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Die graue Eminenz

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Ohne großen Pomp und Gloria feierte Edgar Haniel von Haimhausen seinen 75. Geburtstag. Foto: sh
Ohne großen Pomp und Gloria feierte Edgar Haniel von Haimhausen seinen 75. Geburtstag. Foto: sh

Haimhausen - Egal ob als Achtjähriger auf der Fußballwiese oder Jahrzehnte später als Inhaber der Schlossbrauerei - Edgar Haniel von Haimhausen bleibt sich selbst und seiner Heimat immer treu. Nun feierte die graue Eminenz 75. Geburtstag.

Ohne großen Pomp und Gloria feierte Edgar Haniel von Haimhausen seinen 75. Geburtstag. Hätte das Fest vor 100 Jahren statt gefunden, wäre sicherlich ganz Haimhausen seit Wochen auf den Beinen gewesen. Der älteste männliche Spross aus dem adeligen Teil der großen Familie Haniel lud etwa 80 Gäste in den Innenhof der Schloßbrauerei ein. Gemeinsam mit seiner Frau Dörthe, den Kindern Christoph, Monika und Annette, den Schwiegerkindern und Enkeln empfing er seine Mitarbeiter und Freunde.

Freunde hat er viele in Haimhausen. Unbeeinflusst von seiner Herkunft, dem väterlichen Schloss oder seinen Privatlehrern suchte er als Bub intensiv den Kontakt im Dorf. „Bei uns waren immer viele Kinder. Wir wohnten im Kavaliershaus und die Wiese davor war ein wunderbarer Fußballplatz. Als Achtjährige gründeten wir sogar Fußball-Clubs. Einer war der Haniel-Club, der andere der Schröder-Club. In den heißen Sommern schwammen wir alle an der Schloßbrücke im Mühlbach, im Winter rasten wir auf 30 zusammengehängten Schlitten die Allee vom Kramer Kreuz bis zum Schloß hinunter.“ Lächelnd in der Erinnerung versunken, zündet er sich eine Zigarette an. Seine Raucherei ist wie seine Heimatverbundenheit noch so eine fast lebenslange Leidenschaft.

Doch was sich so sehr nach unbeschwerter Kindheit anhört, hatte auch seine Schattenseiten. Als Edgar von Haniel sechs Jahre alt war, marschierten die amerikanischen Soldaten in Haimhausen, besetzten das Schloß seines Vaters und zertrümmerten wertvolle Antiquitäten zu Brennholz. Vom gegenüberliegenden Kavaliershaus, beobachtete die Familie Haniel das zerstörerische Treiben. Anschließend mussten sie das Wohnhaus räumen und kamen vorübergehend in einer Wohnung in München unter.

Zurück in Haimhausen zogen sie in das Forsthaus in der Dorfstraße. „Das fand ich als Kind sehr großartig, weil wir da noch ein Plumpsklo hatten. Das kannte ich bis dahin nur von Freunden.“ Was der Filius gemeinsam mit seinen Freunden angestellt hat, das durften die Eltern Günther und Irmgard von Haniel nicht immer wissen. „Nach dem Krieg lag jede Menge Munition im Schloßpark. Die haben wir mit Feuerwerkskörpern in die Luft gesprengt. Das war damals unser Spielplatz.“

Das Spiel fand ein Ende, als Edgar von Haniel nach Steckborn am Bodensee in ein Internat kam. Nach dem Abitur machte er eine Lehre als Industriekaufmann bei Lodenfrey in München. Ein Stellenwechsel führte ihn ins Rheinland, wo er seine spätere Ehefrau Dörthe kennen. 1969 heirateten die beiden in Krefeld. Als bald danach Sohn Christoph geboren wurde, kam die junge Familie zurück nach Haimhausen und lebt heute in einem schmucken, aber bescheidenem Haus in der Rosenstraße.

1998 verstarb Günther von Haniel und sechs Jahre später übernahm der Sohn Edgar, fast selbst schon im üblichen Rentenalter, die Geschicke der Schlossbrauerei. Seine Tochter Monika arbeitet seit einigen Jahren an der Front als Juniorchefin. Als Bräu und graue Eminenz im Hintergrund scheint er eine würdige Lebensaufgabe gefunden zu haben und er ist das geblieben, was er schon als Kind war: Ein Herr aus adeliger Familie, den viele Haimhauser gerne als guten Freund bezeichnen, weil er fern jeglicher Standesdünkel sich selbst treu geblieben ist.

(sh)

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