2 Leute mit Fahrrad
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Ratlose Radbesitzer: Monika und Siegfried Jobst mit neuem Radl (blau) und Leihrad (grau).

Beim Kauf auf Messe ging vieles schief

Nichts als Ärger nach dem Radlkauf

Monika und Siegfried Jobst hatten es sich so schön ausgemalt: mit zwei nigelnagelneuen E-Bikes Touren im Dachauer Land unternehmen. Doch beim Kauf der Drahtesel ging vieles schief. Wie sich herausstellte, ist das Ehepaar aus Haimhausen nicht allein mit seinem Groll auf den Verkäufer.

VON THOMAS ZIMMERLY

Haimhausen – Auf Bayerns größter Reise- und Freizeitmesse „f.re.e“ präsentierten sich Ende Februar vergangenen Jahres mehr als 1300 Aussteller aus 70 Ländern, darunter viele Fahrradhändler. Monika (59) und Siegfried Jobst (55) aus Haimhausen mischten sich unter die Besucher auf dem Gelände der Messe München im Stadtteil Riem. Ihr Ziel: die Anschaffung zweier E-Bikes, mit denen sie in ihrer Freizeit Touren im Dachauer Hinterland unternehmen wollten. Am Stand einer Firma mit Sitz in der Nähe von Weiden wurden sie fündig und kauften zwei Räder mit Elektroantrieb.

Gut ein Jahr später sind die Jobsts richtig sauer – denn bei dem Geschäft ging so ziemlich alles schief. „Wir haben dem Ganzen vertraut, weil wir dachten, dass es auf der f.re.e gute Geschäftsleute gibt, die etwas Ordentliches verkaufen“, sagt Monika Jobst. Also bestellten sie zwei E-Bikes, eines für 2390 Euro für Siegfried Jobst sowie eines für 2200 Euro für Ehefrau Monika. Der Preisunterschied erklärt sich in der Ausstattung der Drahtesel mit verschiedenen Bremsen. Überhaupt: Die Räder der Firma würden aus vom Kunden gewünschten, individuellen Komponenten etwa bei Bremsen, Sattel oder Lenker zusammengestellt; „Hand built“ eben, wie der Händler im Internet verspricht.

Jetzt fehlte also nur noch die Lieferung der beiden motorisierten Prachtstücke. Die Jobsts warteten und warteten und warteten. Doch die Firma lieferte nicht. Monika und Siegfried Jobst erklären, sie hätten eine Anzahlung pro Rad in Höhe von 500 Euro geleistet. Und auf der Messe sei ihnen eine Lieferung bis Ende März/Anfang April 2020 versprochen worden. Ab April versuchten die Haimhauser per Telefon oder E-Mail mit der Firma und deren Geschäftsführer Kontakt aufzunehmen. Die Firma sendete zwar ein paar Trost-Mails, „wobei sie uns nie sagten, was los ist“, so Monika Jobst. Irgendwann meldete sich der Geschäftsführer. „Er hat angerufen und gesagt, dass ein Rad fertig ist und er ein Leihrad liefern wird“, erinnert sich Monika Jobst, „danach herrschte Funkstille“.

Ende Mai schließlich kamen das Rad für Siegfried Jobst sowie ein Leihrad in Haimhausen an. Glücklich, wenigstens ein Modell erhalten zu haben, überwiesen die Jobsts den restlichen Kaufpreis von 1890 Euro – und bereuten diese Transaktion schon kurze Zeit später.

War der Groll bei dem Ehepaar über das unerwünschte Leihrad schon groß, so wurde er kurze Zeit später noch größer, als bereits bei der zweiten Tour der Elektromotor von Siegfried Jobsts Bike streikte. Ein Gutachter, so Monika Jobst, habe festgestellt, „dass es technisch nicht einwandfrei“ sei. Die Folge: Seit neun Monaten gammeln E-Bike und Leihrad im Keller vor sich hin.

Auf Nachfrage der Dachauer Nachrichten erklärt der Geschäftsführer, dass seine Firma auf Grund von Corona nicht habe liefern können, da es Schwierigkeiten mit Zulieferern gegeben habe. Dass eine Lieferzeit vereinbart worden sei, bestreitet er. Und: „Wir wollten den Defekt in Ordnung bringen. Doch der Käufer wollte das nicht, sondern vom Kauf zurücktreten.“ Was den Defekt angeht, meint der Geschäftsführer, dass die Jobsts möglicherweise am Rad „herumgebastelt“ haben könnten.

„Wir haben gar nichts gemacht“, sagt Monika Jobst zum Vorwurf des Herumbastelns, „so doof sind wir auch nicht.“ Das Ehepaar möchte „das Rad nicht mehr haben, weil es Mängel hat“. Und die Jobsts fordern ihr Geld zurück.

Bislang allerdings sahen sie keinen müden Euro. Beim Googeln nach Informationen über die Oberpfälzer Firma stellten die Jobsts stattdessen mit Schrecken fest, dass sich über ein Dutzend Käufer von dem Händler übers Ohr gehauen fühlen. Auch sie bekamen ihre versprochenen Räder nicht oder erhielten mangelhafte. Auch sie kämpfen um die Rückerstattung ihrer Anzahlungen.

Wie die Weidener Tageszeitung Der Neue Tag berichtet, kämen diese Kunden aus ganz Bayern. Auch eine Strafanzeige wegen Betrugsverdachts habe es gegeben.

 Das Ehepaar Jobst hat ebenfalls Anzeige bei der Polizei erstattet, einen Rechtsanwalt eingeschaltet und eine Whatsapp-Gruppe der Geprellten eingerichtet. „Bis jetzt sind acht, neun Leute dabei“, sagt Monika Jobst. Die Gruppe versucht nun, gemeinsam gegen den Verkäufer vorzugehen. Ein schwieriges Unterfangen. Laut dem Zeitungsbericht klagte ein Ehepaar aus Weiden im Juni 2020 vor dem Amtsgericht erfolgreich auf Auflösung ihres Kaufvertrages mit dem Händler. Nur: Auf die Rückzahlung ihrer Anzahlung in Höhe von 1164 Euro wartet das Paar bis heute vergeblich.

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