Für ein Mal Schloss auswechseln

Schlüsseldienst verlangt 3200 Euro - jetzt ermittelt die Polizei

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Ein Hausbesitzer in Amperpettenbach hat 3200 Euro für das Herausziehen seines Schlüssels aus der Haustür bezahlt – eine Rekordsumme. Abzockerfirmen sind in diesem Geschäft kein Einzelfall.

Amperpettenbach – Ein Hausbesitzer aus Amperpettenbach hatte ein kleines Malheur. Als er nach Hause kam und die Eingangstür aufgesperrt hatte, ließ sich der Schlüssel nicht mehr abziehen. Kein Problem, dachte sich der Amperpettenbacher, es gibt ja Schlüsseldienste, ein Blick ins Internet genügt. Der Mann entschloss sich für eine Firma mit einer 0800er Rufnummer. Was dann geschah, gleicht einem Alptraum.

Der Pechvogel landete in einem Callcenter. Der freundliche Mitarbeiter dort gab an, einen Fachmann in der Nähe von Haimhausen parat zu haben. Rund eine halbe Stunde später kam der Fachmann auch, der sich laut Stefan Reichenbächer, Pressesprecher der Polizei Dachau, als „kompetenter Türöffner“ vorstellte. Der „Türöffner“ wechselte das Schloss aus. Nach einer Stunde war er fertig. Als er seinem Kunden die Rechnung unter die Nase hielt, fiel dieser aus allen Wolken. Sage und schreibe 3200 Euro sollte er bezahlen – und zwar sofort.

Der Hausbesitzer, von der Situation überfordert, zahlte per EC-Karte. Und das, obwohl die Tür leicht beschädigt und ein qualitativ schlechtes neues Schloss eingebaut worden war, so die Polizei. Laut den Ermittlern habe der „Türöffner“ dem Hausbesitzer vorgegaukelt, eine Sofortzahlung sei „versicherungstechnisch günstiger“.

„Wir würden maximal 150 Euro verlangen“

„Einen Schlüssel rausholen, ist überhaupt kein Problem“, sagt Claudia Rimbach, Chefin der Firma Rimbach Sicherheitstechnik. Ihre Firma, die im Raum Dachau, Fürstenfeldbruck und Unterschleißheim tätig ist, verwende spezielle Mittel, so Rimbach. Meistens lasse sich dann der Schlüssel leicht abziehen. „Für solche Dienste verlangen wir dann 68 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer“, sagt Rimbach, „alles inklusive.“ Selbst wenn es doch einen neuen Schließzylinder brauche, koste dieser – mit drei neuen Schlüsseln – 59 Euro. „Selbst wenn wir mitten in der Nacht kämen, würden wir maximal 150 Euro verlangen“, fügt die Sicherheitsexpertin noch an.

Rimbach hält eine Rechnung in Höhe von 3200 Euro für „Humbug“. „Die Polizei muss rigoros gegen solche Firmen vorgehen“, meint sie. „Solche Firmen“ gebe es einige. Sie kenne Fälle, wo für das Tür öffnen schon mal 800 bis 900 Euro verlangt werde. Oft mit Sofortkasse. Rimbach: „Bei uns geht alles auch später mit Überweisung.“ Eine weitere Masche der Abzock-Firmen: Sie machen sich den Namen seriöser Schlüsseldienste zu eigen. „Auch als Firma Rimbach haben sich schon welche ausgegeben“, so Claudia Rimbach.

Lesen Sie auch: Wucher! Polizei nimmt Schlüsseldienstler fest

Der Vorfall in Amperpettenbach ist bereits eine Woche her. Leider meldete sich der Hausbesitzer erst am Mittwoch bei der Polizei. „Der vorgebrachte Sachverhalt wird der Staatsanwaltschaft zur strafrechtlichen Überprüfung hinsichtlich des Vorwurfs des Wuchers oder Betrugs vorgelegt“, sagt der Sprecher der PI Dachau, Stefan Reichenbächer.

Rubriklistenbild: © dpa / Holger Hollemann

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