Glanzvoll und ergreifend gelang die Aufführung von Haydns „Die Jahreszeiten“ in perfektem Zusammenspiel von Chor, Orchester und Solisten. Foto: HAB

Glaubensbekenntnis im Jahreslauf

Dachau - Die Chorgemeinschaft Dachau scheut keine großen Aufgaben: Am vergangenen Sonntag gelang unter Leitung von Rudi Forche eine spektakulär schöne Aufführung des Haydn-Oratoriums „Die Jahreszeiten“.

Die Komposition des damals 69-jährigen Joseph Haydn wurde 1801 im Wiener Palais Schwarzenberg erstmals aufgeführt - erfolgreich. An den Erfolg des vorhergehenden Oratorium „Die Schöpfung“ konnte das Werk damals nicht anknüpfen, da es zu weltlich ausgerichtet war. In heutiger Zeit wird das Werk anders empfunden: intensiv, dicht und berührend. So war es auch im Dachauer Schloss: Minutenlanger, schließlich stehender Applaus war verdienter Lohn und respektvolle Anerkennung für die Mitwirkenden.

Obwohl das Werk hauptsächlich Naturszenen und bäuerliche Elemente des Jahreslaufs thematisiert, wie den Ackermann am Pfluge im Frühjahr, den Hirten und Schnitter im Sommer, Obsternte, Weinlese und Treibjagd im Herbst oder die winterliche Spinnstube kann es durchaus als musikalisches Glaubensbekenntnis verstanden werden, das am Kirchweihsonntag seinen idealen Aufführungstermin hatte. Es hinterließ einen nachhaltigen Eindruck beim begeisterten Publikum.

An die 70 Sängerinnen und Sänger gestalteten ihre Beiträge engagiert und mit größter Hingabe. Mit den drei Solisten hatte Rudi Forche eine hervorragende Wahl getroffen: Die Stimmen von Judith Spiesser (Sopran) als Hanne, Bernhard Schneider (Tenor) als Bauer Lucas und Timo Janzen (Bass) als Pächter Simon waren von harmonischem, vollem Klang ohne Schärfe und Grate und voll tragendem Volumen, in den Rezitaten begleitet von Christian Brembeck am Hammerklavier. Duette, Terzette und der Wechsel von Solisten und Chor, von Frauen- und Männerstimmen, der Wechsel von Rhythmus, von Instrumentalbegleitung und Soli machte das Gesamtwerk zu einem abwechslungsreichen Hörgenuss. Die Texte, die von allen Vortragenden klar und deutlich moduliert wurden, ließen Szenen vor dem inneren Auge entstehen.

Eine Auswahl hervorragender Instrumentalisten unterstützte nicht nur die Sänger, sie lieferten perfekte lautmalerische Klangbilder zu den lyrischen Texten: Die Ouvertüre schafft den Übergang vom tristen Winter zum Frühling mit heiteren Klangfarben: einer silbrigen Querflöte und beschwingten Geigen. Freude und Last des Sommers: Lichtfülle und Wachstum, lastende Hitze und erquickender Regen werden zum Klingen gebracht. Sie werden abgelöst vom Herbst mit grauen Nebeln und wilden Stürmen, mit Betriebsamkeit in Feld, Garten und Weinberg und fröhlichen Jagdfanfaren. Schwer und hoffnungslos bricht der Winter herein für den Wanderer, der sich verirrt. Bis er endlich Licht erspäht und matt die rettende Hütte erreicht. Die warme Stube ist Treffpunkt für Gespräch und Handarbeit, für Märchen, Geschichten, Träume und hehre Ziele: „... Nur Tugend bleibt.“ (don)

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