Rund 20 Millionen Euro investiert der Landkreis heuer. Ein Großteil fließt in die Schulsanierungen.
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Rund 20 Millionen Euro investiert der Landkreis heuer. Ein Großteil fließt in die Schulsanierungen.

Eheleute kritisieren Vergabe von Geldern

Entgeht Haimhausen ein Millionenbetrag? - Ehepaar zieht sich aus Bürgerstiftung zurück

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Wie es aussieht, geht der Bürgerstiftung Haimhausen ein Millionenbetrag durch die Lappen. Ein begütertes Ehepaar, das als Zustifter fungiert, zieht sich zurück. Das Paar meint, es sei über Jahre von der Gemeinde „völlig negiert“ worden. Vor allem aber ist es unzufrieden, wie mit den Stiftungsgeldern verfahren wird. Bürgermeister Peter Felbermeier kann genau das nicht verstehen.

Haimhausen – Die Bürgerstiftung Haimhausen unterstützt seit ihrer Gründung 2011 bedürftige örtliche Vereine und Organisationen mit Geldbeträgen. Eine gute Idee, fand ein wohlhabendes Ehepaar aus dem Ort, das seinen Namen nicht veröffentlicht haben möchte. Es fungierte seit 2014 als Zustifter für die Bürgerstiftung. Doch damit ist nun Schluss. Das Ehepaar ist heute bitter enttäuscht und hat sein Engagement beendet. Zum einen, weil es seiner Meinung nach von den für die Stiftung verantwortlichen Personen jahrelang missachtet wurde. Aber vor allem: Weil es unzufrieden ist, auf welche Art und Weise die Stiftungsgelder verteilt werden. Das Ganze habe ein „gewisses Geschmäckle“, wie die Zustifter sagen. Für die Gemeinde Haimhausen, die gemeinsam mit der Sparkasse Dachau die Bürgerstiftung gegründet hatte, bedeutet der Rückzug des Paares, dass ihr ein Millionenbetrag durch die Lappen geht.

Das gut betuchte Ehepaar hat vor gut sechs Jahren selbst eine Stiftung gegründet und darin einen gewissen Betrag für die Bürgerstiftung angelegt. Die jährlichen Zinserträge daraus fließen seither an die Bürgerstiftung. Zuletzt war dies „wegen der Nullzinslage eine relativ geringe Summe von 500 Euro“, sagt der Ehemann. Über die Jahre hinweg waren die Zuwendungen des Ehepaars an die Bürgerstiftung also eher bescheiden. Nur: Sollte das Ehepaar einst sterben, würde sich die Sachlage gewaltig ändern.

Denn insgesamt hat der Grundstock der Ehepaar-Stiftung ein Volumen von mehreren Millionen Euro. Und die Hälfte davon wollte das Ehepaar nach seinem Ableben an die Gemeinde Haimhausen vererben. Das Paar hat keine Kinder. Und: „Wir wohnen fast unser ganzes Leben lang in Haimhausen. Und da fanden wir es gut, dass unser Geld in unserem Sinne eingesetzt wird – es sollte den Menschen in unserem Heimatort zugute kommen“, so die Ehefrau. Doch dazu wird es nun nicht kommen. Im Februar haben die Gönner in einem Schreiben Bürgermeister Peter Felbermeier das Ende ihres Engagements mitgeteilt.

Als das Ehepaar 2014 als Zustifter einstieg, „haben wir ein gutes Gespräch mit dem Bürgermeister geführt“, sagt die Ehefrau. Seitdem, so die Eheleute unisono, habe es keinerlei Kontakte mehr zur Gemeinde gegeben. Man hätte sich über eine Geburtstagskarte oder vergleichbare menschliche Gesten durchaus gefreut. „Es ist der Gemeinde jedoch gelungen, uns über Jahre hinweg völlig zu negieren. Keine Ahnung warum, aber das muss man erst mal schaffen“, so das enttäuschte Paar.

Doch es gibt noch zwei weitere Punkte, warum die beiden Gönner ausgestiegen sind. Sie monieren einmal, dass ausschließlich Gemeinderäte über die Zuwendungen entscheiden. Zum anderen sind sie der Ansicht, dass die Gelder zu sehr „vereinslastig“ vergeben würden. Kirchliche oder soziale Einrichtungen kämen zu kurz, einzelne notleidende Mitbürger würden überhaupt nicht von der Bürgerstiftung unterstützt. „Mehrfach haben wir interveniert, die Bürgerstiftung über deren Satzung breiter aufzustellen“, sagt das Ehepaar, das sich zudem „weitere soziale Träger als Mitentscheider“ für die Geldverwendung gewünscht hätte.

Bürgermeister Peter Felbermeier kann den Ausstieg seiner beiden Gemeindebürger nicht verstehen. Er gibt zu, dass der Kontakt über die Jahre nicht da war. Aber was die Forderung nach anderen Entscheidern und weiteren Begünstigten angeht, „bin ich kein einziges Mal persönlich kontaktiert worden“, so das CSU-Gemeindeoberhaupt, das als Stiftungsratsvorsitzender agiert.

In Haimhausen darf nach einem Beschluss des Gemeinderats der Sozial-, Kultur- und Bildungsausschuss über die Verteilung der Stiftungsgelder entscheiden. Und das mache er laut Felbermeier in einer Art und Weise, die nicht zu beanstanden sei. Und er stellt zwei Dinge klar: Laut der Stiftungssatzung dürfen Einzelpersonen gar nicht unterstützt werden. Dennoch mache man das indirekt über den Verein Miteinander-Füreinander. Der Verein und die Bürgerstiftung „ergänzen sich in wunderbarer Weise“, so Felbermeier.

Wie, das erklärt Angelika Goldfuß, Gemeinderätin (Überparteiliche Wählergemeinschaft), Sozialausschussmitglied sowie Vorsitzende von Miteinander-Füreinander. Ihre örtliche soziale Einrichtung bekam voriges Jahr 2000 Euro von der Bürgerstiftung. „Das hat uns unglaublich geholfen“, so Goldfuß, „weil wir dadurch eine Frau etwa mit Lebensmittel- und Bekleidungsgutscheinen unterstützen konnten, die in schwierigster persönlicher Situation ist.“

Felbermeier hofft nun, dass die Tür zwischen Bürgerstiftung und Ehepaar nicht endgültig zugeschlagen ist. „Ich würde mich über ein persönliches Gespräch sehr freuen. Es sollte doch möglich sein, dass Sie Ihrem sozialen Engagement weiterhin, bei entsprechender Berücksichtigung Ihrer Anliegen, nachkommen können“, heißt es in seinem Antwortschreiben auf den Rückzug.

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