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Sein letztes großes Projekt: Otto Felkel auf dem neuen Radweg Richtung B13. 

„Man ist Mädchen für alles“

Haimhausens Geschäftsleiter Otto Felkel geht nach 29 Jahren in den Ruhestand

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Otto Felkel (63) ist das „lebende Archiv“ der Gemeinde Haimhausen. 29 Jahre war er Geschäftsleiter im Rathaus. Nun geht der Unterschleißheimer in den Ruhestand. Im Interview verrät er, welche Rolle Fasane bei seinem Amtsantritt spielten, warum er froh ist, dem Kommunalwahlkampf zu entkommen, und wie sich Haimhausen in all den Jahren verändert hat.

Herr Felkel, Sie wurden mit einem Versprechen des Haimhauser Gemeinderats und Jägers Fritz Nörl nach Haimhausen gelockt. Was steckt dahinter?

Felkel (lacht): Das muss man im Zusammenhang mit den Geschichten von Ludwig Thoma sehen. Früher wurden die Gemeindediener schlecht bezahlt, das haben die Landwirte mit Naturalien ausgeglichen. Und Nörl hat damals versprochen, mir jedes Jahr zu Weihnachten einen Fasan zu schenken. Das hat er bis 2002 gemacht, dann schied er aus dem Rat aus. Ich habe die letzten Fasane sogar selbst gerupft.

Respekt! Aber Sie hatten damals schwierige Startbedingungen: Als Sie in die Gemeinde kamen, hat Altbürgermeister Werner Blasius die Bürgermeister- und Gemeinderatswahl angefochten und eine Stimmnachzählung gefordert. Wie sind Sie damit umgegangen?

Das war zwei Jahre lang ein Hin und Her. Vor den Sitzungen wusste ich nicht: Gibt es heute einen Gemeinderat oder nicht? Mal hat ihn das Landratsamt ausgesetzt und das Verwaltungsgericht wieder eingesetzt (lacht). Trotzdem mussten Entscheidungen in der Gemeinde fallen. Nach zwei Jahren hat das Gericht die Kommunalwahl dann anerkannt.

Sie wollten dann nur eine begrenzte Zeit in Haimhausen bleiben – daraus wurden 29 Jahre...

Ja, aber es war extrem interessant. In so einer kleinen Gemeinde steht man für ein ganzes Projekt, ich habe 1992 etwa den Bau des Kindergartens begleitet oder 2013 den Bau der Amperbrücke in Ottershausen. Und man ist Mädchen für alles: Mal verteilt man die Post im Rathaus, beantwortet Bürgeranfragen, schreibt Pressetexte oder Entwässerungsbescheide, und in den vergangenen Jahren habe ich mich sehr um den Bau des Geh- und Radweges zur B13, die Herstellung von Öko- und Ausgleichsflächen und Öffentlichkeitsarbeit gekümmert.

Sie fahren selbst auch viel Fahrrad oder?

Auf jeden Fall, ich bin 80 Prozent meiner Diensttage in die Arbeit geradelt, weil es gesund ist und ich morgens die Rehlein und Dachse sehe – und dem Stau entgehe (lacht).

Sehr sportlich. Und was hat Ihnen an der Arbeit besonders Spaß gemacht?

In den 90er Jahren habe ich mit meiner Frau zusammen Jugendfreizeiten mit Zeltlagern für die Haimhauser Jugendlichen organisiert. Mir lag die Jugend immer am Herzen, weil sie unsere Zukunft ist.

Würden Sie den Job noch mal machen?

Hm, heute sind es ganz andere Zeiten. Als ich angefangen habe, hatte die Gemeinde Haimhausen 3800 Einwohner, jetzt sind es rund 6000. Früher war es eine ländlich strukturierte Gemeinde mit einem Touch Künstlerkolonie, heute muss man sagen, ist Haimhausen ein klassischer Vorort von München, und man muss darum kämpfen, dass es keine Schlafstadt wird.

Und worüber sind Sie froh, dass Sie es loshaben?

Dass ich nicht mehr so früh aufstehen muss und dass ich dem Kommunalwahlkampf entkomme.

Wieso?

Da wird zum Teil schon Unfug gefordert. Vor Kurzem gab es einen Antrag im Gemeinderat, dass man kompostierbare Hundekottüten in der Gemeinde anschafft. Das hätte man auch gleich der Verwaltung sagen können. Da missbraucht man die Presse.

Das haben Sie glücklicherweise bald hinter sich. Was haben Sie als Pensionist vor?

Ich möchte mehr Zeit für meine Ehefrau haben, mich mehr um mein Reihenhaus und Garten kümmern, mehr für die Gesundheit tun. Und wer weiß: Vielleicht braucht die Gemeinde ab und zu noch mein Wissen, wie Entscheidungen in der Vergangenheit zustande kamen. Ich bin vermutlich für einige Bereiche ein lebendes Archiv.

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