Versöhnung in der Gedenkstätte: KZ-Überlebender Max Mannheimer und die Grüne Renate Künast. Foto: hab

Grünen-Politikerin Künast in KZ-Gedenkstätte: „Ich stehe zu meinen Emotionen“

Dachau - Als „geschmacklos und unmögliche Kombination“ hatte die Grünen-Politikerin Renate Künast den Besuch Angela Merkels in Dachau bezeichnet. Merkel hatte die KZ-Gedenkstätte besucht und anschließend einen Wahlkampfauftritt im Bierzelt absolviert. Am Freitag nun besuchte die ehemalige Grüne Fraktionsvorsitzende im Bundestag die KZ-Gedenkstätte in Dachau

Künast kam auf Einladung des Zeitzeugen Max Mannheimers, der sich über Künasts Merkel-Kritik geärgert hatte und ihr in einem Brief zu verstehen gab: „Auch Sie, Frau Künast, können Dachau jederzeit besuchen.“

Am Ende ihres rund einstündigen Gesprächs, das im Vorfeld von Künasts Rundgang durch die Gedenkstätte stattfand, betonten beide, ihre damaligen Gefühlslagen nun besser nachvollziehen zu können. Dennoch wollten auch beide nicht von ihren Positionen abrücken.

So wiederholte Mannheimer sein Lob für die Kanzlerin: „Ich bin mit der Merkel sehr zufrieden. Es ist doch toll, wenn sie im Bierzelt auf die Schrecken der NS-Zeit hinweist!“ Überhaupt: „Ich hätte sie doch gar nicht einladen können, wenn sie nicht wegen des Wahlkampfs in Dachau gewesen wäre.“ CSU-Landesgruppen-Chefin Gerda Hasselfeldt habe ihn dann bei der Organisation desBesuchs unterstützt.

Renate Künast gab zu, dass der Besuch Merkels „wichtig und richtig“ gewesen sei. Gestört habe sie nur, dass der Besuch Merkels schon im Vorfeld tagelang gefeiert worden sei. Die Kritik sei schließlich aus einer Emotion heraus entstanden: „Als mich dann in Berlin der dritte Journalist auf den Besuch Merkels in Dachau angesprochen hat, dann ging’s mit mir durch!“ Zu dieser Emotion stehe sie noch heute, und - sollte sich bei diesem ihrem Herzensthema Ähnliches wiederholen - „kann ich nicht ausschließen, wieder sauer zu werden.“

Grundsätzlich sei Max Mannheimer „ein beeindruckender Mensch“. Was Künast scheinbar überraschte: „Der nimmt sich wirklich raus, alle nach Dachau einzuladen. Der spricht munter alle an!“ Sogar die Kanzlerin.

Dass sie mit ihrer Äußerung zumindest ihren Parteifreunden in Dachau keinen Gefallen getan hat, war Künast nach eigenen Worten nicht bewusst. Margarete Bause, Grüne Fraktionssprecherin im Landtag, sowie die Grüne Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer, die Künast bei ihrem Besuch in der Gedenkstätte gestern begleiteten, beeilten sich jedoch zu erklären, dass es deshalb zu keinerlei innerparteilichen Unstimmigkeiten gekommen sei.

„Das Ganze kam einfach durch zwei unterschiedliche Wahrnehmungen zustande, Berlin und Dachau. Aber dass wir nun alle hier zusammensitzen, ist doch ein gutes Ergebnis“, befand Bause. Walter-Rosenheimer glaubte, dass die gute und parteiübergreifende Zusammenarbeit zugunsten einer würdigen Erinnerungsarbeit in Dachau durch Künasts Äußerungen „vielleicht nur kurz zunichte gemacht worden ist.“

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