Eine Brauerei mit Geschichte: Inhaber Willi Wiedemann berichtete über die Vergangenheit des Kapplerbräusaals. gh

Vom Getreidelager zur Theaterbühne

Altomünster - Es gibt ihn seit 100 Jahren. Er hat viele Feiern erlebt und viel Gelächter gehört. Der Kapplerbräusaal wurde in vielfältiger Weise genutzt - zeitweise sogar für Kriegsappelle, als Flüchtlingslager oder als Biwak. Anlässlich seines 100. Geburtstag blickten die Altomünsterer zurück.

Der Historiker Professor Dr. Wilhelm versuchte, die Geschichte des Saals zu klären. Keine einfache Aufgabe. Es war der Brauersohn Johann Stanglmaier aus Freising, der 1883 die Altomünsterer Kapplernachfolgerin Maria Anna Lusteck heiratete. Die Kapplers betrieben bereits um 1700 die Brauerei und Gastwirtschaft. Stanglmaier selbst hatte beim Spatenbräu in München den Brauer-Beruf gelernt. Er zog zunächst auf Wanderschaft nach Wien, Budapest und Salzburg, bevor er in Haag an der Amper ein Festanstellung erhielt. „Er hatte das moderne Brauwesen gelernt“, berichtete Liebhart. Vor allem die modere Kältetechnik.

Seine Tochter Theresia, die die Brauerei erbte, heiratete schließlich 1922 Wilhelm Wiedemann aus dem schwäbischen Thannhausen. Seither sind die Wiedemanns im Besitz von Brauerei, Gasthof und Saal.

Für den Saal selbst hatte Johann Stanglmaier am 18. August 1910 eine Baugenehmigung erhalten - rund vier Wochen später als der Maierbräu, der ebenfalls seinen Saal baute. Dieser wurde vor rund 15 Jahren bei einem Brand zerstört und seitdem nicht mehr aufgebaut. Während der Maierbräu bereits 1910 seinen Saal eröffnete, baute Stanglmaier einen größeren und noch dazu einen mit einer schönen Freitreppe. Dafür brauchte er aber ein Jahr länger. Wer ihn erbaut hat, ist nicht bekannt. Der Altomünsterer Heimatforscher Anton Mayr schreibt in seinem Heimatbuch, dass es der Altomünsterer Baumeister Leonhard Stemmer gewesen sein muss. Manfred Schall vom hiesigen Baugeschäft berichtet aber, dass sein Großvater das Bauwerk vollbracht habe, er hatte das Geschäft von Stemmers früh verstorbenen Sohn übernommen.

Seit 100 Jahren ist der Kapplerbräusaal nicht mehr aus der Geschichte des Markts Altomünster wegzudenken. „Die Nutzung war vielfältig“, berichtete Wilhelm Wiedemann bei der Feierstunde. Es ist eine lange Liste von Veranstaltungen, die dort regelmäßig stattgefunden haben: Hochzeiten, Trauerfeiern, Geburtstage und Feste wie die Bahneröffnung 1913, oder das 1200. Ortsjubiläum 1930. Sogar für Appelle wurde er zu Kriegszeiten genutzt. Er war erstes Auffanglager für die Flüchtlinge nach dem Krieg, diente als Getreidelager und als Biwak für die österreichischen Waldarbeiter nach dem Windwurf 1958. Sogar Filme wurden beim Kapplerbräu gezeigt.

Vor allem Theaterstücke bekamen die Altomünsterer dort zu sehen. In den 70er Jahren fand jeden Sonntagnachmittag für die Jugend Ferrys Disko statt. 1978 war sogar ernsthaft geplant, den Saal in eine Disko umzubauen. „Zum Glück wurde die Verwirklichung nichts, weil der Vater so sparsam war“, sagte Willi Wiedemann.

Eine Zeit gab es jedoch, in der der Saal etwas aus der Mode kam. Die Familie Wiedemann hatte damals sogar Pläne, ihn für immer zuzusperren. Ein kleiner Brand im Thekenbereich, der aber zum Glück früh vom Pferdepfleger Krallert entdeckt wurde, hätte beinahe das Ende für den Kapplerbräusaal bedeutet. Das Pegasus-Theater aus Schrobenhausen bekundete damals großes Interesse an dem Saal - doch die Altomünsterer Theaterspieler wollten sich „ihren“ Saal nicht wegschnappen lassen. Seit damals ist er fest in Theaterhand. Das ist seit 15 Jahren mit einem Pachtvertrag amtlich.

Mit 60 000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden haben die Theaterer den Saal auf Vordermann gebracht. Die sanitären Anlagen wurden erneuert und vor allem verbessert, die Küche renoviert, der Saal wieder auf Hochglanz gebracht und der Kanal gelegt. 150 000 Mark wurden investiert, 50 000 davon hat die Familie Wiedemann übernommen, der Theaterverein beteiligte sich mit 65 000 Mark. „Die laufenden Betriebskosten sind auch nicht ohne“, sagte Bürgermeister Konrad Wagner. Er versprach den Theaterleuten eine kräftige Jubiläumsspende. „Wir können uns nur respektvoll und anerkennend vor euch verneigen“, betonte er und bat die Laienspieler „Macht weiter so!“

Wagner dankte aber auch der Familie Wiedemann, durch deren Weitblick und Verpachtung der Jugendstil-Saal erhalten werden konnte.

(gh)

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