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CSU-Gemeinderätin Claudia Kops wurde im Gemeinderat und in einem Leserbrief scharf kritisiert.

In der jüngsten Gemeinderatsitzung

Bürgerstimme Haimhausen kritisiert CSU-Gemeinderätin Claudia Kops

  • vonLeyla Yildiz
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In der jüngsten Haimhauser Gemeinderatssitzung hagelte es Kritik von der Bürgerstimme gegen Claudia Kops. Der Grund dafür war ein Foto zu einem Bericht.

Haimhausen – Der Platz von Claudia Kops war in der vergangenen Sitzung des Haimhauser Gemeinderats leer – sie meldete sich vorab bei Bürgermeister Peter Felbermeier krank. Bis zum Schluss war ihre Abwesenheit nicht relevant. Doch bei den Wünschen und Anregungen ergriff Detlef Wiese von der Bürgerstimme Haimhausen das Wort. „Meine Frage wäre eigentlich an Claudia Kops gerichtet gewesen“, sagt er eingangs. „Nun frage ich dich Peter, ob Du dazu Stellung nehmen kannst.“

Er nahm dabei Bezug auf einen Leserbrief und einen Bericht zum 80. Geburtstag von Gertraud Urlhardt im Lohhofer Anzeiger. In dem Artikel gratulierte Claudia Kops unter anderem als CSU-Vorsitzende und zweite Bürgermeisterin der Jubilarin zu ihrem Geburtstag Ende September. Dazu hat das Anzeigenblatt ein Foto der beiden veröffentlicht.

Zwei Ausgaben später druckte das Blatt einen Leserbrief ab, der mit P.M. Müller gekennzeichnet war. Darin schreibt der Autor des Leserbriefs, dass er den Beitrag erschreckend fand. Der Grund: Claudia Kops und Gertraud Urlhardt halten den Mindestabstand nicht ein und tragen keine Maske. Kops arbeitet in einer Arztpraxis in Haimhausen und sollte nach Meinung des Autors mit der Problematik sehr vertraut sein. „Steht hier die CSU Haimhausen über dem Mindestabstand bzw. der Maskenpflicht? Ist so eine Person noch als Zweite Bürgermeisterin tragbar?“, fragte der Verfasser.

Claudia Kops konnte sich zwar im Gemeinderat nicht selbst äußern, doch auf Nachfrage der Dachauer Nachrichten sagte sie: „Ich habe nicht gedacht, dass jemand so böse sein kann.“ Ihre Erklärung für den geringen Abstand: Urlhardt ist ihre Taufpatin. „Wenn es nicht meine Taufpatin wäre, hätte ich mich nicht so nah hingestellt“, sagt sie. „Wir treffen uns regelmäßig und sie ist nach meiner Mutter die nächste nahe stehende Person.“

Gleichzeitig stellt sie klar, dass die CSU Haimhausen definitiv nicht über der Maskenpflicht stehe. Für ihre Patentante tut es ihr besonders leid. „Sie hat das schwer getroffen, sie fühlt sich schuldig.“ Kops hatte damals entschieden, keine Stellungnahme zu schreiben, um dem Autor des Leserbriefs „keine Plattform zu bieten“. Stattdessen versuche sie, das alles zu vergessen.

Im Gemeinderat machte Detlef Wiese aber trotz Kops Abwesenheit klar, dass er das Thema nicht totschweigen möchte. „Das wäre nicht okay“, sagte er an Bürgermeister Felbermeier gewandt. „Denn wir halten uns alle an die Regeln, und wenn man in der Öffentlichkeit gesehen wird, dann ist es umso wichtiger, sich vorbildlich zu verhalten.“

Statt Felbermeier ergriff Angelika Goldfuß von der ÜWG das Wort. „Wir haben in der letzten Zeit öfter Gratulationen gehabt und wir sind immer mit Maske dagestanden“, erklärte sie. „Der Fotograf hat dann immer gesagt, dass wir kurz die Maske abnehmen sollen.“ Danach wären sie wieder auseinandergegangen und hätten die Masken wieder aufgesetzt. „Der Leserbrief war also überflüssig wie ein Kropf“, sagte sie. Dass man die Maske für ein Foto abnehmen solle, ist für Wiese aber nur eine fadenscheinige Entschuldigung. Sein Parteikollege Stefan Jänicke sieht das Hauptproblem darin, dass der Gemeinderat sich damit angreifbar mache. „Und wenn der Fotograf sagt, nehmt die Maske runter, dann sag ich einfach: nein, das geht nicht“, meinte er.

Der Bürgermeister erklärte, dass er bei dem Foto nicht dabei war. „Was soll ich dazu sagen?“, fragte er seine Gemeinderäte. „Der eine oder andere weiß aber vielleicht auch nicht, dass zwischen der Frau Kops und der Frau Urlhardt ein besonderes Verhältnis besteht – sie ist die Patentante von ihr.“ Das sei dann eine ganz andere Sache.

Auch CSU-Kollege Josef Heigl verteidigte Kops. „Dass das nicht richtig ist, ist in Ordnung“, sagte er. „Aber ich glaube, dass man da der Claudia keinen Vorwurf machen kann, weil sie den ganzen Tag mit der Maske herumläuft.“ Wiese fiel ihm harsch ins Wort und sagte, dass sie gerade deshalb wisse, wie sie sich verhalten müsse.

Der Bürgermeister registrierte die aufgeladene Stimmung und beruhigte die Gemeinderäte. „Wir reden über Leute, die nicht da sind, und ich denke, wir haben alle unsere Vorbildfunktion“, sagte er. Jeder begehe mal einen Fehler. „Und wer noch keinen gemacht hat, der soll den ersten Stein schmeißen.“

Kommentar: Für ein freundlicheres Miteinander

Schon seit neun Monaten bestimmt die Coronakrise unseren Alltag – Abstand halten, Maske tragen, Hände waschen oder desinfizieren. Das sind grundlegende und wichtige Maßnahmen, um die Pandemie weitestgehend einzudämmen. Doch haben wir Kontakt zu Familienangehörigen, seien wir mal ehrlich, tragen die meisten Menschen so gut wie keine Maske. Im Fall von Claudia Kops ist Gertraud Urlhardt nicht nur ihre Patentante, sondern: Sie steht ihr nach ihrer Mutter am nächsten. Abgesehen davon entstand das Foto zu einer Zeit, als die Kontaktbeschränkungen noch lockerer waren. Die Vorwürfe in dem Leserbrief brachten Gertraud Urlhardt sogar soweit, dass sie sich für alles schuldig fühlt. Klar, steht Claudia Kops mit ihren Funktionen in der Gemeinde in der Öffentlichkeit, und klar ist auch, dass sie bei dem Geburtstag von ihrer Patentante auch als offizielle Vertreterin der Gemeinde war. Dennoch sollte man sich gerade in diesen schweren Zeiten, in denen Nächstenliebe und freundliches Miteinander so wichtig sind, nicht gegenseitig anfeinden – schon gar nicht, wenn jemand einer nahe stehenden Person zum Geburtstag gratuliert. 

Leyla Yildiz

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