Mann mit blauem Hemd vor Hebebühne.
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Der Chef des Hebebühnenverleihers Schmid, Josef Schmid bezeichnet Ali Camara als Glücksfall.

Firmenchef will Flüchtling behalten

Die Krux mit dem Pass

  • vonLeyla Yildiz
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Ali Camara lebt seit 2015 in Deutschland, ist gut integriert und hat eine Ausbildungsstelle beim Hebebühnenverleih Schmid in Haimhausen. Doch sein Pass könnte jetzt der Grund sein, warum seine Arbeitsgenehmigung entzogen wird.

Haimhausen – In seiner Heimat Mali herrschen seit Jahren Unruhen – der Grund, warum Ali Camara aus dem kriegsgebeutelten Land über Algerien, Libyen und das Mittelmeer nach Europa floh. Seit 2015 ist der heute 24-Jährige nun in Haimhausen, hat eine Ausbildungsstelle zum Bau- und Landmaschinenmechatroniker beim Hebebühnenverleih Schmid und ist gut integriert. Doch es könnte sein, dass Camara seine Ausbildung nicht beenden kann: wegen seines Passes.

Doch der ist unbedingt nötig, damit Camara seine Identität vor dem Landratsamt klären und somit seine Ausbildung beenden kann.

Dass er willig ist, seine Identität nachzuweisen, hat Camara laut seinem Flüchtlingshelfer Hans Wacker mit der Beschaffung einer Geburtsurkunde bewiesen. Doch das war mit viel Aufwand verbunden. „Ein Bekannter von Ali hat sich auf den Weg gemacht und hat seine Geburtsurkunde besorgt“, sagt Wacker. „Anschließend hat er ein Foto gemacht und es Ali über WhatsApp geschickt.“

Das Foto der Urkunde reicht dem Landratsamt nicht aus – es müsste im Original vorliegen. Um ans Original zu kommen, gäbe es nur eine Möglichkeit. „Eine Cousine von Ali in Paris bekommt demnächst Besuch aus Mali“, sagt Wacker. „Der könnte die Urkunde mitnehmen und anschließend nach Haimhausen schicken.“

Flüchtlinge wie Ali Camara sind gesetzlich verpflichtet, ihre Identität nachzuweisen. Das Landratsamt verlangt von ihnen „taugliche und systematische Nachweise“, wie Landrat Stefan Löwl sagt. „Asylbewerber müssen deshalb einen Plan vorlegen, wie sie an einem Pass kommen.“

Ist das gegeben, kann der- oder diejenige weiterarbeiten. Andererseits ist der Pass Voraussetzung für eine Abschiebung. Deshalb haben viele Flüchtlinge Angst vor den Folgen, wenn sie sich um einen Pass bemühen. Doch auch wenn ein Pass vorliegt, gibt es laut Löwl „rechtliche Wege, bei guten Integrationsleistungen und einer Arbeitsstelle eine Abschiebung zu vermeiden. Da muss einfach ein bisschen Vertrauen in uns da sein.“

Laut Wacker ist das Beschaffen eines Passes aus Mali extrem schwierig. Die Behörden in Mali sind alles andere als kooperativ. Wacker: „Staaten wie Mali haben kein Interesse, dass Flüchtlinge an einen Pass kommen.“

„Der Ali ist ein Glücksfall für uns!“

Bis zum 30. November hat der 24-Jährige noch Zeit, sich einen Pass zu besorgen, ansonsten wird ihm die Arbeitserlaubnis entzogen. Für Camara und seinen Chef Josef Schmid vom Hebebühnenverleih Schmid wäre das schlimm. „Der Ali ist ein Glücksfall für uns“, sagt er. „Er hat technisches Verständnis, eine robuste Gesundheit ist zuverlässig und bringt Fröhlichkeit in die Firma.“

Mit dem Ende seiner Ausbildung wäre der junge Mann als Bau- und Landmaschinenmechatroniker eine Fachkraft. Eine Fachkraft, die in Deutschland dringend gesucht wird. Deshalb versteht Schmid es nicht, warum ausgebildete Asylbewerber abgeschoben werden, obwohl in Deutschland so ein Fachkräftemangel herrscht. Schmid: „Sie machen die Arbeit, die kein Deutscher machen will, weil die sich die Hände schmutzig machen könnten.“

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