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Erich Böck zeigt die Betreuungskarte für obdachlose Fliegergeschädigte.

Serie 75 Jahre Kriegsende: Erich Böck erinnert sich daran, wie eine Sprengbombe sein Zuhause zerstörte

„Ich war im Luftschutzkeller, als die Wohnung zerbombt wurde“

  • vonLeyla Yildiz
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Es war um die Mittagszeit, als Helene Böck gerade am Herd stand und kochte. Plötzlich hörte sie die Sirene des Fliegeralarms.

Haimhausen – Sie holte ihren Sohn Erich und eilte mit ihm in den Luftschutzkeller ihres Wohnhauses in München Neuhausen. Erich Böck war zu diesem Zeitpunkt im Juli 1944 sechs Jahre alt. Heute lebt er in Haimhausen und erinnert sich noch gut ans Kriegsende: „Das, was ich erlebt habe, vergisst man nicht. Das könnte genauso gut gestern passiert sein.“

Mit seiner Mutter und ihm harrten insgesamt sechs Frauen und acht Kinder im Luftschutzkeller aus. Neben dem Haus wurde eine Sprengbombe platziert. An den Moment der Explosion kann sich Böck genau erinnern: „Die Fenster hat es rausgedrückt, überall war Staub von den Bomben“, sagt er. Nach etwa einer Stunde befreiten Nachbarn die Frauen mit ihren Kindern. Erich Böck und seiner Mutter bot sich ein grausames Bild: „Die Hauswand war weggerissen. Unsere Wohnung war restlos kaputt.“ Im Schlafzimmer der Eltern hing ein achteckiges Heiligenbild. „Das war zerfetzt, doch das Hitlerbild, das in der Küche hing, blieb ganz“, sagt Böck heute.

Die Familie besaß das Foto, da sein Vater Hans Böck seit 1928 bei der Reichswehr als Militärmusiker war. Nach der Machtübernahme wurde die Reichswehr übernommen. „Deshalb hatte mein Vater das Hitlerbild, aber er war alles andere als ein Nazi“, sagt Erich Böck.

Seine Mutter nahm daraufhin das Foto und warf es wütend mit den Worten: „Du sollst auch hin sein“ auf den Schutthaufen des Hauses. Das beobachtete der Blockwart der Anlage. „Der hat das sofort gemeldet“, sagt Böck. „Etwa eine Stunde später musste sich meine Mutter mit mir an der Hand auf der Kommandantur melden.“ Der Einsatzgruppenleiter machte Helene Böck vor ihrem Sohn so fertig, sodass sie nur noch gezittert hat. Wehrkraftzersetzung nannte er ihr Handeln. „Wäre ich nicht dabei gewesen, dann hätten sie meine Mutter sicher eingesperrt“, sagt Böck heute.

Zu dieser Zeit durften Männer, die im Krieg waren, für eine Woche nach Hause kommen. Doch weil Helene Böck das Bild auf den Schutthaufen geschmissen hatte, durfte Hans Böck nicht zu seiner Familie. Als Beweis, dass Erich Böck und seine Mutter ausgebombt wurden, erhielten sie eine Betreuungskarte für obdachlose Fliegergeschädigte und 300 Reichsmark.

In München suchten die beiden Zuflucht bei einer Tante von Erich Böck. Doch als sie dort ankamen, stand das Haus nach einer Brandbombe in Flammen. „Gegen neun Uhr abends fuhr deshalb meine Mutter mit mir auf einem alten Herrenfahrrad nach Marzling im Landkreis Freising“, sagt Böck. Seine Mutter fuhr die Reichsstraße entlang. Heute ist das die Staatsstraße 2350. „Wir kamen dort um drei Uhr morgens bei meinem Onkel an.“

In Marzling hatten die beiden bis 1946 eine Wohnung. In der Zwischenzeit ist sein Vater aus dem Krieg zurückgekehrt. Zusammen zogen sie 1946 nach Haimhausen, wo Erich Böck bis heute wohnt. 

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