Zettel im Halbschatten
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September 2015: Tausende Flüchtlinge kamen Tag für Tag nach Deutschland, sie brauchten und bekamen Hilfe.

Helferkreis Haimhausen unterstützt Flüchtlinge

„Es gibt nach wie vor genug zu tun!“

In Haimhausen leben immer noch über 70 Flüchtlinge. Der Helferkreis unterstützt sie - es gibt positive und weniger positive Nachrichten.

Haimhausen – 120 Frauen und Männer meldeten sich Ende September 2015 – sie alle wollten helfen. Zu Tausenden kamen damals Flüchtlinge nach Deutschland, in Haimhausen wurde – wie in so vielen Gemeinden – ein Helferkreis gegründet. Heute ist noch „ein harter Kern“ von etwa 15 bis 20 Helfern übrig. Leiterin ist Monika Rank. Sie sagt: „Es gibt nach wie vor genug zu tun!

Die größte Herausforderung sei es, von den Behörden die Genehmigungen zu bekommen, dass die Geflüchteten arbeiten dürfen. „Dabei ist dies unstrittig der wesentlichste Punkt zur Integration und damit Teil unserer Gesellschaft werden zu können“, sagt Monika Rank. „Es gibt nach wie vor viele Hürden, eine der schwierigsten ist die geforderte Passbeschaffung aus der Heimat.“ Dies erfordere viel Zeit und Geld und bleibe manchmal auch unmöglich. Rank: „In den Heimatländern sind die Behörden teilweise korrupt, verlangen neben Geld auch die Vorsprache von nahem Verwandten. Und diese Verwandten haben oft Angst um ihre eigene Sicherheit, wenn sie einen Geflüchteten im Ausland unterstützen – ein Teufelskreis.“

Die Arbeitsverbote haben zur Folge, dass die Asylbewerber über Jahre keine festen Strukturen bekommen, sie seien „zum „Rumsitzen verdammt, ohne Perspektive“, hat Rank beobachtet. „Das ist schwer auszuhalten, und wir können es nach wie vor nicht verstehen, dass unser Land lieber den Lebensunterhalt finanziert als einen Perspektivwechsel anzubieten.“ Denn oft können diese Menschen aus den verschiedensten Gründen nicht abgeschoben werden und bleiben somit im Land. Es gibt Asylbewerber, die die ständige Unsicherheit nicht mehr aushalten und sich aus eigenem Willen auf den Weg nach Hause machen. Rank: „Das sind zu unserem Erstaunen oft die Fleißigen, die hier gearbeitet haben.“

Doch es gibt auch positive Nachrichten: Asylbewerber, die erfolgreich ihre Ausbildung abschließen oder ein kleines Zimmer gefunden haben. „Diese Glücklichen hatten so gut wie immer einen vertrauten Menschen, oft im beruflichen Umfeld, der sich für sie eingesetzte“, sagt Rank. Ein in Haimhausen untergebrachter Asylbewerber studiert sogar seit über einem Jahr in einem anderen Bundesland. Auch die aktuell wieder und aus Spendengeldern bezahlten Deutsch-Kurse vor Ort laufen gut, in der Corona-Zeit sogar als Online-Kurse.

Seit 2015 steht die Container-Unterkunft an der Amperpettenbacher Straße. Sie ist aktuell mit 52 Personen belegt, es sind zum Teil ganze Familien. Nach fünf Jahren ist die Unterkunft stark abgewohnt, teils marode. Wie Monika Rank berichtet, sei die Frage völlig offen, was mit den Menschen zum Ende dieses Jahres passiert. Denn das Containerdorf wird wohl geschlossen. Zur Zeit gibt es für die Bewohner keine Aussichten auf Unterbringung.

Detlef Wiese, früher selbst Leiter des Helferkreises und jetzt für die Bürgerstimme im Gemeinderat, spricht hier von einem „klaren Versagen der Gemeinde“. Andere Gemeinden wie Karlsfeld hätten die vom Landrat zugesagte Unterstützung zum Bau von dauerhaften Asylunterkünften in der Holzständerbauweise genutzt.

Der Landkreis hat in Haimhausen noch ein Haus an der Straße Am Pfanderling gemietet. Dort sind 21 Flüchtlinge untergebracht. Beim Helferkreis spricht man vom „Auszubildenden-Haus“, weil es sich vor allem um junge Menschen handelt.

„Unser Motto ist nach wie vor, jedem eine Chance zu geben, und so werden wir nicht müde, Deutschkurse anzubieten“, sagt Monika Rank. Es kommen auch immer wieder neue Asylbewerber, die Hilfe benötigen. Die Flüchtlinge lernen mit Unterstützung der Helferkreis-Freiwilligen Deutsch, sie bekommen Hilfe bei Behördengängen, werden zum Beispiel bei Arztbesuchen begleitet. Die Helfer sorgen auch für Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Aufgrund der Corona-Pandemie ist der Helferkreis allerdings seit Monaten in seinen Tätigkeiten stark eingeschränkt.

„Der Wille der Geflüchteten auf eine selbstbestimmte Zukunft ohne Angst, mit Arbeit und einem Zuhause ist glücklicherweise sehr stark“, betont Monika Rank, das mache Hoffnung. Der Helferkreis Haimhausen sucht für die Menschen in den beiden Unterkünften stets Sachspenden. Alle Infos dazu im Internet unter www.helferkreis-haimhausen.de.

dn

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