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Wurde im 18. Jahrhundert errichtet: die Schlossbrauerei Haimhausen. Zum Ende des Jahres wird das Unternehmen seine Produktion einstellen.

„Es tut weh“

Kult-Brauerei muss nach 400 Jahren dichtmachen

In Haimhausen in Oberbayern geht das Brauerei-Sterben weiter: Jetzt schließt ein 400 Jahre alter Betrieb - den Betreibern bleibt nichts anderes übrig, als zu resignieren.

Haimhausen – Das Brauereisterben in Landkreis Dachau greift weiter um sich. Jetzt hat es die Schlossbrauerei Haimhausen getroffen – damit gibt es von ehemals acht großen Brauereien im Landkreis in den 80er Jahren nur noch drei. Das Unternehmen, das bereits seit über 400 Jahren Bestand hat, wird seine Produktion zum Ende des Jahres für immer einstellen müssen. Den Gaststätten, die Bierverträge mit der Brauerei haben, wurde bereits gekündigt. Als Gründe nennt die Besitzerin Monika von Haniel neben den gestiegenen Kosten durch zu große Betriebsflächen und den alten Gebäude- und Maschinenstand, auch den Absatzrückgang.

Haimhausen: Brauerei macht dicht - Rahmenbedingungen nicht mehr gut genug

„Die Rahmenbedingungen für das Braugewerbe haben sich seit Jahren verschlechtert“, sagt die Chefin. Das sei durch das Brauereisterben eindrucksvoll belegt. Dass die Produkte zum Großteil nur im Landkreis Dachau bekannt waren, spiele bei der Schließung ebenfalls eine Rolle. Zwar habe die Brauerei kleine Stüberl in München mit ihrem Bier beliefert, doch diese seien mit der Zeit ebenfalls von der Bildfläche verschwunden. Das Gasthaussterben sei ein weiterer Grund. Außerdem wandelt sich die Brauereiszene, erklärt Monika von Haniel. Neue Biersorten kommen auf den Markt – ein großes Produktsegment ist dabei das Craft Beer. „Wir haben den Wandel deutlich gespürt“, so die Besitzerin.

Die Veranstaltungen, bei der die Brauerei in der Gemeinde die Besucher stets mit Getränken versorgt hatte, zeigten sich im Absatz nicht deutlich genug. „Die Einnahmen waren bei diesen Events nur punktuell“, erklärt von Haniel. Das große Bierfest, das die Schlossbrauerei jedes Jahr ausgerichtet hat, war dieses Jahr das letzte. Monika von Haniel gibt sich resigniert: „Mit einem weinenden Auge war das das letzte Brauereifest.“

Erst in Siegertsbrunn musste eine Brauerei schließen. Um die Hintergründe gibt es hartnäckige Gerüchte. *(Merkur.de) 

Haimhausen: Kult-Brauerei muss schließen - Betriebsteile teilweise unter Denkmalschutz

Der größte Unterstützer in den vergangenen Jahren war dabei immer die Gemeinde Haimhausen, wie Monika von Haniel bestätigt. „Sie hat sich immer bemüht, dass die Brauerei noch weiter bestehen kann.“ Nachdem kein Investor gefunden wurde, der in die Brauerei investiert, bemüht sich nun die Gemeinde, dass das Gelände nicht zu einem stillgelegten Industriegebäude verkommt. „Große Betriebsteile befinden sich unter Denkmalschutz, weshalb wir diesen Teil auch nicht einfach abreißen dürfen“, meint sie.

Auch in München hat ein Traditionsgasthaus geschlossen. Die Wirtin hat plötzlich hingeschmissen. *(Merkur.de) 

Landkreis Dachau / Bayern: Brauerei muss aufhören - uralte Geschichte vor dem Aus

Die Brauerei wurde schon im 18. Jahrhundert am heutigen Standort errichtet. Seit 1890 ist die Brauerei im Besitz der Familie von Haniel, gegründet wurde sie aber schon 1608. In diesem Jahr verlieh Herzog Maximilian I., Theodor Viepeckh das Recht, in Haimhausen ein Brauhaus zu bauen. Um 1750 wurde das Gebäude abgerissen, da es durch Krieg und Vernachlässigung baufällig geworden war. Karl Ferdinand von Haimhausen baute es an der bis heute bestehenden Stelle neu. Unter Theobald Sigmund Butler wurde die Brauerei erneut zum Sorgenfall, da er zuvor viel in neue Brauereitechnologien investiert hatte und ihm damit das Geld ausging. Einen Aufschwung erlebte die Brauerei erst wieder mit Theobald Graf Butler-Haimhausen. Nach Jahren der guten wirtschaftlichen Entwicklung verkaufte er an die Familie Haniel. Seitdem ist die Brauerei im Besitz der Familie geblieben.

Deshalb ist es für Monika von Haniel schwer, nun von der Brauerei Abschied zu nehmen. „Es tut weh, dass man so ein traditionsreiches Unternehmen schließen muss.“ Mit der Schließung werden auch die Biere für immer vom Markt verschwinden, jedoch werden bis ein paar Monate nach Schließung die Biere weiter verkauft, bis das Lager der Brauerei Haimhausen komplett abverkauft ist. Im Jahr hat die Schlossbrauerei rund 3500 Hektoliter produziert.

Ein anderes Kult-Lokal hat in München dagegen sein Comeback gefeiert. 

Haimhausen: Brauerei macht dicht - nur noch wenige bleiben über

Im Landkreis Dachau gibt es nach der Schließung der Schlossbrauerei Haimhausen nur noch drei große Brauereien. Dazu zählen die beiden Altomünsterer Braubetriebe Maierbräu und Kapplerbräu sowie die Schlossbrauerei Odelzhausen. 

Die Schlossbrauerei Odelzhausen ist die älteste von den dreien. 2000 Hektoliter untergäriges Bier werden dort jährlich gebraut. Gegründet wurde sie 1450 und ist seit 1918 im Besitz der Familie Eser. Hans Eser beobachtet das Brauereisterben seit den 80er Jahren: „Damals gab es noch acht Brauereien im Landkreis Dachau“: Brauerei Mayr in Vierkirchen, Klosterbrauerei Indersdorf, Schlossbrauerei Mariabrunn, Schlossbergbrauerei Dachau, Schlossbrauerei Haimhausen – und die drei bestehenden. „Das ist schon bedenklich“, so Eser. 

Eine Ursache sei auch, dass der Bierkonsum allgemein zurückgehe. Allerdings sieht er mit der Zunahme der Craft Biere „einen Lichtblick: Das Bewusstsein für Biere aus handwerklichen Brauereien nimmt wieder zu, ich sehe darin eine Chance“, so Hans Eser. 

Haimhausen/Bayern: Brauereien vor dem Aussterben

Der zweitälteste Betrieb ist der Kapplerbräu, dort wird seit 1561 Bier gebraut – inzwischen im Schnitt 6000 Hektoliter pro Jahr. Das Unternehmen leiten in vierter Generation die Geschwister Hans, Anton und Max Wiedemann. Den Grundstein für den Maierbräu setzte 1886 Franz Xaver Maier, indem er das Anwesen mit Brauereigasthof und Landwirtschaft von Hans Müller erwarb. Die Brauerei ist seitdem im Besitz der Familie Maier. 

Ein weiterer Brauereibetrieb ist der Tobiasbräu in Markt Indersdorf. Der gelernte Braumeister Tobias Socher hat sich seinen Traum erfüllt und braut seit 2007 sein eigenes Bier, im Schnitt 120 Hekotliter im Jahr. Zur Schließung der Schlossbrauerei Haimhausen sprachen Hans Wiedemann sowie Tobias Socher ihr Bedauern aus. „Es ist schade, dass wieder einmal ein Unternehmen mit so langer Tradition seinen Betrieb einstellen muss.“ Zwei kleinere Brauereien gibt es in Prittlbach und in Bergkirchen. Die Kellerbrauerei Prittlbach wurde seit 1996 erst als Hobbybrauerei geführt, 2014 wurde sie „offiziell“ zur Brauerei. Dieter Scholz und sein Team brauen etwa 70 Hektoliter pro Jahr. Amperbräu wurde 2016 von fünf Freunden gegründet. 500 Hektoliter im Jahr werden in Neuhimmelreich gebraut.

In Eichenhofen hat kürzlich wieder ein Wirthaus geschlossen.  

*Merkur.de ist Teil des bundesweitenIppen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

ly

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