Ein echter 68er: Haimhausens Bürgermeister wird heute 50 Jahre alt. foto: gm

Peter Felbermeier feiert Doppeljubiläum

„Als Bürgermeister hast Du viele Berufe“

Peter Felbermeier hat dieser Tage einiges zu feiern: Seit zehn Jahren (ab 1. Mai 2008) ist er Bürgermeister in Haimhausen und heute auf den Tag genau seit 50 Jahren auf der Welt. Ein großes Trara will er aber nicht darum machen.

Haimhausen – Auch wenn Haimhausens Bürgermeister gleich zwei Jubiläen zu feiern hat – Tamtam wird heute, an seinem 50. Geburtstag, deswegen nicht gemacht. Es gibt heute ein, bei solchen Gelegenheiten übliches, Mittagessen mit Bürgermeister-Kollegen aus dem Landkreis und den Nachbargemeinden, „ansonsten bin ich ab Viertel vor acht im Rathaus, und wer kommen will, darf gratulieren. Das Rathaus ist offen wie immer.“

Von der Post zurPolitik

Seine berufliche Karriere startete Felbermeier als Post-Beamter – ja so hieß das damals noch. Doch schon 1994 bewarb er sich bei der Gemeindekasse in Haimhausen, setzte sich gegen eine Vielzahl von Mitbewerbern durch, wurde 1997 Kämmerer der Kommune und drückte nochmal die Schulbank für den Verwaltungsfachwirt und -betriebswirt (2003). Er kennt die Abläufe im Haimhauser Rathaus und die Kommunalverwaltung also aus dem Effeff. Da lag es nahe, für den Bürgermeisterposten zu kandidieren, oder? Felbermeier: „Als ich gefragt wurde, ob ich als Kandidat zur Verfügung stehe, habe ich wochenlang mit meiner Familie beraten, natürlich am meisten mit meiner Frau. Sie hat mich schließlich unterstützt. Sonst hätte ich es nicht gemacht.“ Gegen zwei Gegenkandidaten setzte er sich dann durch. Was hat ihn an diesem Amt gereizt? „Da hast Du nicht einen Beruf, sondern ganz viele: Architekt, Standesbeamter, Schulbeauftragter, Straßenbauer, Energieversorger und mehr. Es ist die Vielfalt der Herausforderungen.“ Und was ist mit der Amtskette, die es erst seit seiner Amtseinführung gibt? Felbermeier: „Ich hätte die nicht gebraucht, aber der Gemeinderat fand es an der Zeit, dass auch ein Haimhauser Bürgermeister so was hat.“ Nach dem Motto: Das können wir uns auch leisten? Felbermeier: „Ja, so ungefähr.“

Kommunalpolitik als Teamwork

Seitdem hat sich das Familienleben geändert. „Bei vier bis fünf Abendterminen finden unter der Woche kaum gemeinsame Abendessen statt, dazu kommen noch Wochenendtermine“, beschreibt Felbermeier seine Arbeitswoche. Und tagsüber ist er Ansprechpartner für 170 Beschäftigte in der Rathausverwaltung, den Zweckverbänden für Schule und Jugend und den Kommunalunternehmen für Energie und Liegenschaften. Felbermeier: „Ich bin zwar CSUler, aber kein besonderer Parteipolitiker. Kommunalpolitik ist für mich Teamwork. Anders geht es nicht. Der Gemeinderat sollte ein Spiegel der Gesellschaft sein. Ganz wichtig sind sachliche Diskussionen und das gegenseitige Zuhören. Ziel muss immer die kommunale Familie sein.“

Wir sind Familie

Keine Frage: Familie ist dem Haimhauser Bürgermeister extrem wichtig, letztlich dreht sich alles darum. Nicht nur im Haimhauser Rathaus, sondern auch im sechs Kilometer entfernten neuen Traumhaus der Felbermeiers in Ampermoching. Hier lebt Peter Felbermeier mit Frau und zwei erwachsenen Kindern (Sohn, 21, und Tochter, 18). Seine Frau lernte er im zarten Alter von 17 Jahren kennen, geheiratet wurde 1994. Neudeutsch nennt man diesen alten Trend Continuity, also Beständigkeit. Darauf legt Felbermeier viel Wert. „Ich habe ja spannende Arbeitstage mit flexiblen Terminen. Da schaffe ich mir feste Zeiten für Freizeit und Familie.“ Er wird wohl noch ein paar feste Termine einplanen müssen, denn wie es gut unterrichteten Kreisen hieß, bekommt er einen Grill für daheim geschenkt.

Sportlich, sportlich

Ganz wichtig für den Stressabbau ist für Felbermeier der Sport. „Beim Radeln oder Laufen geht das wunderbar.“ Fürs Laufen hat er zwei Termine in der Woche: „Am Mittwochnachmittag und am Sonntagvormittag laufe ich zehn Kilometer mit meinem Nachbarn. Und mit dem Rad bin ich unterwegs, wann immer es geht.“ Nicht mit der Frau? Felbermeier grinst: „Die hält es mit Winston Churchill – no sports.“ Dafür die Kinder: Tischtennis steht bei der Tochter hoch im Kurs und Fußball beim Sohnemann. Fußball war auch Felbermeiers große Leidenschaft, bis zu einer Knieverletzung. Als Zuschauer hat er sich aber mächtig über den Wiederaufstieg seiner Löwen in den Profifußball gefreut – denn der schwarze Politiker ist seit ewig auch ein blauer Fußballfan. Natürlich, so betont er, hätte er sich auch einen Erfolg des FC Bayern in der Champions-League gewünscht. Sehr selten trifft man den Bürgermeister bei der Hausarbeit an. „Das geb ich zu, ja. Mein Beitrag ist, darauf zu achten, dass die Spülmaschine strukturiert eingeräumt wird“, lacht der Gemeindechef. Genauso wie er Wert auf ein sauberes Auto legt. „Aber ich bin kein Autonarr, ich brauch’ was, was mich von A nach B bringt.“

Über Haimhausens Zukunft

An Herausforderungen wird es Felbermeier auch künftig nicht mangeln. Denn Haimhausen ist eine der dynamischsten Kommunen im Landkreis. „Die Balance auf dem Wohnungsmarkt zu finden, ist wahrscheinlich das Schwerste. Wir haben zwar viele Gutverdiener in der Gemeinde, aber wir sind halt nicht Grünwald, das eine Dreiviertel Milliarde Euro auf dem Festgeldkonto rumliegen hat.“ Die Attraktivität Haimhausens rührt nach Ansicht des Bürgermeisters aus drei hauptsächlichen Faktoren: die Amperauen als Erholungsgebiet, die Flughafen-Nähe und die Internationale Schule. Dass es keinen Bahnhof gibt, empfindet er als zusätzlichen Vorteil. „Die S-Bahn ist doch nur einen Katzensprung entfernt, und unser Ortskern ist frei von Parkverkehr.“ Was ist das Spannendste an der Zukunft? „Die dringend nötige interkommunale Zusammenarbeit ohne Identitätsverlust der eigenen Gemeinde“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Da hat einer seine Hausaufgaben gemacht.

Zum Schluss

Was macht Peter Felbermeier, wenn er nicht mehr zum Bürgermeister gewählt wird? Erhebt er dann Anspruch auf seine alte Stelle als Kämmerer? „Auf keinen Fall. Dann werde ich ins Ehrenamt wechseln. Mein Thema wird dann Inklusion werden. Also, wie können Behinderte ohne fremde Hilfe am gesellschaftlichen Leben ungehindert teilhaben. Das finde ich sehr spannend.“ Felbermeier hat für den politischen Ruhestand schon eine Herausforderung gefunden.

Gottfried Möckl

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