1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau

Funkkontakt mit Astronaut Alexander Gerst gestört

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Erschwerte Bedingungen beim Funkkontakt mit ISS, am Gerät David Forkel. Foto: HAB
Erschwerte Bedingungen beim Funkkontakt mit ISS, am Gerät David Forkel. Foto: HAB

Indersdorf - Die Indersdorfer Gymnasiasten hatten Großes vor. Sie wollten mit Alexander Gerst auf der ISS sprechen. Doch zunächst hat ihnen im wahrsten Sinne des Wortes jemand dazwischengefunkt. So erlebten sie ein Wechselbad der Gefühle. Am Ende überwogen aber die Freude und der Stolz

Im Kontrollraum für den Funkkontakt mit der ISS ging es zu wie in einem Taubenschlag. Schüler in Poloshirts mit der Aufschrift „GMI meets ISS“ (GMI trifft ISS) flitzten herum und überprüften ein letztes Mal die Technik. Funker vom Ortsverband des Deutschen Amateur-Radio-Clubs schwirrten umher, Journalisten von Zeitungen, vom Radio und vom Fernsehen waren da, schnell wurden noch ein paar Erinnerungsfotos geknipst.

Überall spürte man Begeisterung, gepaart mit etwas Aufregung. Vor allem die sieben Abiturienten, die im P-Seminar das Projekt organisiert hatten, waren in den letzten Minuten vor dem Funkkontakt mit dem Raumfahrer Alexander Gerst auf der ISS Feuer und Flamme: „Ich hoffe, dass alles funktioniert und nichts ausfällt, aber wir haben alles so oft getestet, es muss klappen“, gab sich Karsten Emrich zuversichtlich. In der ganzen Schule herrschte am vergangenen Samstag riesengroße Vorfreude.

„Es ist ein einmaliges Erlebnis, es ist der Höhepunkt des Seminars, einfach etwas ganz Besonderes“, fand Ruben Horn. Der 17-Jährige ist der erste Schüler, der mit der ISS sprechen sollte, er hatte sich genau aufgeschrieben, was er sagen musste. Besonders aufgeregt war er nicht: „Ich beherrsche mich da. Ich werde einmal durchatmen, dann muss es funktionieren“, war seine Strategie.

Dafür war Lehrer Manfred Dudda umso angespannter. Der Physiklehrer und Betreuer des Oberseminars hatte viel Zeit und noch mehr Herzblut in das Projekt gesteckt. Obwohl sein eigenes Kind am Vortag seine Abiturfeier hatte, ließ er es sich nicht nehmen, noch einmal bis spät in die Nacht Hand anzulegen. Schlafen konnte er vor lauter Nervosität sowieso kaum.

„Ich war zu Beginn ungeheuer aufgeregt“, gestand er später. Vielleicht auch, weil er wusste, dass er bei Pannen überhaupt nicht mehr eingreifen konnte, weil er nicht im Kontrollraum, sondern in der Aula saß. Dort hatten Schüler aus der 10d ein informatives Rahmenprogramm für das Publikum organisiert. Wilko Fokken, Simon Frehner und Sarah Matthes hielten Vorträge zum Thema Raumfahrt.

Insgesamt waren über 40 Schüler bei dem Projekt involviert. „Alle haben gut zusammengearbeitet, das war echt ganz toll“, freute sich Dudda. Längst war das Projekt kein reines Oberstufenprojekt mehr. Auch die Schüler, die Alexander Gerst die 20 vorab ausgearbeiteten Fragen stellen sollten, stammten aus fast allen Jahrgangsstufen.

Eine Fragenstellerin war Nathalie Fischhaber aus der achten Klasse. Sie wusste genau, worauf es beim Fragen ankommt: „Man muss genau ins Mikrofon sprechen und man soll konzentriert und nicht zu aufgeregt sein“, erklärt sie. Sie hat zwei Fragen zugeteilt bekommen: Eine in der Mitte und eine eher am Ende. Weil die Schüler aber Empfangsstörungen hatten, konnten von den 20 vorbereiteten Fragen nur sechs gestellt werden. Nathalie kam nicht mehr an der Reihe.

Für alle Beteiligten war es ein riesengroßer Schreck, als ein anderer Funker den Kontakt störte und sie Alexander Gerst deshalb nicht verstehen konnten: „Ich war im ersten Moment hauptsächlich verwirrt und aus dem Plan geworfen und habe mir nur noch überlegt, wie ich das schnell über die Bühne kriege“, erzählt Ruben. Der 17-Jährige verlor nicht die Nerven und reagierte souverän wie ein Profi.

Auch bei allen anderen machte sich schnell die Angst, dass das Projekt scheitert, breit: „Wir waren verzweifelt, weil wir nicht wussten, wie wir uns retten konnten“, erzählt Michael Lowack, der das Projekt als Funker betreute. „Ich habe mich geärgert und war enttäuscht, es war schon so ein Schade-Gefühl da“, erinnert sich Lehrer Manfred Dudda.

Ähnlich erging es auch den Schülern: „Es war so spannend. Wir haben zwei Jahre auf diesen Moment hingearbeitet, und dann hat irgendein Idiot dazwischengefunkt. Da ärgert man sich schon ein bisschen“, findet Julian Horst. Dafür war er am Ende, als doch noch ein paar Sätze von Alexander Gerst verständlich waren, umso glücklicher: „Das ist ein tolles Gefühl, da fühlt man sich richtig stolz“, erzählt der 18-Jährige. „Es ist schon eine große Leistung, dass wir es wirklich geschafft haben“, fügt sein Mitschüler Matthias Jacob hinzu.

So denkt auch Lehrer Manfred Dudda: „Insgesamt hat es dann doch wunderbar geklappt“, ist er stolz. Auch Schulleiter Thomas Höhenleitner ist am Ende begeistert: „Es war ganz großes Theater, es war wie Public Viewing in einer ganz anderen Art.“

Auch interessant

Kommentare