Dachauer (31) soll Freundin (22) entführt haben

Glücklose Facebook-Liebe endet in Geiselnahme

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Dachau - Ein rätselhafter Fall beschäftigt seit Montag das Landgericht München II. Einem Arbeiter (31) aus Dachau wird Geiselnahme vorgeworfen. Er soll seine große Liebe (22) gezwungen haben, ihn nach Salzburg zu fahren. Dort wollte er sie töten.

Schwarzes T-Shirt, schwarze Trainingshose, Stoff-Turnschuhe, der Schädel kahl rasiert, die Arme vor dem Körper verschränkt: In Abwehrhaltung, aber dennoch überraschend freundlich gestimmt, saß der mutmaßliche Geiselnehmer auf der Anklagebank. 

Zu Prozessauftakt machte der türkischstämmige Mann keine Angaben. Er selber hätte wohl gerne geredet, doch Verteidigerin Julia Weinmann verbot ihm sogar jegliche Geste. Zu viel hatte der 31-Jährige in der Vergangenheit über die sozialen Netzwerke Facebook und Whatsapp von sich gegeben. Mittels dieser Medien hatte er sich auch in das Leben der Friseurin geschlichen. 

Er stand auf die zarte Frau mit den fast weiß-blonden, langen Haaren. Beim persönlichen Kennenlernen hielt er sich zunächst zurück. „Er war nett, verständnisvoll, also alles, was sich eine Frau so vorstellt“, sagte die 22-Jährige als Zeugin. Zu ihrem eigenen Schutz saß sie im Gericht zwischen zwei Rechtsanwälten. Der Angeklagte sollte sie nicht beobachten können. Aus ihrer Schilderung wurde rasch deutlich, dass sie sich vom Dachauer gerne hatte hofieren lassen, mit ihm aber keine Beziehung eingehen wollte. „Warum nicht?“, hakte der Vorsitzende Richter Oliver Ottmann nach. Sie habe damals, im Sommer 2015, einfach keine Beziehung gewollt, behauptete die junge Frau. Es sei ihr alles zuviel geworden, er habe völlig übertrieben, sie auf Händen in die Wohnung seiner Mutter getragen. 

Der 31-Jährige nahm ihr die Abfuhr übel. Er bedrängte sie, drohte ihr mit dem Tod, kündigte an, ihren Kopf am Bahnhof aufzuhängen. „Ich sollte mich von Eltern und Freunden verabschieden und einen Rosenkranz bei mir tragen“, erinnerte sie sich. Sie brach den Kontakt endgültig ab. Daraufhin tauchte der Arbeiter unter. Seine Familie wandte sich hilfesuchend an die 22-Jährige. Schließlich schickte sie ihr ein Foto, das den Dachauer mit einer Waffe vor ihrem Friseur-Geschäft zeigte. Die junge Frau ging zur Polizei. Ein Sonder-Einsatz-Kommando (SEK) wurde eingeschaltet, der Mann gefasst, aber wieder freigelassen.

Am 2. September 2015 fing der Angeklagte angeblich sein Opfer am Auto ab. Er zwang es, mit ihm nach Salzburg zu fahren. Dort soll die Frau in höchster Not mit dem Mann geschlafen haben – allein, um ihn milde zu stimmen. Am nächsten Tag fuhren die beiden wieder nach München zurück. Als er drei Tage später festgenommen wurde, behauptete der Arbeiter in einer ersten Reaktion, dass alles nicht so gewesen wäre. Danach sagte er nichts mehr.

Nun begannen die Ermittlungen. Handys und Videoaufnahmen wurden ausgewertet, Zeugen in Salzburg vernommen. Dabei stellte sich heraus, dass niemandem die außergewöhnliche Situation aufgefallen war. Weder das Personal im Hotel noch in einem gegenüberliegenden Erotic-Shop, den die beiden aufgesucht hatten, bemerkte ein aggressives Verhalten. Die Kameras zeigten ebenfalls ein harmonisches Miteinander. Und auch bei einem Halt unterwegs an einer Tankstelle war niemandem eine für die Frau bedrohliche Lage aufgefallen. Um den Fall genau zu klären, hat das Gericht allein für die Vernehmung der Frau drei Tage angesetzt.

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