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Ein Dobermann attackierte am Sonntagnachmittag im heimischen Garten sein Herrchen (Symbolbild).

Hundeattacke in Haimhausen

Nach der Attacke eingeschläfert: Dobermann greift Herrchen (67) an und verletzt ihn schwer

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Ein 67-jähriger Haimhauser ist am Sonntagnachmittag von seinem Dobermann attackiert und schwer verletzt worden. Ohne das Eingreifen eines 81-jährigen Nachbarn hätte der Angriff sogar tödlich enden können.

Haimhausen – Seit zehn Jahren kannte ein Ehepaar aus Haimhausen nun schon seinen Ajax, einen Dobermann-Rüden. Bereits dessen Mutter hatte zwölf Jahre bei der Familie gelebt; nach deren Tod, im Januar, war Ajax der einzige Hund des Paares. Beide, sowohl Mutter als auch Ajax, seien „immer brav“ gewesen, so die Halter. Die seit fünf Jahren in Haimhausen lebenden Hundebesitzer, bestätigt die Polizei, galten als erfahren, verantwortungsbewusst und kompetent im Umgang mit ihren Vierbeinern. 

Haimhausen: Dobermann greift Herrchen (67) an und verletzt ihn schwer

Doch das harmonische Zusammenleben zwischen Ajax und seinen Besitzern endete am Sonntagnachmittag jäh. Ohne Grund sprang der Hund sein Frauchen an, eine 68-jährige Haimhauserin, die gerade mit Gartenarbeit beschäftigt war. Ihr 67-jähriger Ehemann beobachtete die Szene und wollte seiner Frau zu Hilfe eilen und packte den Hund am Halsband. 

Doch das über 50 Kilo schwere Tier war nicht mehr zu halten. Es riss sich so heftig los, dass das Halsband nicht mehr hielt; komplett außer Kontrolle attackierte der Hund anschließend den 67-Jährigen, verbiss sich in dessen Kopf und Bein und verletzte den Mann schwer. Die Szene, so Polizeisprecher Günter Findl, muss grausam gewesen sein. Rettungskräfte sprechen davon, dass der Dobermann sein Herrchen habe „zerfleischen“ wollen. Doch das verhinderte Herbert Ziller, der 81-jährige Nachbar des Paares. Der Rentner war gerade in seiner Gartenlaube, als er auf dem Nachbargrundstück immer lautere Stimmen hörte. Als er in Richtung Zaun ging und sah, wie der Hund immer und immer wieder auf sein Herrchen einbiss – während dessen Ehefrau mit Holzlatten verzweifelt versuchte, den Dobermann zu vertreiben – da habe er zu seinem in der Nähe stehenden Enkel gerufen: „Komm, wir müssen da rüber, wir müssen helfen!“ Doch der 29-jährige Enkel traute sich angesichts der dramatischen Situation nicht: „Opa, da geh ich nicht hin, der bringt uns um!“

Dobermann wurde „immer aggressiver“: Tier greift Herrchen an 

Ziller dagegen ließ sich nicht aufhalten, mit einem Staubsaugerrohr bewaffnet verpasste er dem Dobermann von hinten einen Schlag auf den Kopf. Daraufhin ließ der Hund, der laut Ziller zuletzt „immer aggressiver“ geworden sei, von dem 67-Jährigen ab. Die Ehefrau konnte das Tier ins Haus scheuchen und einsperren, während Ziller das stark blutende Opfer mit seinem Staubsaugerrohr bewachte.

Noch während der Rettungsdienst den schwer Verletzten versorgte und für den Abtransport ins Dachauer Krankenhaus vorbereitete, trafen der 67-Jährige sowie die ebenfalls hinzu gerufene, langjährige Tierärztin des Dobermanns eine Entscheidung: Der Hund wurde eingeschläfert. Er könne es nicht verantworten, das Tier zuhause bei seiner Frau zu lassen, soll der Mann gesagt haben. Die Gefahr, dass sich eine derartige Attacke wiederhole, sei – auch angesichts des Alters des Tiers – zu groß. 

Dobermann nach Attacke in Haimhausen eingeschläfert - Herrchen in Krankenhaus

Tatsächlich ist das Vorgehen von Hundehalter und Veterinärin vom Tierschutzgesetz gedeckt. Wenn ein Hund ohne triftigen Grund angreift, wenn also „eine plötzlich eintretende Gefährlichkeit“ sowie „eine Verhaltensstörung“ vorliegt, darf das Tier eingeschläfert werden. Auch die Polizei macht den Haltern keinen Vorwurf, im Gegenteil. Grundsätzlich, erklärt Polizeisprecher Findl, gehören Dobermänner weder der Kategorie 1 (Gefährlichkeit nicht widerlegbar), noch der Kategorie 2 (Gefährlichkeit vermutet, aber widerlegbar) an. Zu ersterer Kategorie gehören beispielsweise Pit Bulls und American Staffordshire Terrier; zu letzter gehören American Bulldogs oder Rottweiler. Für Hunde wie Ajax braucht es Findl zufolge also „keinen Wesenstest – außer er ist auffällig“. 

Während sich der 67-Jährige noch im Krankenhaus erholt, überlegt man bei der Polizei, das beherzte – und lebensrettende – Eingreifen des 81-jährigen Herbert Ziller offiziell zu würdigen. Denn: In diesem Alter auf einen außer Kontrolle geratenen Dobermann zuzugehen, das sei, so Polizist Findl, „schon bemerkenswert“. Lebensretter Ziller lehnte jedoch ab. Seine Tat hält er für selbstverständlich: „Da denkt man nicht mehr nach, da hilft man einfach. Auch wenn man sich dabei selbst in Gefahr bringt.“ Seinen Enkel übrigens, der sich nicht getraut hatte, dem Mann zu helfen, den habe er deswegen auch „schon sauber gschimpft“.

Lesen Sie auch: Bei einem Unfall im Landkreis Schwandorf ist ein 45-Jähriger von einem Lkw überrollt und tödlich verletzt worden. Besonders tragisch: Der Mann hatte sich offenbar selbst zum Schlafen auf die Straße gelegt.

dn

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