Ein etwas anderer „Hartplatz“: Peter Gojowczyks Bretter-Netz, das er während der Lockdown-Wochen vor seinem Haus aufstellte.
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Ein etwas anderer „Hartplatz“: Peter Gojowczyks Bretter-Netz, das er während der Lockdown-Wochen vor seinem Haus aufstellte.

„Eine schwierige Zeit für alle“

Tennisprofi Peter Gojowczyk spricht über seine Corona-Zwangspause

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Peter Gojowczyk ist einer der besten Tennisspieler der Region. Corona hat ihm nun eine Zwangspause verordnet. Wie der 30-Jährige damit umgeht hat er jetzt verraten.   

  • Peter Gojowczyk ist einer der besten Tennisspieler der Region.
  • Die Corona-Pandemie hat seiner Karriere nun eine Zwangspause verordnet.
  • Wie der 30-Jährige damit umgeht, wie er sich fit hält und was er für die Zukunft plant, hat er nun verraten.

Haimhausen – Seit 14 Jahren jettet Peter Gojowczyk nun schon um die Welt. Von Stadt zu Stadt, von Turnier zu Turnier, über 200 Tage im Jahr. Wahrscheinlich hat er Zeit seines Erwachsenen-Lebens in Flugzeugen mehr Zeit verbracht als mit seiner Familie. Während „normale“ Menschen für sechswöchige Aufenthalte in Neuseeland und Australien stundenlang mit Packen beschäftigt wären, braucht er dafür „exakt zwei Minuten“. Als Tennisprofi ist er das Leben im Hotel, aus dem Koffer, gewohnt.

Umso ungewohnter ist für ihn nun das, was er seit drei Monaten erlebt: eine Zwangspause, ausgelöst von einer weltweiten Pandemie, die den kompletten Tennis-Zirkus zum Stillstand gebracht hat. Im März war Gojowczyk noch im kalifornischen Indian Wells, anschließend wäre Phoenix auf dem Terminplan gestanden. Stattdessen ging es zurück nach Los Angeles und dann zurück nach München. Sein Leben wurde „auf einen Schlag runtergefahren. So was hatte ich noch nie“, sagt er.

„Es war eine schwierige Zeit für alle“

Peter Gojowczyk ist keiner, der hadert. Klar kostet ihn Corona viel Geld, als 30-Jähriger dürfte er die längste Zeit seiner Karriere auch schon hinter sich haben. Doch er sagt: „Es war eine schwierige Zeit, für alle.“ Noch mehr als die erwachsenen Profis würden jedoch die Nachwuchsspieler leiden: „Für die ist es ganz schlimm. Es gibt ja grade keine Turniere. Drum überlegt sich da mit Sicherheit grade der Eine oder der Andere: Wie geht es weiter?“

Er selbst betont, „keine schlaflosen Nächte“ zu haben. „Schließlich habe ich in den vergangenen Jahren ja ganz gut verdient.“ Dennoch ist er als selbstständiger Tennisprofi gerade ohne Einnahmen, muss seinen Trainer bezahlen und sein Leben bestreiten. Während Fußballprofis durch Verträge abgesichert sind, ist der Tennisprofi Einzelkämpfer: Da es zur Zeit keine Turniere gibt beziehungsweise auch keine Bundesliga gespielt wird, kann er seinen Beruf nicht ausüben und demzufolge auch kein Geld verdienen. Gojowczyks Kollege – und Freund – Matthias Bachinger, aktuell Nummer 268 der Weltrangliste, hatte in einem Interview mit der Bild-Zeitung vor wenigen Wochen sogar angekündigt, staatliche Unterstützung beantragen zu wollen. Immerhin: Gojowczyks Sponsoren – allen voran die Delta Equity GmbH – bleiben ihm treu, zumindest bis nächstes Jahr, „dann sehen wir weiter“, so der 30-Jährige.

Profi ohne Allüren: der Tennisspieler Peter Gojowczyk

Peter Gojowczyk zweite große Leidenschaft ist das Kochen

Insofern hatte er zuletzt auch genügend Zeit, seine Zwangspause zu genießen. „Ich habe das Inlineskaten für mich entdeckt, und Yoga“, berichtet er. „Ganz neue Muskelgruppen“ würden da trainiert – was ihm, langfristig, vielleicht auch helfen könnte, seinen Körper auch jenseits der 35 dem anstrengenden Profisport aussetzen zu können. Dazu arbeitet er ehrgeizig an seiner zweiten großen Leidenschaft: dem Kochen. Nachdem er sich die Grundkenntnisse „von der Mama und der Oma abgeschaut“ hat, bewegt er sich mittlerweile auf Fortgeschrittenem-Niveau: Im Hause Gojowczyk gibt es alpenländische Süßspeisen genauso wie Asiatisch oder Indisch. Die Decke fällt ihm in seinem Haus im östlichen Landkreis Dachau also nicht auf den Kopf, im Gegenteil: „Ich bin richtig froh, dass ich endlich mal meine Ruhe habe.“

Wobei: Seine „Ruhe“ bedeutet für einen Leistungssportler wie Gojowczyk immer noch mehrstündiges Training täglich. Am Anfang, während der Corona-Hochphase, beschränkte sich sein Programm zwar nur auf Fitness- und Krafttraining. Sein Vater zimmerte ihm dann irgendwann noch ein „Netz“, dass er vor sein Haus über die Straße spannen konnte. Seit einigen Wochen aber darf er auch wieder zurück auf den Court, täglich zwei bis drei Stunden arbeitet er wieder mit seinem Trainer Christopher Kas in Unterföhring auf der Sport Scheck Allwetteranlage. Ziel: fit werden für die hoffentlich stattfindenden US Open. Hartplatz ist ohnehin Gojowczyks Lieblingsbelag – dass er wegen Corona nun die Sand- und Rasensaison verpasst hat, findet er daher auch nur semi-bedauernswert.

Mögliche Pläne nach dem Profisport: dem Tennis als Trainer treu bleiben

Neben dem Aufladen der Akkus nutzte Gojowczyk die Turnierpause aber auch noch für die generelle Überlegung, wie es mit seinem Leben nach dem Profisport weitergehen soll. Eine Idee: dem Sport als Trainer treu zu bleiben. Und so schnuppert er derzeit auf der Anlage des SV Haimhausen gerade ein wenig in diesen Beruf hinein. Ohne Allüren gibt er dort Spielern jeder Klasse Unterricht. Bis August steht er den Hobbyspielern noch stundenweise zur Verfügung.

Er selbst hat in Dachau seinen Sport erlernt, bei einem Trainer „der alten Schule“: An oberster Stelle sei Disziplin gestanden, trainiert wurde „monoton, nur gerade Schläge“. Gojowczyk will als Trainer die Sache vielseitiger angehen, Kindern mehr Variation in den Schlägen beibringen. Wichtiger als rohe Kraft sei ohnehin „Ballgefühl, Beweglichkeit, Hand-Auge-Koordination und ein Gefühl für Räumlichkeit“.

Was Peter Gojowczyk wirklich fehlt, ist der Wettbewerb

Das Tennis selbst hat sich in den Augen Gojowczyks in den vergangenen Jahren nicht so sehr verändert, „eher das Drumherum, die Physis der Spieler. Es wird außerhalb des Platzes viel mehr gemacht“. Aus diesem Grund sieht er in der Krise auch die Chance, den Sport an sich zu verändern bzw. mal „etwas Neues auszuprobieren“. Gut vorstellbar wären zum Beispiel für ihn das sogenannte „On-Court-Coaching“ oder die fernmündliche Beratung mit dem Trainer via Headset. Auch eine neue Zählweise oder kürzere Sätze hätte man nun zumindest ausprobieren können. Grundsätzlich aber freut sich der 30-Jährige, bald wieder Matches spielen zu dürfen, egal in welchem Modus. Denn bei aller Leidenschaft für Yoga, Kochen und Coaching: Was ihm wirklich fehlt, „ist der Wettbewerb. Die Anspannung. Wenn man rausgeht und nicht weiß, ob man es schafft. Und dann am Ende gewinnt man“.

Tennistraining mit Peter Gojowczyk: „Nein, Volleys machen wir später!“

Wenn man als in die Jahre gekommene Hobbyspielerin mit „Trainer“ Peter Gojowzyk auf den Platz geht, hat man erst einmal Angst. Wie schlägt jemand, wie bewegt sich jemand, welche Ansprüche hat jemand, der normalerweise mit Stars wie Roger Federer auf dem Platz steht? Wenn man merkt, dass dieser Peter Gojowczyk ein geduldiger, zuvorkommender, höflicher Mensch ist, der seinen Schlagarm durchaus zügeln kann, kommt beim Hobbyspieler das Mitleid. Mitleid mit einem Mann, der – man kann es nicht oft genug sagen – normalerweise mit Stars wie Roger Federer spielt und nun seine Lebenszeit mit einer – auch das muss man wiederholen – in die Jahre gekommenen Hobbyspielerin verschwenden soll. Dazu kommt die Scham: „Hätte ich doch in den letzten Wochen trainiert, dann wäre ich ein bisschen fitter!“ Man will sich ja nicht völlig blamieren... 

Das Gute an „Coach“ Peter Gojowczyk: Er schafft es, seinen Schützling zu beruhigen. Mit einer Engelsgeduld erklärt er, spielt – zur Not auch 100 Mal – den Ball im immer gleichen Tempo an die immer gleiche Stelle, bringt noch so weit ins Aus segelnde Bälle zurück und hat dazu noch die Zeit, sein eingeschüchtertes Gegenüber zu loben und aufzumuntern. Noch während die Hobbyspielerin schlägt, kommt von drüben schon wieder die Korrektur – es ist ein Erlebnis zu sehen, wie man von einem wie Peter Gojowczyk gesehen wird. 

Längerer Kontakt mit dem Ball, dem Ball entgegen gehen: Tennistrainer Gojowczyk erklärt, wie eine beidhändige Rückhand aussehen sollte.

Was er heute schon kann: seinem Schützling zeigen, wie dieser Sport im Idealfall aussehen soll

Und der nimmt seinen Job als Trainer durchaus ernst. Wer glaubt, mit dem Star nur zum Spaß auf dem Platz zu stehen, irrt sich gewaltig. Als die in die Jahre gekommene Hobbyspielerin, völlig erschöpft, darum bittet, aus Kraftersparnis-Gründen nun bitte Volleys spielen zu dürfen, kommt von drüben ein entschiedenes „Nein. Das machen wir später!“ Aha, schon klar, die alte ASV-Schule, dann eben weiter mit Grundschlägen. 

Es wäre spannend zu sehen, was ein Trainer Gojowczyk in ferner Zukunft aus einem Tennisspieler macht, den er länger betreut. Ob er besser mit Damen oder mit Herren kann, ob er eher der Psychologe ist oder der Ausbilder. Was er heute schon kann: seinem Schützling zeigen, wie dieser wunderschöne Sport im Idealfall aussehen soll; und dass es aber auch nicht so schlimm ist, wenn man es nicht ganz so perfekt hinkriegt wie er.

Trainingsstunden

mit Peter Gojowczyk können per E-Mail unter tennismitpeter@gmail.com gebucht werden. Preis auf Anfrage. Bitte Name(n) und Wunschtermin angeben.

zip

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