"Billigstes Bier der Welt"

Günstige Volksfestmass: Wie die Dachauer ihren Bierpreis niedrig halten

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Dachau – Nur halb so teuer wie auf der Wiesn: Seit Jahren wirbt das Dachauer Volksfest mit seinen niedrigen Bierpreisen - und mit mehr Tradition.

Am heutigen Samstag wird Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann wieder auf die Volksfestbühne treten und den Zapfhahn in das erste Fassl jagen. Drei Schläge hat er im vergangenen Jahr gebraucht, bevor er mit einem kräftigen „O’zapft is“ die Dachauer Wiesn eröffnete. Dann strömen für zehn Tage wieder bis zu 300 000 Besucher auf die Dachauer Ludwig-Thoma-Wiese. Das besondere an dem traditionsreichen Volksfest im Münchner Norden: Hier ist die Mass Bier noch richtig günstig. 5,70 Euro kostet sie in diesem Jahr.

„Ich glaube, dass wir da deutschlandweit mit am niedrigsten liegen“, sagt Volksfestreferent Robert Gasteiger. Hinter dem günstigen Bierpreis steckt ein System, das der damalige Bürgermeister Lorenz Reitmeier 1970 eingeführt hat – und das bis heute Bestand hat. Die Stadt stellt das große Festzelt und vergibt die Bewirtung an einen Dachauer Gastronom, früher für ein Jahr, mittlerweile für zwei. Und zwar an denjenigen, der sich mit dem niedrigsten Bierpreis bewirbt und der Stadt pro ausgeschenktem Hektoliter am meisten abgibt. „So gesehen hilft uns der Bierpreis vom Vorjahr“, sagt Gasteiger. Denn wer unter den konkurrierenden Wirten den Zuschlag bekommen will, muss sich zwangsläufig am Vorjahrespreis orientieren, um eine Chance zu haben.

Auf der Wiesn ist das Bier fast doppelt so teuer

Hin und wieder klagen die Wirte zwar, dass mit diesem System nur wenig Gewinn bleibe. „Aber die Masse an Massen macht’s dann eben aus“, sagt Gasteiger. Und am Essen lässt sich ja auch noch verdienen. „Da gibt es genug, die gerne Volksfestwirt werden“, sagt Gasteiger. Zwischen vier und sechs Bewerber habe es in den vergangenen Jahren immer gegeben.

So steigt der Bierpreis in Dachau zwar auch stetig, aber in kleineren Schritten als anderswo. Und Reitmeier nutzte das günstige Gerstenwasser auch gleich, um für seine Stadt zu werben. 1985, die Mass kostete 3,75 Mark, sprach er erstmals vom „billigsten Bier der Welt“, 1988 immerhin noch vom „billigsten Bierpreis Europas“ – während beim großen Nachbarn in der Landeshauptstadt die Preise immer kräftiger anstiegen.

Auf der Münchner Wiesn kostet das Bier in diesem Jahr fast doppelt so viel wie in Dachau. Seit 1950, als die Mass auf beiden Festen noch für 1,50 Mark zu haben war, haben sich die Veranstaltungen stark auseinanderentwickelt. „Das Oktoberfest ist schon sehr kommerziell geworden“, findet Gasteiger. Er genießt es, dass man in Dachau fast immer einen Platz bekommt. „Wir sind nicht so überlaufen“ – auch wenn der günstige Bierpreis nach wie vor auch über die Landkreisgrenzen hinaus viele Besucher anlockt. „Trotzdem ist es bei uns immer noch sehr traditionell geblieben.“ Nicht nur beim Bierpreis. 

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