Auf den Spuren der Haimhauser Ortsgeschichte: Hiltrud Frühauf (Fünfte von rechts) hat viel Interessantes zu erzählen.
+
Auf den Spuren der Haimhauser Ortsgeschichte: Hiltrud Frühauf (Fünfte von rechts) hat viel Interessantes zu erzählen.

Haimhausen früher: Arbeitskreis Ortsgeschichte bietet wieder einen interessanten Spaziergang an

Künstler-Café, Kinosaal und sogar eine Badeanstalt

Haimhausen – Wo stand die erste Schule in Haimhausen? Wo war das legendäre Künstler-Café, in dem sich bekannte Schauspieler, Schriftsteller und andere Künstler trafen? Nicht nur diese Fragen beantwortete Hiltrud Frühauf vom Arbeitskreis Ortsgeschichte des Haimhauser Kultur-Kreises sehr versiert. Nach dem ersten Dorfspaziergang im Herbst 2020 gab es nun abermals die Gelegenheit, sich über die Vergangenheit Haimhausens zu informieren, was zahlreiche Interessierte gern taten.

Die Führungen begannen am Gasthof Adriatic Grill, früher Gasthof Nörl mit einem beliebten Tanz- und Kinosaal im Haus nebenan. Der Weg führte anschließend in die Pfarrstraße zum denkmalgeschützten Pfarrhof. Hiltrud Frühauf erzählte von der bewegten Geschichte des Pfarrhofs, dessen Vorgängerbauten zwei Mal ein Opfer der Flammen wurden. Eine Stele im Pfarrhofgarten verweist auf den „Apfelpfarrer“ und Gegner des NS-Regimes Korbinian Aigner, der als Kaplan von 1921 bis 1925 in Haimhausen wirkte.

Die Schulgeschichte Haimhausens wurde am Beispiel des 1852 von Graf Theobald Butler gebauten „Lehrerhauses“ in der Pfarrstraße erläutert, nach der Dorf- und Dachauer Straße der dritte und vorletzte Standort der Haimhauser Schule. Frühauf verwies auf den „Hansbauer“-Hof neben der Kirche St. Nikolaus, der als solcher bereits 1591 urkundlich erwähnt wurde und dessen Hofname sich bis heute erhalten hat.

Der Weg führte anschließend von der oberen Hauptstraße zur Dorfstraße vorbei an Häusern, in denen früher für ein Dorf so notwendige Handwerksberufe wie Wagner, Seiler, Weber, Sattler, Bader, Bäcker und Schmied ausgeübt wurden. In der Dorfstraße arbeiteten auch Schäffler für die nahe gelegene Brauerei der Schlossherren. Ein berühmtes Gebäude befand sich im 20. Jahrhundert in der Dorfstraße 10, denn es beherbergte zuerst das Fotoatelier Wolf samt Badeanstalt, ab 1948 dann das berühmte „Café Schmidt“, auch „Café Madame“ und „Letzter Salon“ genannt. Es war Treffpunkt bekannter Schauspielerinnen und Künstler und sogar Kulisse für den Film „Zur Sache Schätzchen“. Fotos von Albrecht Schinnerer zeugen von legendären Künstlerfesten.

Das historisch interessanteste Gebäude dürfte das ehemalige Schlossjäger- und Ledererhaus in der Dorfstraße 24 sein. Das Vorgängerhaus an dieser Stelle, urkundlich bereits 1660 erwähnt, befand sich auf einer vom Mühlbach umflossenen Insel. Bis 1959 übte der letzte Gerber des Dorfes, Alois Bruckmeier, dort seinen Beruf aus.

Es war ein überaus ambitionierter geschichtlicher Spaziergang, der bei allen Teilnehmern Begeisterung und Bewunderung auslöste. Für Teilnehmer, die noch mehr über die Geschichte Haimhausens wissen möchten, wird die „Chronik von Haimhausen“ empfohlen, die im Rathaus zu erwerben ist.  dn

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare