (19) hat den Fall des französischen Widerstandskämpfers Marceau Mollard untersucht. Der Kontakt kam durch die Partnerschaft Petershausens mit Varennes-en-Argonne und Johanna Mollards Hilfe zustande. Ihr Urgroßvater Marceau Mollard war nur zwei Wochen im KZ Dachau und starb am 27. November 1944 im KZ Mauthausen.

Das Wissen um die Geschichte ist laut Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler die Klammer, die die Gesellschaft zusammenhält. Petershausens Bürgermeister Marcel Fath war stolz, dass in seiner Gemeinde 1932 die NSDAP noch krachend verlor und der zwangsweise eingesetzte Bürgermeister Dr. Rudolf Rädler viele vor dem KZ bewahrte.

Wie wichtig es ist, sich einen eigenen Standpunkt zu erarbeiten und den auch zu vertreten, zeige die Gegenwart, betonte dritte Landrätin Marianne Klaffki (SPD).

Die Ausstellung gebe den einst von den Nazis nur noch nummerierten Gefangenen wieder ihre Namen zurück, betonte Anton Jais, der Vorsitzende des Dachauer Forums, die einer der tragenden Säulen der Geschichtswerkstatt im Landkreis Dachau darstellt.

rds

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