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Der Eisvogel ist an der Amper eigentlich heimisch: Er liebt das klare Wasser. Nur die Steilwand fehlte ihm. 

Naturschützer bauen Uferwand in Haimhausen

Eine Steilvorlage für den Eisvogel

Dachau/Haimhausen –Ein Eisvogel hat keine allzu hohen Ansprüche: ein klares, fischreiches Gewässer – und eine Steilwand am Ufer. Genau daran mangelte es an der Amper. Bis jetzt: Nun haben Naturschützer eine gebaut.

Die Eisvögel brauchen die Steilwand, um dort ihre Brutröhre bauen zu können. Also haben Naturschützer der Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz und der Gebietsbetreuer des Ampertals, Sebastian Böhm, die Sache angepackt und den Vögeln zu einer neuen Heimstatt verholfen.

In Haimhausen wurde ein Uferabschnitt so umgestaltet, dass eine senkrechte Wand entstanden ist. „Diese Wände ergaben sich früher, vor der Begradigung und Uferbefestigung der Amper, ganz natürlich – durch Seitenerosion“, erklärt Sebastian Böhm. „Mittlerweile sind sie aber selten, und ihre Bewohner wie der Eisvogel oder auch Uferschwalben leiden unter Wohnungsnot.“ Die Idee zur künstlichen Ufergestaltung lag also nahe.

Im Landkreis Fürstenfeldbruck wurde durch die Gebietsbetreuung 2015 bereits eine Eisvogelwand aufgestellt, nun sollte dem Vogel auch im Landkreis Dachau geholfen werden. Hierzu taten sich die Gebietsbetreuung und der Landesbund für Vogelschutz zusammen. „Das Projekt mit der Eisvogelwand stieß von Anfang an bei uns auf große Zustimmung und wir waren bereit, mit anzupacken“, sagt Manfred Kühn, Schatzmeister der LBV-Kreisgruppe Dachau. „Schließlich bietet die Amper abgesehen von den Nistmöglichkeiten ideale Lebensbedingungen.“

Handarbeit: Sebastian Böhm (vorne) und Manfred Kühn.

Bis zur Umsetzung waren jedoch noch einige Planungsarbeiten nötig. Alle Arbeiten an Gewässerufern bergen prinzipiell die Gefahr, dass durch Uferabbruch dem Eigentümer Teile seines Grundstücks abhanden kommen. Also musste eine Fläche gefunden werden, bei der diese Tatsache nur eine untergeordnete Rolle spielt. Auf einer Ausgleichsfläche der Gemeinde Haimhausen wurden die Naturschützer schließlich fündig, nein diese Fläche drängte sich geradezu auf: Denn sie soll der Kompensation von menschlichen Eingriffen in die Natur und dem Erhalt der heimischen Tier- und Pflanzenwelt dienen.

Für die Wartung der Ufer und der Gewässersohle sind dort allerdings die E-Werke Haniel zuständig, also war auch ihr Einverständnis einzuholen. „Das hat alles hervorragend geklappt“, berichtet Böhm: „Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Haimhausen und den E-Werken war unkompliziert, beide haben das Projekt von Anfang an unterstützt.“ Auch die Genehmigung des Landratsamts war schnell eingeholt.

Die Maßnahme selbst war dann in wenigen Stunden umgesetzt. Zusammen mit ehrenamtlichen Helfern des LBV wurde der Uferabschnitt abgegraben und so umgestaltet, dass ein Eisvogel optimale Bedingungen zur Anlage seiner Brutröhre vorfindet. Ob die Maßnahme erfolgreich war, zeigt sich aber erst im Frühjahr, wenn die Vögel hoffentlich in der neuen Wand ihre erste Brut großziehen.

Auf jeden Fall sind noch weitere Standorte in Planung, um das Potenzial der Amper als Brutgebiet auszuschöpfen. „Die Amper könnte wesentlich mehr Eisvögeln Heimat bieten, als momentan vorhanden sind. Und das wäre auch gut so, denn in extremen Wintern erleidet die Population oft hohe Verluste“, erklärt Böhm. Diese können dann nur durch mehrere Bruten im Jahr ausgeglichen werden, wozu natürlich die entsprechende Anzahl an Nistmöglichkeiten vorhanden sein muss.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser „Paradiesvogel“ der heimischen Fauna in Zukunft öfter bei seinen rasanten Flügen entlang der Amper und ihrer Nebengewässer zu beobachten ist.

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