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Hier ist Karlsfeld grün, die Häuser im Hintergrund gehören schon zu Dachau. Ob an dieser Stelle das neue Gewerbegebiet entstehen wird, entscheidet sich wohl in den nächsten Wochen. foto: hab

Gewerbegebiet Schleißheimer Straße: In Karlsfeld stehen die Fronten schon wieder

Karlsfeld - Im Dezember 2010 wurde ein Gewerbegebiet im Grünzug an an der Grenze zu Dachau per Bürgerentscheid abgelehnt. Jetzt ist der Standort wieder Topfavorit, wenn es um neue Gewerbeflächen in Karlsfeld geht. Dieselben Fronten wie vor vier Jahren haben sich schon formiert.

Neue Gewerbeflächen gleich neue Gewerbesteuerzahler und damit dringend benötigte Einnahmen, um Karlsfeld handlungsfähig zu halten. So einfach die Ausgangslage, so kompliziert die Umsetzung. Als die Flächen südlich der Schleißheimer Straße erstmals als Gewerbestandort in Betracht gezogen wurden, formierte sich eine Bürgerinitiative, die das Gewerbegebiet im Grünzug unbedingt verhindern wollte.

Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) setzte auf Volkes Wille: Doch er verlor den über sein Ratsbegehren angestrengten Bürgerentscheid. Der Standort sei damit aus dem Rennen, für immer, sagte Kolbe nach der Niederlage.

Ist er nicht. Zunächst kam die Schleißheimer Straße wieder auf den Tisch, als sich Karlsfelder Bürger in einem Arbeitskreis mit potenziellen Gewerbestandorten befassten. Auf Priorität eins setzte der Arbeitskreis die Flächen westlich der Münchner Straße, etwa zwischen Lidl und Neuen Märkten. Auf Platz zwei landete die Schleißheimer Straße.

Dann war ein Fachmann und Karlsfeld-Kenner an der Reihe. Frank Becker-Nickels untersuchte die beiden Standorte, wertete etwa Kriterien aus wie die Verkehrsanbindung und welche Fläche der Gemeinde gehören und schnell verfügbar sind. Der Stadtplaner stellte sein Ergebnis am Donnerstagabend im Gemeinderat vor. Becker-Nickels Fazit: „Karlsfeld braucht beide Standorte.“

Der zusätzliche Bedarf an Gewerbeflächen für Karlsfeld liegt laut Becker-Nickels bei insgesamt neun bis zwölf Hektar. An der Münchner Straße wären 4,1 Hektar verfügbar, dort sei jedoch nur ein Mix aus Wohnen und kleinteiligem Gewerbe möglich. „Größere Gewerbeflächen sind hier unverträglich.“

Die sieht Becker-Nickels an der Schleißheimer Straße. Nach dem Verzicht auf die noch 2010 mit vorgesehene Fläche östlich der Bajuwarenstraße am Tiefen Graben stehen dort immer noch neun Hektar zur Verfügung.

Großer Vorteil: Die meisten Flächen gehören schon der Gemeinde. Die zentrale Frage, was diesen Standort betrifft, ist jedoch eine andere. Becker-Nickels: „Wie verträglich ist es?“

Allerdings hat sich in den vergangenen Monaten immer mehr gezeigt, dass ein Gewerbegebiet auf dem einst per Bürgerentscheid abgelehnten Standort kein Tabu mehr ist. „Die Bürgermeinung hat sich geändert“, sagte Venera Sansone (SPD) in der Sitzung.

Becker-Nickels betonte, dass man das Gewerbegebiet „nicht isoliert in die Fläche setzen“ dürfe. Also viel Grün im Gebiet selbst, dazu großzügige, weitgehend naturbelassene Ausgleichsflächen neben den angrenzenden Kiesweihern.

Das alles reicht dem Bündnis für Karlsfeld nicht. Fraktionschefin Mechthild Hofner sagte, der Grünzug würde „nachhaltig gestört“. Sie glaube zudem nicht, dass es bei neun Hektar Gewerbegebiet bleiben wird: „Das wird sich ausweiten.“

Die Gemeinde solle stattdessen an der Münchner Straße „kleineres Gewerbe entwickeln“. Hofner forderte zudem erneut Anstrengungen, Gewerbeflächen gemeinsam mit anderen Gemeinden zu entwickeln. Eine mögliche interkommunale Zusammenarbeit falle in der Diskussion „hinten runter“.

Für Bürgermeister Kolbe ist das keine Alternative. Ein Partner müsse entweder Flächen oder Geld einbringen. Karlsfeld habe weder das eine noch das andere. Auch der angedachte Flächentausch mit München, um das bestehende Gewerbegebiet zu erweitern, ist laut Kolbe vom Tisch: Die Flächen auf Münchner Seite sind Landschaftsschutzgebiet.

CSU und SPD sind sich so einig wie 2010. „Die Schleißheimer Straße Priorität eins, wie können nicht länger zuwarten“, machte SPD-Fraktionschefin Hiltraud Schmidt-Kroll klar. Johann Willibald (CSU) wiederholte seine Forderung, das Gewerbegebiet an der Schleißheimer Straße „so schnell wie möglich zu entwickeln“.

Auch nach Ansicht von Wirtschaftsförderer Peter Freis drängt die Zeit. Die Nachfragen von Karlsfelder Firmen, die erweitern wollten, und von Firmen, die nach Karlsfeld kommen wollten, könne man nicht ansatzweise befriedigen. Es werde ohnehin mindestens bis 2020 dauern, bis Geld in die Gemeindekasse kommt, egal, welcher Standort entwickelt wird, so Freis.

Mit Verzögerungen dürfte zu rechnen sein. Adrian Heim kündigte jedenfalls schon an: „Die Bürgerinitiative ist immer noch aktiv, es wird wieder einen Bürgerentscheid geben.“ (mm)

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